120 Jahre Bergrettung in Oberaudorf

Rasante Entwicklung dank Tourismus

von Redaktion

Bereits im Jahre 1897 wurde in Oberaudorf eine „Alpine Rettungsstelle des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins“ gegründet. Diese entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Gebirgs-Unfall-Dienst, zur Alpenvereins-Bergwacht und schließlich zur Bergwacht des Bayerischen Roten Kreuzes.

Oberaudorf – Dieses Jubiläum nahm die Bergwacht Oberaudorf nun zum Anlass, ein Fest „120 Jahre Bergrettung in Oberaudorf“ zu feiern.

Traditionell mit einer Festmesse wurde der Jubeltag begonnen. Pater Slawek vom Kloster Reisach zelebrierte den Gottesdienst und würdigte das Wirken der Bergrettung zum Wohle der Allgemeinheit. Der Männergesangverein Kiefersfelden unter Leitung von Sepp Pirchmoser sorgte für die musikalische Umrahmung.

Dass die Bergretter guten Kontakt nach oben haben, zeigte das sonnige Wetter, sicher verantwortlich der heilige Bernhard, Schutzpatron der Bergsteiger. Bereitschaftsleiter Markus Anker konnte zum Fest eine Reihe von Ehrengästen, Vertreter der Kommunen Oberaudorf und Kiefersfelden, der Behörden, Hilfsorganisationen wie Nachbar-Bergwachten und -Feuerwehren, Rot-Kreuz-Gemeinschaften von Wasserwacht und Rettungsdienst und Bergsteigergruppe Oberaudorf willkommen heißen. Dann gab er einen kurzen Ablauf des Rahmenprogrammes bekannt, bevor er mit dem Vers des ehemaligen Oberaudorfer Bergwacht-Leiters Hans Randl „Die Entstehung der Bergwacht“ schloss.

Viel Aufmerksamkeit bekam beim Rahmenprogramm naturgemäß die Ankunft des Rettungshubschraubers „Heli 3“. Gleich war er dicht umringt am Landeplatz, bevor eine Herz-Lungen-Wiederbelebung vorgeführt wurde. Gezeigt wurde eine Luftrettung mit Bergesack durch das Technik-Team. Mit Spannung erwartet wurde die „Modenschau“. Nicht Models, sondern Bergwachtler hatten aus dem Fundus Einsatzkleidung der Bergretter aus den gut einhundert Jahren ausgekramt und so die Entwicklung von zweckmäßigen Berghosen und Anoraks vorgestellt. Vielumjubelt war diese Show.

Viel beachtet war auch die Ausstellung mit Fotobänden, Zeitungsberichten, längst ausgedienten Geräten wie Schienen für Arm und Fuß, mit Rettungsgeräten wie Skischlitten, Skiverschraubung und Akia-Gebirgstrage, mit Stahlseilgeräten mit „Gramminger-Rettungssitz“ oder Funkgeräten.

Im Rahmenprogramm gab es auch eine Hüpfburg, Vorführungen von Drohnen oder der Kletterturm. Geselligkeit war dann Trumpf im Festzelt. Bei Musikunterhaltung entwickelten sich muntere Gespräche, bei denen so manche Erinnerung aus gemeinsamen Zeiten ausgetauscht wurde.

Alpinismus steckte noch in den Kinderschuhen

Warum in Oberaudorf schon so zeitig die Bergrettung organisierte Strukturen bekam, zeigt ein Blick in die Chronik. Die nahe Stadt Kufstein mit der Gebirgsgruppe Wilder- und Zahmer Kaiser bietet Bergsteigern und Bergwanderern einen Ausgangspunkt für Touren. Das Wegenetz am Berg sowie das Angebot von Berghütten als Ausgangsort für Berg- und Klettertouren war verlockend. Zudem war das Kaisergebirge als Hauptklettergebiet der Münchener Bergsteiger am schnellsten zu erreichen. Die Hochgebirgsgruppe war weiter durch den Bau der Bahnlinie München-Kufstein-Innsbruck sowie den guten Busverbindungen im Inntal schnell zu erreichen. Tüchtige Bergführer sorgten zudem für beste Betreuung der Touristen sowie der Gäste des aufstrebenden Fremdenverkehrs. Um die Gipfel des Wilden Kaiser zu besteigen, muss man fast durchweg klettern. „Mit den Händen in den Hosentaschen lassen sich nicht mal Gipfel mit Steiganlagen ersteigen“, so die einhellige Meinung der Alpinisten. Bei Bergunfällen übernahmen in der Regel Bergführer die Erstversorgung und den Abtransport von verunglückten Bergsteigern und Bergwanderern.

Doch auch die benachbarten Inntaler Orte hatten hohe Berggipfel und viele Touren zu bieten. Kameraden von am Berg Verunglückten sowie herbeigeholten Einheimischen, Jägern oder Holzknechten wurde die Rettung überlassen. Die breite Erkenntnis in den alpinen Vereinen und in der gesamten damaligen Bergsteigerschaft, das Problem der alpinen Unfälle sowie die Bergungen nicht dem Zufall oder improvisierter Hilfsbereitschaft zu überlassen, führte zum offenen Verlangen nach arrangierten Rettungsaktionen und einem organisierten Bergrettungswesen. So wurde 1896 das „Alpine Rettungs-Comité Wien“ errichtet, das bald Vorbildfunktion erlangte. Oberaudorf, das wohl als älteste Sommerfrische im bayerischen Inntal bezeichnet werden kann, lockte nicht nur berühmte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst als Gäste an, sondern war durch seinen Bahnhof an der Eisenbahnlinie Rosenheim-Kufstein, die 1858 in Betrieb genommen wurde, gut erschlossen. Reisemöglichkeiten ins ferne Gebirge gab es nun auch für „Norddeutsche“. Durch mangelnde Erfahrung, fehlende Ausrüstung und Missgeschick gerieten immer wieder Alpinisten in Bergnot und mussten geborgen werden. Dies veranlasste im Jahre 1897 den Oberaudorfer Apotheker Carl Adam Hagen dazu, in Oberaudorf eine Rettungsstelle des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins ins Leben zu rufen. Rettungsstellen mit Meldeposten wurden errichtet und geeignete Persönlichkeiten gewonnen. In der Folge wurde im Jahre 1920 die Bergwacht gegründet. Dabei standen Naturschutz und Ordnungsdienst in den Bergen an erster Stelle. Sanitäter mit alpinistischen Ambitionen fanden sich in der Folge im Gebirgs-Unfall-Dienst (GUD) oder in der Alpenvereins-Bergwacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch in Oberaudorf schließlich eine „Bergwachtgruppe“ ins Leben gerufen.

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