Wenn‘s mal wieder länger dauert

von Redaktion

Flintsbacher sorgen sich um Einsatzzeiten beim Rettungsdienst

Flintsbach – Zwölf Minuten: Das ist die magische Zahl. Innerhalb dieser Zeitspanne muss in ganz Bayern der Rettungsdienst beim Patienten sein. Soweit die Theorie. Denn trotz Nachbesserungen der rettungsdienstlichen Versorgung kann diese Zeitvorgabe in Teilen des Landkreises Rosenheim nicht eingehalten werden. So auch nicht im Bereich der Rettungswache Flintsbach, wie Anfang Oktober in der Versammlung des „Zweckverbandes Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Rosenheim“ deutlich wurde (wir berichteten).

Als „Schwellenwert einer regelhaften Erreichbarkeit durch qualifizierte Rettungsmittel innerhalb der Zwölf-Minuten-Frist“ wurde vom Bayerischen Innenministerium mit Schreiben vom 10. Juni 2011 ein Wert von 80 Prozent aller Notfallereignisse innerhalb eines Versorgungsbereiches vorgegeben. Im Versorgungsbereich Flintsbach wird diese Vorgabe mit 78,3 Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres knapp verfehlt, stellt Michael Fischer vom Landratsamt Rosenheim fest. Bereits im Jahr 2015 lag der Wert bei 79 Prozent.

Zur Berechnung und Beurteilung der Situation werden Auswertungen herangezogen, deren Basis sich aus dem TRUST-Gutachten – Trend- und Strukturanalyse des Rettungsdienstes in Bayern – ergibt, das vom Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Universität München verfasst wurde. Bereits vor gut einem Jahr wurde eine Rettungswache in Achenmühle in Betrieb genommen, um die rettungsdienstliche Versorgung im südlichen Landkreis zu verbessern. Sie ist seit dem 1. Oktober mit 98 Stunden pro Woche besetzt, 14 Stunden mehr als zuvor, so der Sprecher des Landratsamtes.

Zwischenzeitlich zeigten sich einige Flintsbacher Bürger beunruhigt, da doch der Rettungsdienst unmittelbar vor ihrer Tür eine Wache unterhalten würde, berichtete Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Die Flintsbacher Bürger müssen sich keine Sorgen machen“, beruhigt Gabriel Mayer, Geschäftsführer der Ambulanz und Leiter der Rettungswache in Flintsbach, die im Monatsdurchschnitt rund 240 bis 260 Einsätze abwickelt.

Weitreichendes Wachgebiet

„Aufgrund der Größe unseres Wachgebietes, das reicht von Bad Feilnbach, Raubling und Rohrdorf, geht bis nach Kiefersfelden und grenzt schließlich an Bayrischzell beziehungsweise den Samerberg, kann es durchaus schon einmal vorkommen, dass wir etwas länger unterwegs sind“, schränkt Mayer jedoch ein. Das sei aber eher die Ausnahme, als der Regelfall. „Daher halten wir für den größten Teil unserer Einsätze die gebotenen Fristen ein.“ Wie der Erreichungsgrad genau berechnet wird, könne er nicht nachvollziehen.

In der Zeit von 7 bis 21 Uhr steht auch noch ein weiterer Rettungstransportwagen (RTW) in Kiefersfelden zur Verfügung. Für den Fall, dass alle Fahrzeuge im Versorgungsgebiet Flintsbach sich im Einsatz befinden, wird ein Fahrzeug aus einem benachbarten Bereich entsendet.

„Für den Bürger ist oftmals der große Fuhrpark, den er an der Rettungswache in Flintsbach sieht, irritierend. Hier steht ein Rettungswagen 24 Stunden für den öffentlichen-rechtlichen Rettungsdienst zur Verfügung. Zusätzlich werden fünf Einsatzfahrzeuge für den Krankentransport sowie diverse Sonderfahrzeuge für den Sanitätsdienst und Katastrophenschutz vorgehalten, die nicht im täglichen Rettungsdienst zum Einsatz kommen“, sagt Mayer.

Die Verantwortlichen im Zweckverband wollen die Entwicklung noch weitere zwei Quartale beobachten. Sollte die 80-Prozent-Marke weiterhin verfehlt werden, wird der Verband tätig. stv

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