Eggstätt – Seit Johannes Widemann, Inhaber des Drei-Sterne-Hotels „Gasthof Unterwirt“ vom Landratsamt Rosenheim am gestrigen Freitag den Bescheid bekommen hat, dass er einige Zimmer aufgrund von Brandschutzmängeln nicht an Gäste vermieten darf, hängt er nahezu durchgehend am Telefon. „Am Montag kommt ein Reisebus mit Gästen, die bei mir Zimmer gebucht haben“, verrät Widemann gegenüber unserer Zeitung. „Einen Teil kann ich zwar bei mir unterbringen, für den Rest muss ich aber noch Unterkünfte finden.“
Inhaber schweigt
zur Mängelliste
Wie ein Lauffeuer hat sich gestern in der Gemeinde herumgesprochen, dass das Landratsamt Rosenheim den Gasthof genau unter die Lupe genommen hatte – und letztlich Brandschutzmängel festgestellt worden sind, die so schwerwiegend waren, dass die Behörde sofort reagierte und dem Gastwirt untersagte, einige der Zimmer an Gäste zu vermieten.
Welche Mängel das Landratsamt festgestellt hat? Dazu wollte sich Widemann auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht äußern. Auch seitens des Landratsamtes war am Freitag keine Stellungnahme mehr zu bekommen. Eggstätts Bürgermeister bestätigte zumindest die Untersuchung der Aufsichtsbehörde: „Es gab eine Brandschau. Was dabei letztlich herausgekommen ist, weiß ich nicht.“
Vor zwei Tagen seien Mitarbeiter des Landratsamtes nach Voranmeldung in seinem Haus, das 40 Gästezimmer hat, vorstellig geworden und hätten die Zimmer in Augenschein genommen. „Es war das erste Mal, dass das Landratsamt bei mir eine derartige Untersuchung gemacht hat“, sagte Widemann, der den Gasthof 2004 übernommen und zu einer beliebten Übernachtungsmöglichkeit gemacht hat. So wurde dem Betrieb erst im Frühjahr die Auszeichnung „Motorradfreundlicher Hotelbetrieb“ durch den ADAC in Bayern sowie den bayerischen Hotel- und Gaststättenverband verliehen (wir berichteten).
Dass der Hotelier beim Brandschutz nachrüsten muss – diese Erkenntnis ist für Widemann allerdings wohl nicht aus heiterem Himmel gekommen: „Ich hatte schon die Befürchtung, dass etwas auf uns zukommen wird“, gesteht der Gastwirt. Das schnelle Handeln des Landratsamts – zwei Tage nach der Brandschau kam bereits die Anweisung über die Schließung der Zimmer – habe ihn dann aber doch überrascht. Und scheinbar auch verärgert: „Es wäre schon schön gewesen, wenn die Frist etwas länger gewesen wäre.“
So musste Widemann nun gestern mitten in der Ferienzeit versuchen, Gäste in anderen Unterkünften in der Region unterzubringen. Bis zum späten Nachmittag war ihm das bereits für einen Teil der Reisegruppe, die am Montag eintrifft, gelungen. „Auch wenn die Unterkunft relativ weit weg ist“, so Widemann.
Finanzieller Kraftakt für den Gastwirt
Dabei ist der Stress, den der Hotelier durch die Umbuchungen auf andere Hotels sowie durch die Maßnahmen, die die Brandschutzmängel nach sich ziehen werden, wahrscheinlich noch das kleinere Übel. Schließlich sind die Auflagen, die nun erfüllt werden müssen, ein finanzieller Kraftakt für den Gastwirt. Zum einen entgehen ihm Einnahmen durch die Zimmervermietung, zum anderen muss er die Kosten der Sanierung stemmen. Eine Entwicklung, die sogar die Existenz des Betriebes gefährden könnte? „Das weiß ich noch nicht. Um diese Frage beantworten zu können, muss ich erst sehen, was alles auf mich zukommt.“
Aus Sicht der Gemeinde ist die Tatsache, dass in Eggstätt vorerst weniger Reisende eine Bleibe finden können, jedenfalls kein Drama. Schartner: „Schlimm wäre es für die Gemeinde, wenn aufgrund der Mängel wirklich etwas passiert wäre.“