Frasdorfer Thomasschützen feiern 125-jähriges Bestehen

Die Mitte ist das Ziel

von Redaktion

Mit einem bunten Fest haben die Frasdorfer Thomasschützen jetzt ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem der Frasdorfer Kirchturm, der viel über die Geschichte des Vereins beizutragen hatte.

Frasdorf – „Es ist nicht altmodisch, sich für die Heimat zu engagieren, überlieferte Werte zu erhalten, Tradition und Geselligkeit zu pflegen, aber trotzdem offen für Erneuerungen zu sein“, sagte Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller anlässlich des 125. Gründungsjubiläums der Thomasschützen Frasdorf in der Lamstoahalle. „Ich wünsche dem Verein, dass er immer genug engagierte Leute hat, die bereit sind, die Vereinsinteressen an nachfolgende Generationen weiterzugeben.“

Feierliche Messe

in der Pfarrkirche

Mit einem feierlichen Gottesdienst, zelebriert von Pfarrer Herrmann Overmeyer und umrahmt von der Musikkapelle Wildenwart, begann die Feier in der Pfarrkirche Sankt Margaretha. Ein Dutzend Fahnen der Ortsvereine und der Schützenvereine der Nachbarschaft umstanden den Altar. In seiner Predigt wies Overmeyer darauf hin, dass es den Schützen vor allem auf die Mitte ankomme. Die Mitte der Scheibe sei das Ziel und wer der Mitte am nächsten komme, sei der Sieger des Wettbewerbs. So drehe sich auch in der Kirche alles um die Mitte. „Christus ist die Mitte und damit das Ziel des Glaubens, nach dem sich alles ausrichtet“, so der Pfarrer.

Vom Gotteshaus zogen die Thomasschützen dann mit ihren Gästen in die festlich dekorierte Lamstoahalle zum geselligen Teil des Jubiläums. Gauschützenmeister Bernhard Brehmer, lange Jahre selbst Schützenmeister der Thomasschützen, dankte ihnen für die Mitarbeit im Gau und für die „ausgezeichnete Jugendarbeit“. Gemeinsam mit dem Gaufähnrich Bernhard Lex übergab er Schützenmeister Richard Voggenauer den Ehrenteller des Schützengaus Chiemgau-Prien. Die beiden Schützenmeister der Nachbarsvereine „Die Elfer“ Wildenwart und Chiemgauadler Umrathshausen, Andreas Freund und Thomas Bachmann, bedankten sich für die gute Zusammenarbeit im Ort.

Die Musikkapelle Wildenwart spielte zur Unterhaltung auf und dann unterhielten sich in einer Aufführung der Frasdorfer Kirchturm und der Maibaum über das heutige Ereignis in der Lamstoahalle. Der Kirchturm wusste natürlich schon vieles aus der langen Geschichte der Thomasschützen, war er doch bei der Gründung im Jahr 1892 im Gasthaus „Debarde“ schon mit dabei. Der Maibaum hörte voller Interesse zu.

„Im Jahre 1892 wurde die Zimmerstutzengesellschaft Frasdorf gegründet, zum Zwecke der Einübung im Schießen und zwecks geselliger Unterhaltung“ – so steht es in der Frasdorfer Chronik von Georg Mayr. Bei Umbauarbeiten im Gasthaus Mayrl fand sich auf dem Speicher eine alte Tafel, die zum zehnjährigen Bestehen der Gesellschaft angefertigt worden war. Sie enthält die Namen der sechs Gründungsmitglieder: Alois Mutzl, Georg Mayer, Michael Pichl, Josef Dettl, Josef Hamberger und Michael Dillersberger.

Wie in all den Ortschaften der Umgebung, so gab es auch in Frasdorf bereits eine Schützenkompanie. In der Musterungsliste von 1477 sind 100 Namen mitsamt der vorhandenen Bewaffnung aufgezählt. Acht Jahre später, 1485, sind es sogar 112 Namen. Bei dieser Kompanie handelte es sich allerdings nicht um einen freiwilligen, geselligen Zusammenschluss, sondern um eine von der Herrschaft geforderte Dienstleistung zur Landesverteidigung.

Auch die FSG Hohenaschau verdankt ihre Gründung einer solchen Verpflichtung. Wenn auch keine genauen Einsatzorte und -daten dieser Frasdorfer Kompanie bekannt sind, so war sie zweifellos genauso an den Scharmützeln in der näheren Umgebung beteiligt, wie es die Kompanien von Aschau, Sachrang, Bernau, Prien und auch Söllhuben waren.

Wie lange die Frasdorfer Schützenkompanie existierte, ist nicht bekannt. In den alten Abrechnungen der Frasdorfer Bruderschaft des Jahres 1810 findet sich ein letzter Eintrag über den Kauf von Schießpulver in Sachrang. Die Kompanie hat also zu diesem Zeitpunkt noch bestanden. Der eine oder andere Frasdorfer wird aber die Freude am Schießen auch durch die Abschaffung der Kompanie Mitte des 19. Jahrhunderts nicht verloren haben – verschiedene Prozesse gegen Wilderer belegen das für diesen Zeitraum.

Gründung im Gasthaus „Debarde“

Als gegen Ende des letzten Jahrhunderts das Zimmergewehr seinen Siegeszug antrat, wurde das Schießen mit diesem Gerät zu einem beliebten und erschwinglichen Volkssport. Überall entstanden Zimmer-Schützen-Gesellschaften, so 1892 auch die in Frasdorf im damaligen Gasthaus „Debarde“, dem Vorgänger des heutigen Vereinslokals.

Der Erste Weltkrieg unterbrach diese erste Blüte jäh. Viele Mitglieder mussten einrücken und kamen nicht mehr nach Hause. Die anschließende Inflation machte den Ankauf von Waffen und Munition praktisch unmöglich. Einen neuen Aufschwung brachte das Jahr 1928. Einige junge Männer schlossen sich zum Kleinkaliber-Schützen-Verein zusammen und bauten sich sogar einen eigenen Schießstand auf. Doch der Zweite Weltkrieg brachte wiederum den Schießbetrieb zum völligen Erliegen. Die Alliierten verboten den Besitz jeglicher Waffen, der Schießstand zerfiel. Zwar wurde 1950 das Schießen mit Zimmerwaffen wieder erlaubt, aber der Frasdorfer Verein entstand erst wieder 1956. Thomas Stettner, der schon vor dem Krieg Schützenmeister der KK-Schützen gewesen war, war die treibende Kraft bei der Wiedergründung.

Besonders schwierig war es für die Schützen, einen neuen Schießstand zu finden. Nach vielen Umzügen und Provisorien erhielten die Schützen im Gasthaus Hochries einen Kellerraum mit sieben Schießbahnen und einen Aufenthaltsraum. Zu Ehren des langjährigen Schützenmeisters Thomas Stettner gab sich die Schützengesellschaft 1967 den Namen „Thomasschützen“ Frasdorf. Die Gesellschaft hat seit 1963 eine Schützenkette, seit 1987 wird auch unter den Jugendlichen ein König ausgeschossen, seit 2008 gibt es die Jugendkette im Verein. Zum 100-jährigen Bestehen 1992 erhielt der Verein eine Fahne, Pate stand der Nachbarsverein „Die Elfer“ Wildenwart.

Seit 1964 findet ein Vergleichsschießen mit den Nachbarsvereinen von Umrathshausen und Wildenwart statt, auch mit dem Verein von Achenmühle besteht eine rege Freundschaft. Mehrfach führten die Thomasschützen das Gauschießen für den Schützengau Chiemgau-Prien durch, 1970 und 1986 mit dem Luftgewehr und 1981, 1991 und 2011 mit der Luftpistole.

Von den sportlichen Erfolgen zeugen die guten Platzierungen beim Rundenwettkampf und aktuell die dritten Plätze von Veronika und Josef Brehmer bei den oberbayerischen Meisterschaften in Hochbrück. 1999 wurde das Dorfkönigsschießen eingeführt, seitdem haben alle Frasdorfer einmal im Jahr die Möglichkeit, Dorfkönig zu werden. Rund 300 Einzelschützen und 50 Gruppierungen nehmen alljährlich daran teil.

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