Großkarolinenfeld – Gleich mehrere Großprojekte stehen in der Gemeinde Großkarolinenfeld an. Über diese sowie über weitere aktuelle Themen informierte Bürgermeister Bernd Fessler in der Bürgerversammlung. Es war bereits die dritte Veranstaltung dieser Art in diesem Jahr, sie fand im Foyer Max-Josefs-Halle statt.
Ein Vorhaben, das die Gemeinde nun schon länger auf Trab hält, ist der Neubau des Rathauses. Eine erste sichtbare Maßnahme ist bereits abgeschlossen: Das Gebäude des Jugendtreffs wurde abgerissen, die Freifläche dient bis dato als Parkplatz. „Ich hoffe nur, dass man sich daran nicht zu sehr gewöhnt“, meinte der Bürgermeister lachend. Denn genau dort soll ja bald das neue Rathausgebäude gebaut werden.
Dieses besteht im Erdgeschoss aus zwei Baukörpern, in welchen öffentliche Bereiche wie Trausaal, Sitzungssaal und Standesamt unterkommen werden. Das Obergeschoss in Form eines rechteckigen Baukörpers wird auf diesen beiden „Steinen“ platziert. Dort bekommt die Verwaltung ihre Räume.
Aktuell diskutiert der Gemeinderat über die Materialien und die Farbgestaltung. Als eine Art „Fensterläden“ sollen Schiebe-Elemente dienen, die man sich aus Holz gut vorstellen kann. Die Fassade könnte unten mit Klinker gestaltet und oben verputzt werden.
Eine Brücke über
den Erlbach
Ebenfalls Teil des Projekts ist die Außengestaltung. Dazu gehört unter anderem eine Brücke über den Erlbach, die den Volksfestplatz anbinden soll. Außerdem soll das Ufer mit Sitzsteinen versehen werden. Für dieses Projekt läuft noch bis sechsten Oktober ein Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren. „Es schaut gut aus, dass wir das so weiterführen können“, zeigte sich Bürgermeister Fessler überzeugt. In weiterer Zukunft will man sich in Großkarolinenfeld auch Gedanken machen über eine Neugestaltung des Zentrums, die über den engeren Bereich um das Rathaus herum hinausgeht.
Was den Rathausneubau angeht, wird in nächster Zeit im Gemeinderat über den Entwurf abgestimmt. Die Spartenfreilegung und der Teilausbau der Kolbergstraße sind ab Mitte Oktober vorgesehen. Nach der Entwurfsplanung bis November würde die Genehmigungsplanung bis März 2018 dauern, die Ausführungsplanung bis Juni. Ausschreibung und Vergaben könnten dann bis Ende Juni vollzogen werden, so dass man auch Ende Juni mit dem Bauen beginnen könnte. Man rechnet bei diesem Zeitplan mit einem Bauende im Oktober 2019. Für den Rathausneubau werden die Kosten aktuell auf gut 6,3 Millionen Euro beziffert, für die Gestaltung des Ortszentrums mit gut 815000 Euro.
Auch in diesem Jahr beschäftigt man sich in Großkarolinenfeld weiter mit der Schmutzwasserdruckleitung Tattenhausen. Im Juli ist das Hauptpumpwerk in Betrieb genommen worden, nun werden die sieben Nebenpumpwerke erstellt. Das Gesamtprojekt kostet rund 2,1 Millionen Euro.
Baukosten von rund 2,5 Millionen Euro
Eine weitere Mammut-Aufgabe ist der Straßenausbau in Großkarolinenfeld. Los geht es mit den südlichen Bereichen rund um Lindenweg, Lärchenweg, Eichenweg, Buchenweg, Tannenweg und Birkenweg mit Baukosten von rund 2,5 Millionen Euro sowie der Wendelsteinstraße Mitte und Süd für rund 990000 Euro. In weiterer Zukunft soll dann auch Großkaro-Ost zwischen Veilchenweg und Krokusweg erschlossen werden.
Auf dem Programm steht auch die Sanierung des Bahnhofsgebäudes, die sich insbesondere auf Fenster, Türen und einen neuen Anstrich belaufen. Hier rechnet man mit gut 77000 Euro.
Aktuell wird in der Gemeinde DSL ausgebaut. Dabei sollen 83 Prozent der Anschlüsse eine Bandbreite von mindestens 100 Mbit/s haben. Die Erschließung dauert bis November 2018.
Im Weiteren stellte Bürgermeister Fessler den Stand beim Bau der Westtangente sowie ein Lärmsanierungs-Konzept der Bahn vor. Außerdem präsentierte er die Finanzen der Gemeinde. Mit über 22,5 Millionen Euro hat man heuer den höchsten Gesamthaushalt seit jeher. Für die großen Vorhaben hat man aber auch einen Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro aufgenommen. Damit steigt die Pro-Kopf-Verschuldung auf 818,82 Euro. Die größten Einnahmen erzielt Großkarolinenfeld durch die Einkommenssteuerbeteiligung, die heuer bei über 4,3 Millionen Euro liegt.
In der abschließenden Diskussion informierten sich die Bürger über das Regenrückhaltebecken sowie Zugänge zu Geh- und Radwegen hinsichtlich der Westtangente. Eine Bürgerin kritisierte die Kapazitäten der Kindertageseinrichtungen und regte an, den für die weitere Zukunft geplanten Neubau nach vorne zu verlegen. Außerdem sammelte man Vorschläge für die zukünftige Gestaltung vom Wertstoffhof, da es dort insbesondere beim Grünabfall zu Ballungszeiten oft zu Stau kommt.
Zuhörer wird
aggressiv
Ein Bürger kritisierte das Vorgehen der Gemeinde beim Einheimischenbau. Er warf einigen Ratsmitgliedern vor, private Interessen zu verfolgen. Als seine Anschuldigungen zunehmend aggressiv wurden, sah sich Fessler gezwungen, ihn zu bitten, die Versammlung zu verlassen. Das Problem der steigenden Grundstückspreise generell erkannte der Bürgermeister aber an. Nur: „Wir haben einfach keinen großen Umfang an Grundstücken für das Einheimischenmodell zur Verfügung, um der sozialen Relevanz des Themas gerecht zu werden.“