Österreich plant Lkw-Blockabfertigung auf A93/A12 am 4. und 27. Oktober

Kilometerlange Staus vorprogrammiert

von Redaktion

Das Land Tirol plant, auf der viel befahrenen Inntal-Autobahn A93/A12 in Höhe des Grenzübergangs Kiefersfelden/Kufstein am Mittwoch, 4., und Freitag, 27. Oktober, also jeweils nach den Feiertagen Tag der Deutschen Einheit und Nationalfeiertag Österreich, im Rahmen eines Pilotprojekts eine Lkw-Blockabfertigung zu installieren.

Kiefersfelden/Kufstein – Dabei soll an beiden Werktagen, Mittwoch, 4., und Freitag, 27. Oktober, ab morgens 5 Uhr auf der Inntal-Autobahn bei Kufstein-Nord ein sogenannter „Checkpoint“ eingerichtet werden, an dem der Lkw-Verkehr in Richtung Süden verstärkt kontrolliert und in Blöcken und bestimmten zeitlichen Abständen abgefertigt wird.

Ziel dieser außergewöhnlichen präventiven Maßnahme ist es, den Lkw-Verkehr zu verringern und einen möglichst homogenen Verkehrsfluss auf der Inntal- (A93) und Brennerautobahn (A13) zu erreichen und damit auch den drohenden „Megastau“ zu verhindern.

Zu diesem einschneidenden Eingriff in den fließenden Verkehr trug unter anderem der totale Verkehrskollaps am diesjährigen Pfingstwochenende (3. Juni) bei, als auf dem Autobahnabschnitt zwischen Kufstein und dem Brenner (A12) der gesamte Verkehr im Inntal wegen der kilometerlangen Lkw-Kolonnen auf der rechten Fahrspur nahezu zum Erliegen gekommen war. Zu- und Abfahrten auf die Tiroler A12 waren verstopft, Einsatz- und Rettungsfahrzeuge wurden teils massiv behindert.

Bereits Mitte August hatten in Österreich die „Euregio-Landeshauptleute“ beim Europäischen Forum Alpbach diese verkehrstechnische Option diskutiert und nun prescht das Land Tirol vor. Dieser, noch „Pilotprojekt“ genannte, massive Eingriff in den Grenzverkehr zwischen Deutschland und Österreich soll nun in der Praxis erprobt werden. Grundlage dabei sind unter anderem die Zahlen der Verkehrsstatistik des letztjährigen 27. Oktobers, als teilweise bis zu 600 Lastkraftwagen pro Stunde die Grenze bei Kiefersfelden/Kufstein passierten und für massivste Verkehrsbehinderungen gesorgt hatten.

Durch die „Transitbremse“ soll diese Zahl zumindest halbiert werden, um so den Verkehrsfluss einigermaßen zu gewährleisten. Zunächst soll also nur der Schwerlastverkehr verlangsamt, bei Bedarf auch gänzlich gestoppt werden, weitere Optionen sind nicht geplant aber optioniert, heißt es von österreichischer Seite.

Die Blockabfertigung werde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu kilometerlangen Staus auch jenseits der österreichischen Fernstraße, also auf der bundesdeutschen A93 (Inntal-Autobahn) und den angrenzenden Nebenstraßen führen.

Über diese „Hilfsmaßnahme“ seien laut Bernhard Knapp, Leiter der österreichischen Abteilung Verkehr, die deutschen Behörden schon vorab informiert worden. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sieht die Aktion keinesfalls als „Drohgebärde in Richtung der deutschen Nachbarn“, doch er legt nach, denn Deutschland zeige „null Interesse“, die Lkw-Maut, wie vom österreichischen Nachbarn gewünscht, anzuheben; man stoße jenseits der Landesgrenze „nur auf taube Ohren“, sagt Platter. Die Lkw-Maut betrage von Kufstein bis zum Brenner 88 Cent pro Kilometer, während sie von Rosenheim bis Kufstein zum Beispiel nur 16 Cent und von Verona bis zum Brenner 17 Cent je Kilometer ausmache, was geradezu die kostengünstige Transitfahrt auf diesem Korridor impliziere und eine Fahrt über die Schweiz und Frankreich aus Wettbewerbsgründen völlig verbiete, argumentiert der Tiroler Landeshauptmann vor der heimischen Presse.

„Maßnahme ist alternativlos.“

Tiroler Landeshauptmann Günther Platter

Er verweist dabei auf die „Alternativlosigkeit“ der Maßnahme, denn „wir müssen uns schützen, sonst ist die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet“. Abschließend stellte er fest, dass die „Belastbarkeit für Mensch, Natur und Infrastruktur endgültig erreicht ist. Die Maßnahme soll verhindern, dass in Tirol der Verkehr kollabiert“.

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