Bad Endorf – 30 Tage, 17 Städte, zwölf Länder und über 7000 Kilometer auf den Schienen – für die beiden Freundinnen Emilia Giannetta und Laura Manhart, beide 18 Jahre alt und frisch gebackene Abiturientinnen, war es ein Sommer der Superlative. Nur mit einem Interrail-Ticket in der Hand und einem Rucksack auf dem Rücken hatten sie sich im Sommer auf den Weg gemacht, um Europa in all seinen Facetten zu entdecken. Eine Erlebnisreise, die die beiden Halbitalienerinnen nicht missen möchten: „Wir bereuen nichts.“
Pilotprojekt der CDU/CSU-Gruppe
Begonnen hatte alles mit einer Bewerbung von Emilia bei der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament. Die politische Gruppierung war auf der Suche nach jungen Bürgern, die sich im Rahmen eines Pilotprojekts per Zug mit einem sogenannten Interrail-Ticket auf den Weg quer durch Europa machen und von ihren Eindrücken berichten. Die junge Bad Endorferin wurde ausgewählt und hatte in Freundin Laura gleich eine Mitstreiterin, die unbedingt mit auf Reisen gehen wollte (wir berichteten).
So starteten die beiden Mädels an einem frühen Dienstagmorgen ihre Abenteuertour quer über das europäische Festland. Im Gepäck jede Menge Vorfreude und nur das nötigste an Kleidung, um nicht schwer tragen zu müssen. „Wir haben uns extra ein Waschmittel in der Tube gekauft und dann, wie man es früher gemacht hat, in den Unterkünften unsere Kleidung im Waschbecken gewaschen“, so Emilia.
Die Reiseroute hatten die beiden jungen Frauen bereits im Vorfeld ausgetüftelt – und so führte sie ihre Reise mit den unterschiedlichsten europäischen Eisenbahngesellschaften in insgesamt zwölf Länder. Zunächst schlugen Emilia und Laura von Bad Endorf aus ihren Weg Richtung Osten ein, um die Hauptstädte Prag (Tschechien), Budapest (Ungarn), Zagreb (Kroatien), Belgrad (Serbien), Podgorica (Montenegro) und Sofia (Bulgarien) zu erkunden, ehe mit Thessaloniki und der Hauptstadt Athen gleich zwei Zwischenstopps in Griechenland zur Besichtigung auf dem Programm standen.
Fast schon heimatliche Gefilde erwarteten die beiden Halbitalienerinnen Emilia und Laura dann natürlich in Italien. „Da haben wir dann einige Zeit bei Verwandten verbracht“, erklärt Laura – und selbstverständliche die Städte Bari, Florenz und Turin genau unter die Lupe genommen. Die letzten Etappen führten die beiden Abiturientinnen dann in nördliche Richtung über die Städte Dijon in Frankreich, Luxemburg, Antwerpen in Belgien bis in die niederländischen Städte Den Haag, Harlingen und Amsterdam.
In den Niederlanden machte das Duo dann auch eine ihrer überraschendsten Erfahrungen auf der 30-tägigen Tour. „Von Harlingen hatten wir überhaupt keine Vorstellungen“, erinnert sich Laura, „dass war aber ein richtig süßes Städtchen, das mir besonders positiv in Erinnerung geblieben ist.“ Doch eigentlich fanden die beiden Mädels „alles toll“, bis auf die serbische Hauptstadt Belgrad, die nach Ansicht von Emilia „einfach nur hässlich ist“.
Für gemischte Gefühle sorgte bei den beiden auch die Erinnerung an die griechische Hauptstadt Athen. Denn dort haben sich die beiden Mädels das einzige Mal auf ihrer Tour „so richtig unwohl gefühlt“ – wären sie doch beinahe Taschendieben zum Opfer gefallen. „Wir sind in der Nähe unserer Unterkunft in eine Nebenstraße geraten, in der mehrere Männer unterwegs waren“, erzählt Emilia. „Die sind uns dann immer näher und näher gekommen.“ Kurz bevor einer der Unbekannten Emilia dann in die Hosentasche greifen konnte, hatte Laura die Hand des Mannes weggeschlagen und die beiden Freundinnen konnten weglaufen. Laura: „Das war schon heftig und etwas gruselig.“
Ganz im Gegensatz zum Abstecher nach Luxemburg, dass „richtig viele Grünflächen hat“, so Emilia, oder der Besuch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, die, wie Laura findet, „eine wunderschöne Stadt ist“. Schaden finden die beiden 18-Jährigen allerdings, dass der Kontakt zur jeweiligen Bevölkerung eher spärlich ausgefallen ist. „Zum einen war es oftmals schwierig, sich zu verständigen, da die meisten auch kein Englisch sprechen“, so die Erfahrung von Emilia.
Zum anderen sei durch den straffen Zeitplan die Möglichkeit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen, recht begrenzt gewesen. Zumal immer wieder Verspätungen bei den Zugverbindungen für Leerlauf sorgten. So mussten die beiden jungen Frauen einmal 5,5 Stunden auf einen Zug warten, was vor allem Emilia Respekt gegenüber der Pünktlichkeit im deutschen Zugverkehr abverlangte: „Nach diesen Erfahrungen kann ich nur sagen: Ich liebe die Deutsche Bahn!“
Studium in München, Urlaubsziel im Kopf
Auch derzeit sind die beiden 18-Jährigen Bad Endorferinnen wieder regelmäßig mit dem Zug unterwegs. Allerdings auf deutlich kürzeren Strecken – nämlich von Bad Endorf nach München. Beide haben im Oktober in der bayerischen Landeshauptstadt ihr Studium begonnen. Emilia Giannetta absolviert ein Lehramtsstudium für den Unterricht an Gymnasien in den Fächern Mathe und Psychologie, Laura Manhart studiert an der Uni Sonderpädagogik.
Auf den Zugfahrten zwischen Bad Endorf und München haben die beiden Freundinnen dann jede Menge Zeit, neue Reisepläne zu schmieden. So wollen sie so bald wie möglich Skandinavien erkunden – und zwar wieder gemeinsam. Auch wenn es hin und wieder auf der 30-tägigen Interrail-Tour kleinere Streitereien gegeben hat und sogar die ein oder andere Träne geflossen ist, wollen die beiden die gemeinsame Zeit nicht missen: „Wir sind schließlich beste Freundinnen.“