Aschau – „Je mehr künftig die Sonne über dem Priental scheint, umso besser ist es für die Gemeinde Aschau. Umso mehr Strom können wir auf unserem Hausdach selber erzeugen“, freute sich Bürgermeister Peter Solnar im Rathauskeller bei der Übergabe der Bürgersolaranlagen auf den Dächern des Rathauses und der Preysing-Grundschule von der Firma Abel Retec an die drei Vorsitzenden der Bürgerenergie Chiemgau. Der Vorsitzende der Genossenschaft, David Schmidtner, und seine beiden Stellvertreter, Georg Beyschlag und Philipp Ramming, gaben die Anlage dann gleich an Solnar und die Gemeinde als Nutzer weiter.
„Mit dieser Fotovoltaikanlage auf dem Rathausdach erzeugen wir 50 Prozent des Stromes, der das ganze Jahr über im Rathaus verbraucht wird“, sagte Schmidtner, der zugleich der Energiebeauftragte der Gemeinden Aschau und Bernau ist. „Diesen Strom müssen wir nicht bezahlen, den liefert uns die Sonne. Wenn wir im Sommer an den Wochenenden und außerhalb der Bürozeiten noch Strom erzeugen, können wir den ins Netz einspeisen und verkaufen, in der dunklen Jahreszeit müssen wir dafür ein bisschen mehr dazukaufen. Für den Kämmerer ist es auf alle Fälle eine Gewinnsituation, die Hälfte des Geldes, die für den täglich notwendigen Strom ausgegeben werden muss, bleibt künftig in der Gemeinde.“
Die beteiligten Gemeinden sind der Vorreiter eines neuen Konzepts: Sie stellten die Dächer ihrer Häuser der Genossenschaft zur Verfügung, diese errichtete dann die Fotovoltaikanlage. Die Gemeinde mietet die Anlage von der Genossenschaft an und betreibt sie. Ein Splitting zwischen Eigentümer und Betreiber war in der Vergangenheit nicht geläufig, die Bürgerenergie Chiemgau und die drei beteiligten Gemeinden Aschau, Bernau und Frasdorf beschreiten hier neue Wege und geben anderen Gemeinden in der Region damit ein Vorbild.
Bürgermeister Solnar nannte das Verhalten aller Beteiligten ökologisch herausragend. „Wir müssen gesamtheitlich denken und als Gemeinde haben wir eine Vorbildfunktion gegenüber dem Bürger. Wenn schon die Gemeinden so etwas auf ihre Dächer bauen, dann muss an diesen Konzepten doch etwas dran sein.“
Die beiden Fotovoltaikanlagen in Aschau und eine baugleiche Anlage auf dem Dach des Frasdorfer Rathauses erzeugen 30 Kilowatt-Peak (kWp) und insgesamt 30000 Kilowattstunden im Jahr. Sie decken damit über das ganze Jahr gesehen die Hälfte des Strombedarfs im Rathaus und in der Schule. Jede dieser Anlagen kostet rund 45000 Euro, die Kohlendioxid-Einsparungen sind bei jedem einzelnen Vorhaben mit rund 14 Tonnen pro Jahr angegeben.
„Mittlerweile hat die Bürgerenergie Chiemgau knapp 200 Mitglieder, sie haben sich mit einer Mindesteinlage von 250 Euro an der Genossenschaft beteiligt“, so Ramming. „Wir haben in diesem Jahr insgesamt rund 200000 Euro investiert.“ Die drei Gemeinden Aschau, Bernau und Frasdorf haben seit der Gründung der Genossenschaft im März alle Weichen gestellt, um mit der dezentralen Gewinnung von Energie Einsparungen zu erzielen und den Kohlendioxid-Ausstoß zudem deutlich zu vermindern.
Kommunen mit Vorbildfunktion
Schmidtner wies darauf hin, dass die drei Kommunen mit ihrem Beitritt zur Bürgerenergie-Genossenschaft einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und damit zur Daseinsvorsorge stellen sowie eine Vorreiter- und Vorbildrolle übernehmen. In allen drei Gemeinden sei reichlich Potenzial vor Ort vorhanden, das bisher ungenutzt war. Es könnte nach seiner Erschließung zu einer merklichen Entlastung des Vermögenshaushaltes beitragen, die Kämmerer werde es freuen.
Darüber hinaus könnten alle Bürger – auch wenn sie kein Dach zur Verfügung stellen können – mit der Zeichnung von Anteilen an der Genossenschaft einen Beitrag zur Energiewende beitragen, sei es finanziell oder durch ihren persönlichen Einsatz.
Infos zur Bürgerenergie gibt es unter www.bec-eg.de.