Vogtareuth – Prächtig geschmückt wird die Erntekrone dann von vier jungen Vogtareuthern zum Gottesdienst um 9.30 Uhr in die Nikolauskirche getragen. Um 11 Uhr soll dann trotz schlechter Wetterprognose der Festzug auf das Herbstfestgelände stattfinden. Der festliche Erntedank-Gottesdienst am Mangfallpark ist aus Witterungsgründen abgesagt.
„Das Erntedank-Fest und das Binden der Erntekrone ist einer der Höhepunkte bei uns“, sagen Emmeran Fischer, Michael Lechner, Marlies Bürger-Schuster, Franziska Sewald und Anna Mayerhofer von der Katholischen Landjugend Bewegung (KLJB) Vogtareuth im Gespräch mit der OVB-Heimatzeitung.
Zunächst müssen die Weizenähren vom Feld geschnitten werden. Und das nicht zu knapp. „Es ist wichtig, dass es noch vor der Ernte passiert. Der Weizen darf nicht zu reif sein“, sagt der 22-jährige Michael Lechner, einer der beiden Vorsitzenden der KLJB Vogtareuth. Rund 40 Quadratmeter Feld werden benötigt, um genügend Material für die Erntekrone zu bekommen. Dann müssen alle Ähren auf eine Höhe abgeschnitten werden – aus diesen werden dann einzelne kleine Büschl zusammengebunden und diese mit Draht am Kranz befestigt.
„Da helfen wir alle zusammen. Es macht uns riesigen Spaß, sich dafür bei einem von uns zu treffen, gemeinsam zu ratschen und zu arbeiten. Und es kommen immer genügend Mitglieder“, freut sich die weibliche Vorsitzende Marlies Bürger-Schuster.
Doch die Sache dauere, bis die im Durchschnitt etwa 1,70 Meter breite und 1,50 Meter hohe Erntekrone mit Ähren attraktiv und ohne kahle Stellen umwickelt ist.
Der Rohling für die Erntekrone, ein dürres Eisengestell mit je einem Kreuz an den drei Seiten und eines an der Spitze, ist schon „uralt“. Das sagen zumindest die beiden Vorsitzenden der KLJB Vogtareuth, Marlies Bürger-Schuster und Michael Lechner. Es stamme noch aus Zeiten des „Grünen Kreises“, den es heute gar nicht mehr gibt. Dann – vor rund 20 Jahren – wurde die KLJB Vogtareuth gegründet, die diesen Vorgängerverein ablöste. „Seither kümmern wir uns jedes Jahr um das Schmücken der großen Erntekrone, die wir traditionell am Erntedank-Sonntag in Rosenheim zum Gottesdienst und im Festumzug tragen“, sagen die Vogtareuther und man hört einen gewissen Stolz heraus. Auch in Prutting bindet die Landjugend eine Erntekrone und präsentiert sie am Festsonntag, ebenso wird ein alter Pflug – geschmückt mit den Früchten des Feldes – in Stephanskirchen geschmückt und in Rosenheim gezeigt. Verschiedene Gartenbauvereine präsentieren sich ebenfalls.
„Bis der äußere Ring mit Ährenbündeln fertig geschmückt ist, dauert es ungefähr zwei Stunden“, klären Franziska Sewald und Anna Mayerhofer auf. Ganz zum Schluss, meist einen Tag vor dem Erntedankfest, werden die inneren Kreuze mit frischem Buchs aus dem Garten aufgepeppt. „Dann schaut sie richtig schön aus“, findet Marlies. Allerdings werden keine Blumen hineingebunden – die Blumengirlanden bekommen die Vogtareuther Landjugend-Mädchen vom Wirtschaftlichen Verband und tragen diese dann rechts und links neben „ihrer“ Erntekrone im prächtigen Festzug.
Schnell sei diesmal ausgemacht gewesen, wo sich die jungen Leute treffen: beim Fischer in Eglham. Dort, auf dem großen Bauernhof, wird auch die Erntekrone gelagert, bis sie am morgigen Sonntag in Rosenheim ihren großen Auftritt haben wird. „Anschließend tragen wir sie in unsere Pfarrkirche nach Vogtareuth. Sie bleibt dann dort, bis wir in unserer Pfarrgemeinde Erntedank feiern“, sagen Michael und Marlies.
Man merkt den fünf jungen Leuten im Gespräch deutlich an, dass das Binden der Erntekrone kein Muss und keine lästige Arbeit für sie ist, die sie halt notgedrungen erledigen. Nein, es hat ihnen Spaß gemacht und ihre Gemeinschaft gestärkt. „Es ist einfach schön, etwas gemeinsam auf die Füße zu stellen“, erklärt die 17-jährige Franziska. „Und man ist nie allein“, schiebt Anna Mayerhofer (20) nach. „Es rührt sich halt immer etwas bei uns. Das finde ich gut“, meint Emmeran Fischer (23). Und warum sind die beiden Vorsitzenden Marlies (21) und Michael (22) bei der Landjugend? „Wir übernehmen viele Aufgaben in der Gemeinde. Jeder kann mitmachen. Wir sind für alles offen: von der Beachvolleyball-Party bis zum Festgottesdienst oder der Betreuung von Firmlingen. Ab 14 Jahren ist jeder eingeladen!“ Und – es gibt natürlich jede Menge hübsche Burschen und Mädel, oder?