Herr Maier, in Vogtareuth hatten Sie Ihr Bürgermeisteramt nicht weiterführen wollen, weil Sie die Belastung als zu stark empfanden. Was hat Sie bewogen, sich doch noch einmal als Kandidat für ein solches Amt zu bewerben?
Der Tod von Bürgermeister Eisner ist eine völlig neue Situation. In den ersten Wochen war eine Kandidatur für mich überhaupt kein Thema. Nachdem aber immer mehr Bürger bei mir telefonisch und persönlich mit folgenden Argumenten anklopften, ob ich nicht doch kandidieren will, hab ich zu überlegen angefangen. Die plötzliche Lücke, die Bürgermeister Eisner hinterlässt, sei eine besondere Ausgangslage, hieß es. Ich sei ein erfahrener Kandidat, dem ein „Warmstart“ möglich wäre. Als Gemeinderat bin ich mitten in den einzelnen Themen, weiß als langjähriger Bürgermeister wie man auch handwerklich mit der Bürokratie zum Erfolg kommt, der die Tücken des Verwaltungshandelns durch und durch kennt und der in den verbleibenden zweieinhalb Jahren die bisherige Arbeit fortführen kann, denn die unmittelbar anstehenden Aufgaben sind schon anspruchsvoll und verlangen entsprechende Erfahrung.
Je mehr ich darüber nachdachte und mit dem entsprechenden Zuspruch, war ich überzeugt, das Bürgermeisteramt entsprechend ausfüllen zu können. Nach entsprechender Bedenkzeit habe ich letztlich zugesagt, auch im Wissen, dass ich von der CSU und den Parteifreien Bürgern Höslwang gemeinsam unterstützt werde.
Für eine volle Amtszeit von sechs Jahren wäre ich nicht zur Verfügung gestanden. Ich bin überzeugt, unsere Gemeinde Höslwang in eine gute Zukunft führen und für die nächste Wahlperiode ein entsprechendes Fundament schaffen zu können. Der nächste Kandidat soll dann weitgehend unbeschwert seine Arbeit aufnehmen können.
Was schätzen Sie an Höslwang besonders?
Es ist meine Heimatgemeinde. In Höslwang ist die Welt noch in Ordnung, man kennt sich, man hilft zusammen. Höslwang ist ein Kleinod, es ist irgendwie einzigartig. Im Gemeinderat wird Sachpolitik gemacht, es gibt keine politischen Querelen. Die gemeinsame Kanditatenaufstellung zum Gemeinderat 2014 und jetzt, ist beispielgebend.
Die Verlegung des Wertstoffhofes stößt bei den Höslwangern auf großes Interesse. Die Abfallsammelstelle soll aus der Ortsmitte verschwinden. Mit knapper Mehrheit fiel die Entscheidung für den Hirschberger Weg. Sollte es Ihrer Meinung dabei nach bleiben?
Eine Entscheidung bei der ich und etliche andere unglücklich sind. Der beabsichtigte Standort ist nicht unproblematisch, der Gemeinderat wird eine allgemeinverträgliche Entscheidung finden.
Gibt es Pläne für die Ansiedlung von weiterem Gewerbe in diesem Zusammenhang, die Sie weiterführen möchten?
Voraussetzung hierzu ist Verfügbarkeit von entsprechenden Grundstücken, dies ist eine der Herausforderungen.
Für kontroverse Diskussionen sorgt in Höslwang derzeit die Idee, auf dem Areal des Spiel- und Bolzplatzes ein Wohngebäude in der Ortsmitte zu errichten. Vor allem an der Massivität der Bauvorhaben scheiden sich die Geister. Welche Argumentation vertreten Sie in diesem Zusammenhang? Wo sehen Sie einen neuen Standort für den Spiel- und Bolzplatz, sollte hier gebaut werden?
Höslwang hat die einmalige Chance mit sehr wenig Eigenmitteln durch die Förderung des Freistaates Bayern zu größerem Wohnungseigentum zu kommen. Dies muss auf alle Fälle bis 2019 genutzt werden. Die entstehenden Wohnungen haben sozialverträgliche Mieten und können ohne eine Vorgabe vergeben werden. Der Standort des Gebäudes und seine Kubatur muss vorab der Bürgerschaft vorgestellt werden. Es ist schließlich die Dorfmitte und damit auch prägend. Für den Spiel- und Bolzplatz bleibt noch ausreichend Platz.
Auf der einen Seite die Kinder, auf der anderen Seite die Senioren: Was werden Sie für die ältere Generation tun, damit sie im Alter gut versorgt in Höslwang leben kann?
Im Bereich des Klosters besteht die Möglichkeit, entsprechende Einrichtungen zu schaffen. Im Rahmen der Dorferneuerung wird daran intensiv gearbeitet. Diese Arbeit unterstütze ich sehr.
Im Rahmen der bayernweiten Initiative „boden:ständig“ des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, in der es um praxisorientierten Boden- und Gewässerschutz geht, hat das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern ein entsprechendes Projekt am Pelhamer See gestartet. Der verstorbene Bürgermeister Josef Eisner war bei der Vertragsunterzeichnung vor drei Jahren dabei. Sind Sie auch ein Unterstützer dieses Projekts?
Ja, auf alle Fälle. Das Projekt von Bürgermeister Eisner ist aber nur Hand in Hand mit den Landwirten zum dauerhaften Erfolg zu bringen. Die Qualität des Wassers im Pelhamer See liegt uns allen am Herzen.
Die Nutzung der beiden Seitenflügel des Klosters wird aktuell diskutiert. Welche Möglichkeiten sehen Sie?
Hier ist die Arbeit der Dorferneuerung voll im Gang. Die einzelnen Möglichkeiten, die Einrichtung zur Betreuung für Senioren, einer Turnhalle und kleinerer Gewerbeflächen, werden zur Zeit ausgelotet.
Interview Petra Maier