Ingrid Hopman (77) lebt in Rimsting und hat mit einem Segelboot den Atlantik überquert.
Bad Endorf/Vogtareuth/ Rimsting – „Es war fantastisch“, schwärmt die heute 77-Jährige von ihrem ersten Kontakt mit der Fliegerei. Ihr Freund, mit dem sie 1967 Urlaub in Holland machte, überredete sie zu einem „kurzen“ Abstecher nach St. Michaelisdonn in Schleswig-Holstein. Dort gab es einen Flugplatz – „mitten in der Pampa“, erinnert sie sich.
Der Freund hatte den Pilotenschein und schnell saßen die beiden in einer kleinen Piper. Die damals 27-Jährige war vom Rundflug „hin und weg“, sagt sie. Aus diesem ersten Schnupperflug wurde dann viel mehr. Es wurde eine Passion, eine Leidenschaft, die bis heute ungebrochen anhält. Und außerdem bekennt Ingrid Hopman: „Das Flugzeug macht immer, was ich will. Das war bei den Pferden nicht immer der Fall.“
Ihre Ziele, die sie mit den einmotorigen Sportmaschinen ansteuert, sind über den ganzen Erdball verstreut. Aus den kurzen Platzrunden von einst wurden Langstrecken-Flüge auf allen Kontinenten. Sie fliegt intensiv in Amerika, war in Indien, in Italien und Frankreich und darf sogar auf Gletschern landen.
Doch ihr außergewöhnlichstes Flugerlebnis hatte sie in Papua Neuguinea. „Ich flog von Alice Springs in Australien nach Papua Neuguinea und landete dort als erste deutsche Pilotin.“ Geglaubt hat ihr das zunächst sogar der Mann der Flugsicherung nicht. „Wer war der Pilot“, sei sie von ihm nach der Landung gefragt worden. „Ich war der Pilot“, habe sie ihm auf Englisch geantwortet. Und nochmal: „Wer war der Pilot?“ So sei es einige Male hin- und her gegangen, bis es schließlich dem mitfliegenden Passagier zu dumm wurde: „Sie war der Pilot!“ Da habe der Beauftragte der Flugsicherung nur ungläubig seinen Kopf geschüttelt. „Wir Frauen werden oft unterschätzt“, meint Ingrid Hopman dazu lakonisch. Viele Pilotinnen könnten davon ein Lied singen. „Einmal sollte ich Italiener fliegen. Als sie sahen, dass eine Frau das Flugzeug steuern würde, weigerten sie sich, einzusteigen.“ Auch gutes Zureden und das Argument „unsere beste Pilotin“ hätten nichts geholfen.
Doch bis sich Ingrid Hopman ein solches Können erworben hatte, musste sie zahlreiche Hürden überwinden. „Meine Eltern wussten gar nicht, dass ich den Flugschein machte.“ Für den Einstieg nutzte sie damals gleich die restlichen Urlaubstage. Nach Holland kehrte sie gar nicht mehr zurück, sondern begann gleich mit der Schulung. Das war im Jahr 1967. Doch fertig machen konnte sie ihren PPL (private pilot license/ Privatpilotenlizenz) in der restlichen Zeit nicht mehr. Das gelang ihr dann 1968.
Zurück am Arbeitsplatz nach jenem denkwürdigen Urlaub hatte sie der Virus „Fliegen“ voll im Griff. „Vom OP hatte ich den perfekten Blick auf den Flugplatz. Ich sah die startenden und landenden Maschinen – für mich Traum und Motivation zugleich“, bekennt Ingrid Hopman, die damals als Anästhesie- und Intensivschwester in Klagenfurt arbeitete.
Zwillingsschwester heiratete Flugkapitän
Als sie schließlich den Pilotenschein nach bestandener theoretischer und praktischer Prüfung in Händen hatte, hielt sie ihn ihren Eltern unter die Nase. „Ich hatte zunächst befürchtet, dass sie es mir verbieten würden. Doch dann waren sie stolz auf mich“, erinnert sie sich. Ihre Zwillingsschwester teilt ihr spezielles Hobby übrigens nicht, dafür hat sie „einen Flugkapitän geheiratet“, schmunzelt Hopman.
Als vor fast 35 Jahren ihr Mann plötzlich verstarb – er war ebenfalls begeisterter Flieger – war ihr das Fliegen eine große Stütze. „Über ein Jahr lang stieg ich zwar in keine Maschine mehr, aber dann umso eifriger.“ Beim Fliegen sei es ihr immer viel leichter geworden. „In der Luft zu sein, das ist wie eine Befreiung für mich.“
1985, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, packte sie wieder richtig an: Für die Entwicklungshilfe flog sie Narkosegeräte nach Tansania. Und weil sie schon mal in Afrika war, wollte sie gleich „in einem Aufwasch“ den Kilimandscharo besteigen – mit knapp 6000 Metern der höchste Berg Afrikas. Doch dort hat sie eine der wenigen sportlichen Schlappen einstrecken müssen. Zunächst war bei 3800 Metern Schluss, dann streckte bei 4800 Metren endgültig die gefährliche Höhenkrankheit die Hand nach ihr aus. „Kaum war ich wieder 300 Meter tiefer, war der Spuk vorbei“, sagt Hopman mit einem Achselzucken. Man müsse halt seine Grenzen kennen und akzeptieren, meint sie.
Das sei besonders in der Sportfliegerei wichtig. Und ebenso nötig seien auch Schutzengel. „Ich hatte viele Schutzengel“, meint sie. Denn nicht immer sei der Piloten schuld an einem Absturz. Erst neulich sei ihr beim Landeanflug eine Drohne gefährlich nahe gekommen. „Sie hätte mich fast abgeschossen. Das geht nicht.“ Anschließend habe sie den „Drohnen-Flieger“ ordentlich zusammengestaucht.
„Ich würde nie mit dem Gleitschirm fliegen“
Spektakulär war eine Notlandung mitten in Disney-World in Florida. Ein Zylinder und ein Ventil waren gebrochen, der Motor spuckte nur noch. Deutlich brenzliger sei 2015 eine Situation in Botswana gewesen. Sie war mit einer Maschine in Johannesburg gestartet und hatte bereits die Namibwüste überflogen. Nach der Landung und dem Auftanken sollte es weitergehen. Zum Glück stellte sich schon am Boden heraus, dass der Ölfilter voller Metallspäne war. „Die Kurbelwelle war gebrochen und klein gehexelt im Motorraum. Wir wären mit Sicherheit tot gewesen, wenn wir gestartet wären“, erinnert sie sich an diesen dramatischen Vorfall. „Aber Angst hatte ich nie“, wehrt die 77-Jährige ab. Denn sonst könnte sich die leidenschaftliche Fliegerin nicht immer wieder mit Begeisterung ins Cockpit setzen.
Nur von einer Art zu fliegen hält sie gar nichts: Gleitschirmfliegen und Paragliden. „Das ist nix für mich. Da habe ich kein Vertrauen in das Fluggerät. Das würde ich nicht einmal versuchen.“