Eggstätt – Bereits während der Planungen zu seiner Mont-Blanc-Tour hatte der 37-Jährige das Gefühl, dass diese Herausforderung „kein Zuckerschlecken“ werden wird. Denn während andere Urlauber den höchsten Berg der Alpen zwischen Frankreich und Italien nur von unten betrachten oder entlang des Massivs malerische Etappen gemächlich abwandern, hatte sich Reiterberger ein anderes Zeil gesetzt – und zwar den gigantischen, 4810 Meter hohen Berg zu umrunden, und zwar nur mit seinem Mountainbike und dem darauf verstauten Gepäck – von der Biwakausrüstung bis zur Nahrung.
Mit seinem 30 Kilogramm schweren Gefährt, der notwendigen Ausrüstung und jeder Menge Ehrgeiz startete Reiterberger, der als Skibauer in Österreich arbeitet, im französischen Chamonix die anspruchsvolle Tour. Bereits auf den ersten Kilometern sollte sich das bestätigen, was der 37-Jährige bereits bei seiner Recherche in Erfahrung gebracht hatte.
Schieben bei
32 Grad Celsius
„Immer wieder schieben und tragen“ war zunächst angesdagt – aber: „Das war mir ja von Anfang an bewusst“, so der Extremsportler. So musste der 37-Jährige gleich am ersten Tag das Fahrrad rund 500 Höhenmeter aufwärts schieben – bei 32 Grad Celsius. Doch Konzentrationsfehler durfte er sich trotz Hitze und Anstrengung nicht leisten, denn der Trail war nichts für schwache Nerven. Reiterberger: „Ein Fahrfehler kann hier einen tödlichen Absturz zur Folge haben.“
Sengende Hitze und Sturmböen mit heftigen Regenschauern, aber auch traumhafte Panoramablicke wie beispielsweise die Aussicht auf einem 2537 Meter hohen Pass in der Nähe des Aosta-Tals begleiteten die Tour des Eggstätters, bis er nach gut fünf Tagen und fünf Nächten in seinem kleinen Biwak wieder den Ausgangspunkt erreichte. „Diese Tour hatte einen hohen Anspruch“, resümierte der 37-Jährige nach der Zieleinfahrt, „aber man wird immer wieder für seine Strapazen mit einem gigantischen Panorama belohnt.“
Mit dem Ende einer Tour stellt sich nach Angaben von Reiterberger dann ein „Gefühl der Zufriedenheit“ ein, doch mehr noch „die Vorfreude auf die Planungen der nächsten Tour.“ Und die hat der Eggstätter, der auf seinen Touren besonders „die Freiheit“ liebt, bereits fest im Blick: Im Juni 2018 soll eine Benefiz-Tour zugunsten der St.-Valentins-Schule Ruhpolding, einer Einrichtung für Kinder mit geistiger Behinderung folgen. Und zwar in Form einer Alpenüberquerung, die zu Fuß – eventuell auch auf Inlineskates – vom italienischen Gemona nördlich von Udine bis nach Ruhpolding führen soll.
Bei der Auswahl seiner Projekte achtet der außergewöhnliche Sportler vor allem darauf, „dass es nichts ist, was schon jemand gemacht hat.“ So versucht der 37-Jährige immer an seine Grenzen zu gehen, ohne aber etwas zu riskieren. „Meine Mutter hat früher schon Angst gehabt, wenn ich aufgebrochen bin“, gesteht der 37-Jährige. Heute jedoch nicht mehr, denn: „Sie weiß genau, dass ich auch aufgebe, wenn es nicht mehr geht.“ So habe er schon Touren abgebrochen, weil er an seine Grenzen gestoßen war.
Für Reiterberger geht es schließlich nicht darum, ein Ziel ohne Rücksicht auf Verluste zu erreichen, sondern sagen zu können: „Es war einfach eine geile Tour.“
Infos über die Mont-Blanc-Tour und seine weiteren Projekte gibt es unter www.florian-reiterberger.de.