Nußdorf-Kirchwald – Es war die erste Messe an diesem Samstagmorgen und bildete den Auftakt zu insgesamt acht weiteren, die anlässlich der bevorstehenden „Drei goldenen Samstage“ noch in Kirchwald gefeiert werden.
Die meisten Wallfahrer kamen zu Fuß den Berg hinauf. Jeder Tag in der Woche hat seine eigene religiöse Richtung. So ist der Samstag der Verehrung der Mutter Gottes geweiht. Eine Tradition in Kirchwald seit 1644. Seither führen Jahr für Jahr viele Wallfahrten dort hin. „Maria will an diesem Tag besondere Gnade austeilen. Was es gibt, ist Goldesware, gewogen auf der Waage der ewigen Gerechtigkeit, nicht irdischer Tand, sondern himmlisches Gut,“ beschreibt Josef Dürn-egger in seiner Nußdorfer Chronik. Einer Legende zur Folge soll an den drei Samstagen nach Michaeli den Menschen diese Gnade zu teilwerden. Kaiser Ferdinand III. (1637 bis 1657) hat diesen Brauch kurz vor seinem Tod wieder belebt.
Zur Tradition in Kirchwald gehört es seit jeher, dass die erste der drei Messen an diesem Samstag vom örtlichen Pfarrer gefeiert wird. Die beiden folgenden Gottesdienste hält ein Gastprediger ab. Den Auftakt in diesem Jahr bildete der Kapuzinerbruder Pater Marinus Parzinger OFM Cap. aus München. Er ist Provinzialminister der Deutschen Kapuzinerprovinz. Mit seinem Besuch würdigte er auch die Tätigkeit des Kapuzinerordens in Rosenheim, die im Januar 2017 nach 410 Jahren zu Ende ging. Regelmäßig und gerne waren die Rosenheimer Kapuziner am Kirchwald zu Gast. In seiner Predigt nahm er sich auch des Themas der immer leerer werdenden Kirchen an. So schließen Kirchen mittlerweile für immer ihre Pforten, weil sie kaum mehr besucht werden und weil ihr Unterhalt zu kostspielig geworden ist. Trotzdem sieht er Hoffnung für die Zukunft. Es müssen viele Themen der Vergangenheit hinterfragt werden und man müsse Mut für Neues und für Veränderungen haben. Dabei darf die Tradition nicht vergessen, sondern gepflegt und weitergetragen werden, so Parzinger.
Was ihn erfreut haben dürfte, war die große Anzahl der Gläubigen, die in den Kirchwald gekommen sind. Trotz oder gerade wegen der frühen Uhrzeit waren alle Gottesdienste mehr als gut besucht, selbst wenn damit für einige ältere Besucher ein langer und beschwerlicher Weg verbunden war.
Interessant dürften auch die heutigen Gottesdienste werden, denn zu den Gastpredigern gehört Prior-Administrator Pater Benedikt Schneider, Prior der Abtei Schweiklberg. Sein Mitbruder Clemens Wittmann, OSB, lebt als Eremit in Kirchwald. Außerdem wird Monsignore Thomas Schlichting erwartet. Er ist Domkapitular und als Ordinariatsdirektor für „Seelsorge und kirchliches Leben“ des Erzbischöflichen Ordinariats der Erzdiözese München und Freising zuständig.