Frasdorf – Wast Bichler, Kfz-Meister aus Umrathshausen, sammelt Oldtimer. Ihm haben es aber nicht alte Autos angetan, sondern er bevorzugt schwereres wie Dampfzugmaschinen oder Traktoren. Nun nennt er ein neues Prunkstück sein eigen: Ein knapp 135 Jahre alter Schausteller-Wohnwagen ist nun nach über fünf Jahren fertig restauriert und wartet auf seinen ersten Auftritt – von sechs Pferden gezogen beim Oktoberfest-Einzug auf die „Oide Wiesn“ am morgigen Samstag. Danach wird er sich zwei Wochen lang auf dem Festgelände zur Schau stellen.
Da ist es schon fast verständlich, dass der Wast, wie er von allen genannt wird, dann auch dort sein wird – zeigt er doch neben dem Wohnwagen seine historischen Traktoren und Dampfzugmaschinen, darunter eine knapp 15 Tonnen schwere von der Mannheimer Firma Lanz gefertigte aus dem Jahr 1912. Viel Arbeit und Zeit steckt er in sein Hobby und viel Liebe zum Detail, angefangen bei den hölzernen Rädern mit knapp 1,5 Meter Durchmesser.
„Das Wagner-Handwerk ist ja so gut wie ausgestorben“, erzählt der Wast. Nichtsdestotrotz haben er und viele Freunde wie der Ernst Staudacher aus Frasdorf, den Schausteller-Wohnwagen wieder zu neuem Leben erweckt. Und das ist sprichwörtlich zu verstehen, war doch der um 1885 von der Wagenfabrik K.F. Müller aus Seidau bei Bautzen unter der Fabriknummer 283 gebaute Wagen beim Kauf vor fünf Jahren in einem sehr schlechten Zustand.
Früher seien die Schausteller mit solchen Wägen von Markt zu Markt gezogen, weiß Bichler zu berichten. Er wisse nicht, wem der Wagen ursprünglich gehört habe, aber um 1925 sei er in den Besitz der Schaustellerfamilie Knospe aus Anklam bei Stettin in Pommern gekommen. Die Familie sei sogar noch bis 1991 mit diesem Wagen umhergezogen.
Mit Eisen umhüllte Holzräder
In den 30er-Jahren sei der Wagen von Eisenrädern auf Vollgummiräder und gut 20 Jahre später auf Luftbereifung umgerüstet worden. Nun aber steht der Wohnwagen wieder auf von Eisen umhüllten Holzrädern und glänzt mit den neu gefertigten Fensterläden und Kellerkästen, die an beiden Seiten unter dem Wagen angebracht sind, um die Wette. In den Kellerkästen haben die Schausteller ihr Werkzeug, die Kohle für den Herd und das Brennholz gelagert, erzählt der Wast. Vorne am Wagen ist eine blassrot angestrichene Deichsel angebracht: „Die habe ich in Erlangen gefunden“, so Wast weiter.
Überhaupt, Kosten und Mühe hat der Liebhaber von Oldtimern nicht gescheut. Im Innern stehen mit dunkelrotem Samt überzogenen Sessel, vorne links steht ein Herd, der laut Wast sogar funktioniert. So ein Modell zu finden, sei sehr schwierig und langwierig gewesen, gibt er zu, habe doch der Herd links hinten den Abzug haben müssen, denn dort führt der Kaminschaft nach außen.
Mit seinem Hobby steht der Wast aber anscheinend nicht allein. Es gibt ähnlich gesinnte Sammler, mit denen er sich austauscht. Peter Nolte aus Bückeburg bei Hannover habe beispielsweise Bilder von originalen Fensterläden an Schausteller-Wagen aus der Zeit gehabt, an die sich der Wast und seine Freunde beim Neubau der Fensterläden orientiert haben.
Zwei Wochen lang
der Blickfang
Seit der ersten „Oiden Wiesn“ 2010, die damals zum 200. Geburtstag des Oktoberfestes ins Leben gerufen worden ist, sei er auf der „Oiden Wiesn“ mit seinen Oldtimer-Traktoren und Dampfzugmaschinen dabei. Dieses Jahr habe sein Schausteller-Wohnwagen Premiere. Die historische Gesellschaft Bayerischer Schausteller, die sich als Ziel und Zweck „die Aufarbeitung der Geschichte, sowie die Bewahrung und Förderung von historischem Kulturgut aller Art des Deutschen Schaustellergewerbes“ auf die Fahnen geschrieben hat und bei der Organisation federführend sei, wird das sicher gerne hören.
Ist doch Wasts Wohnwagen wahrscheinlich einer der ältesten und einsatzbereiten überhaupt. Zu bewundern beim Umzug der Wiesnwirte am Samstag sowie im Vorauszug beim Trachtenumzug am Sonntag. Und eben zwei Wochen lang auf der „Oiden Wiesn“.