OVB-Porträt der Woche: Monika Nebl, Autorin von E-Books

Fantastisches Erfolgsgeheimnis

von Redaktion

Schon als Zehnjährige schrieb sie Tagebuch, saß stundenlang in ein Buch versunken im Kinderzimmer und dachte sich selber Handlungen aus. Doch den ersten Roman hat Monika Nebl erst als junge Mutter veröffentlicht – geschrieben nach schlaflosen Nächten am Bett ihres kranken Sohnes. Er wurde gesund – und die Mama startete durch als Autorin.

Griesstätt – „Ich habe eine blühende Fantasie“, sagt Monika Nebl, die alle nur „Moni“ nennen, schmunzelnd. Oft hat die gebürtige Münchnerin damit ihr Umfeld etwas irritiert: ihre Eltern, die sich über die vielen Geschichten wunderten, über die die Tochter plapperte, später ihren Mann, der sie oft beobachtete, wie sie Szenen im Kopf entwickelte und dabei selbstvergessen mit sich selbst sprach. „Schreib es doch mal auf“, ermunterte er sie schließlich.

Monika Nebl begann, ihre Geschichten auf Notizblöcken festzuhalten. An eine Veröffentlichung dachte sie zuerst jedoch nicht, zu sehr hielt sie der Alltag mit drei in drei Jahren geborenen Kindern, darunter Zwillinge, Hausbau in Griesstätt und Berufstätigkeit als Schulsekretärin auf Trab.

Den ersten Fantasy-Roman schrieb sie im Krankenhaus: Sohn Raphael war im Alter von zehn Jahren an Leukämie erkrankt. In der Klinik kamen die Eltern nicht zur Ruhe. Einzige Ablenkung in schlaflosen Nächten: das Schreiben. Monika Nebl schrieb sich in eine andere Welt und las ihrem Sohn daraus vor. Er spann mit der Mama die Geschichte weiter – eine Ablenkung, die beiden guttat.

Romantik-Thriller und Fantasy-Romane unter zwei Pseudonymen

Raphael wurde wieder gesund, seine Mutter fühlte sich psychisch so gestärkt, dass sie ihr Buch einem Lektor zeigte. „Du kannst es“, lautete das Urteil, das die Wende brachte. Monika Nebl begann, ihre bisher geschriebenen Bücher zu veröffentlichen – gebunden, aber auch auf Amazon. Mit Erfolg: Sie schreibt und veröffentlich E-Books unter den Pseudonymen Katie S. Farrell (Romantik-Thriller) und Ainoah Jace (Fantasy), die eine immer größer werdende Fanleserschaft verschlingt.

Es passt zur Persönlichkeit der 50-Jährigen mit den langen blonden Haaren und dem temperamentvollen Auftreten, dass sie gleich zwei Genres bedient: Fantasy und Romantik-Thriller. Denn in Monika Nebl schlummern zwei Seelen: Sie hat eine lebhafte Fantasie, reist als gelernte Reiseverkehrskauffrau gerne, ist neugierig und offen für alles – die Charakterbasis für Bücher wie die Trilogie „Das Buch der Zarame“. Krieger und Drachen, Prophezeiungen und alte Flüche, fremde Wesen und sagenhafte Kreaturen spielen in den Fantasy-Romanen von „Ainoah Jace“ alias Monika Nebl die Hauptrolle. Gewalt ist tabu, „davon gibt es genug in der realen Welt“, findet sie.

Doch auch aus dem Hier und Jetzt schreibt die Autorin – in Krimis, gewürzt mit einer Portion Liebe und Leidenschaft. Romane wie „Tausche Traummann gegen Liebe“ oder „Vertraue mir“ spielen in Deutschland, aber auch mal auf Mallorca oder in Kanada, und sprechen vor allem Frauen an.

„Ich galoppiere manchmal davon“

Der Wechsel zwischen den Genres gefällt Monika Nebl. Der Gaul geht der passionierten Reiterin beim Schreiben jedoch manchmal durch: Obwohl jedes Buch mit einer vorher festgelegten Handlungsstruktur beginnt, „galoppiere ich manchmal davon“, erzählt sie lächelnd. Dann fängt die pragmatische Monika die temperamentvolle Moni wieder ein. „Ich diszipliniere meine Fantasie“, nennt die Autorin diese Herangehensweise.

Ihre Inspirationen kommen aus dem täglichen Leben – beim Urlaub im geheimnisvollen Spreewald, beim Joggen entlang des Inns, beim Segeln, beim Reiten oder bei der Gartenarbeit. Fast jeden Abend sitzt Monika Nebl am Schreibtisch. Hat sie erst einmal angefangen, vergisst sie in der Regel die Welt um sich herum. Etwa zwei Bücher pro Jahr entstehen – vor allem in Nachtarbeit: eins pro Pseudonym. Wichtigste, weil ehrlichste Leser: Ehemann Günter, der als Grafik-Designer auch die Cover der Bücher entwickelt, und die Kinder. Sie sagen der Mama ebenso frank und frei, wenn eine Geschichte hakt oder ein Handlungsstrang nicht schlüssig ist.

Online in intensivem Kontakt mit Leser und Fangemeinde

Das ist auch notwendig, denn die Schriftstellerin ist Alleinunternehmerin: Sie schreibt, veröffentlicht, vermarktet und managt sich selbst. Unterstützung gibt es nur von Lektoren. Die Eigen-PR erfordert ebenfalls viel Zeit, denn Monika Nebl ist online in sozialen Netzwerken intensiv mit ihren Lesern verbunden. Sie steuert die Kommentare und Bewertungen ihrer Werke, bloggt gelegentlich. Sie hat gelernt, auch mit Kritik oder anonymen Rezessionen, die ihr nicht so gefallen, umzugehen. Und tritt immer häufiger auch in die Öffentlichkeit – etwa durch Lesungen, als Mitglied eines Stammtisches freier Autoren oder auf der Leipziger Buchmesse. Im Freundes- und Bekanntenkreis kennt man sie jedoch nach wie vor eher als die anpackende Moni, Hausfrau und berufstätige Mutter, mit der man Pferde stehlen kann, nicht so sehr als Schriftstellerin mit Eigenverlag.

Ihr Schreibstil hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt: Sie formuliert knackiger, mit kürzeren Sätzen, verzichtet auf Füllwörter. Was sich nicht verändert hat, ist ihr Blick auf das Leben, das die Inspirationen für ihre E-Books liefert: offen, neugierig, stets bereit, den Gedanken Flügel zu verleihen.

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