Aschau – Dunkle Archive durchforsten, vor dem Lesen noch den Staub von schweren, in Leder gebundenen Büchern blasen – so mancher stellt sich den Job eines Gemeindarchivars sicher staubtrocken vor. Doch das mit dem Staub gehört längst der Vergangenheit an, lagern doch mittlerweile solch alte Dokumente in übermannshohen metallenen Ausziehschränken und die Kellerräume, in denen Gemeinden ihre Geschichte aufbewahren, sind taghell erleuchtet. Ilse Goßner ist als Gemeindearchivarin die Hausherrin des Aschauer Archivs im Rathaus.
Ilse Goßner, eine waschechte Aschauerin, scheint wie geschaffen für den Beruf. Eher Berufung als Beruf, denn Gemeindearchivar, das ist ein Ehrenamt. In ihrem Fall sei der damalige Aschauer Bürgermeister Kaspar Öttl vor über zehn Jahren auf sie zugekommen. Der vormalige Gemeindearchivar Christoph Zeckai habe aus Altersgründen aufgehört und sie sei zum damaligen Zeitpunkt kurz vor der Pensionierung gestanden.
Außerdem habe sie sich schon immer für Geschichte interessiert. Dazu käme – so die Archivarin mit einem schelmischen Augenzwinkern – ihr gutes Netzwerk im Ort, kennt sie doch viele der Alteingesessenen von klein auf. Das alles zusammen scheint so nachhaltig zu fruchten, dass sie es in zehn Jahren geschafft hat, zehn Ausstellungen zu kuratieren und der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Archivarin Ilse Goßner kann es selbst kaum glauben, dass sie schon so viel auf die Beine gestellt hat. Wie kommt man auf ein Ausstellungsthema? Manchmal gebe es Empfehlungen, aber manchmal ergebe sich das einfach aus den Daten von Persönlichkeiten des Ortes oder Jubiläen. So wie jetzt bei der diesjährigen Ausstellung über Theodor von Cramer-Klett. Für Aschau war der 1875 geadelte Industrielle ein Glücksfall, prägte er doch das Priental nachhaltig.
„Zurst habe ich mich hier in unserem Archiv umgesehen, dann habe ich beim Stadtarchiv München weitere Materialien angefordert und dann in Nürnberg nachgefragt.“ Ilse Goßner kann sich richtig festbeißen. „Für die Ausstellung habe ich schon einige Monate gebraucht“, gibt sie zu, denn sie musste erst Texte lesen und zusammenfassen, aber auch besondere Objekte zusammentragen.
Ehemann hilft tatkräftig mit
Dabei sei sie sehr von der Familie von Cramer-Klett und Claus Reiter, „ein grandioser Sammler“, wie sie gesteht, unterstützt worden. Aber auch von der Fotografin Anita Berger habe sie viele Fotos von der bayerischen Landesausstellung „Adel in Bayern“ bekommen. Und natürlich helfe auch ihr Mann Richard, mit dem sie demnächst goldene Hochzeit feiert, beispielsweise beim Bestücken der Ausstellungswände mit. Aber im Großen und Ganzen mache sie alles selbst und in Eigenverantwortung.
Ihre erste Ausstellung drehte sich um „Gewerbe und Handwerk aus früheren Zeiten“, die aufwendigste war ihrer Meinung nach die von 2016: „50 Jahre freiwillig eine Gemeinde“ mit 15 Ausstellungswänden. Eine Idee für eine weitere Ausstellung habe sie schon, da sei sie schon in Gedanken dabei, ihr eigenes Wissen und das Gemeindearchiv zu durchforsten.
Überhaupt das Gemeindearchiv, „da habe ich dann schon ein bisschen meine eigene Ordnung eingeführt“, lächelt sie, aber da gebe es schon noch viel mehr zu tun. Einiges sei ja schon digitalisiert, „aber was soll ich denn mit bestens erhaltenen Fotos von 1895 machen, die sind doch noch so gut erhalten.“ Gemeindearchivarin – da liegen Geschichte, Gegenwart und Zukunft eng beieinander.