Bad Feilnbach/Fischbachau – Der Deisenrieder Wetterstollen ist bekanntlich seit einigen Jahrzehnten stillgelegt. Er diente ehemals dem Kohle-Bergbau in Hausham zur Bewetterung (Belüftung). Seit 2007 kümmern sich ehemalige Bergmänner ehrenamtlich um die Erhaltung und den Ausbau des Stollens zu einem Schaustollen für Besucher.
Das Projekt, und das ist besonders bemerkenswert, ist ein Kooperationsprojekt der Gemeinden Bad Feilnbach und Fischbachau, die beide selbst eine lange Bergbaugeschichte haben. Das Vorhaben soll beiden Kommunen aber auch dazu dienen, Gästen und Einheimischen mit einem Schlechtwetterangebot die historische Bergbau-Vergangenheit im Oberland aufzeigen und dazu beitragen, dass diese der Nachwelt erhalten bleibt. Josef Lechner (Bürgermeister Gemeinde Fischbachau), hob dabei das Engagement von Martin Schmid und seiner Freunde vom Bergmannsverein „St. Barbara Leitzachtal“ hervor, die „vor zehn Jahren das Loch einfach aufgemacht haben“. Diese einmalige Chance, nun Historisches auch erhalten zu können, soll in seinen Augen nun auch umgesetzt werden. „Leider sind wir mit unserem Vorhaben bei der Eon Montan auf keine große Liebe gestoßen“, meinte Lechner, denn nur ein kleiner Teil der Stollen darf zugängig gemacht werden (wir berichteten).
Stephanie Stiller (LAG-Managerin der LAG Kreisentwicklung Miesbacher Land) berichtete von den beiden Projektphasen: Phase 1 mit der Erstellung des Gesamtkonzeptes, das nun eine Leader-Förderung von 14954 Euro bekommt und Phase 2 mit der Umsetzung und dem musealen Ausbau (drittes Quartal 2018).
„Das Thema Bergbau verfolgt uns in Au schon lange“, meinte Hans Hofer, Bürgermeister der Gemeinde Bad Feilnbach. Hofer erinnerte daran, dass dieser Stollen damals mit über 13 Kilometern Länge (von Deisenried bis nach Hausham) der längste Tunnel der Welt war. Lechner lobte besonders das Engagement des Barbaravereins: „Hut ab, was ihr hier gearbeitet habt. Ohne euch hätte das nicht geklappt.“
Hubert Wildgruber, Zweiter Vorsitzender der LAG und Oberaudorfs Bürgermeister, stellte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Inn- und Mangfalltal und dem Oberland heraus. Sebastian Wittmoser (Leader-Koordinator Oberbayern Süd am Amt für landwirtschaftliche Entwicklung AELF Rosenheim) oblag es dann, den ersehnten Zuwendungsbescheid zu übergeben. Er bezeichnete das Vorhaben als „mutiges Projekt mit zwei starken Bürgermeistern“. Ihm zufolge handelt es sich hier nicht nur um ein touristisches Projekt, vielmehr ist hier ein Stück „Heimatgeschichte“ verwurzelt.
Auch Wittmoser lobte die Zusammenarbeit zwischen Unterland und Oberland. „Hier investiert Europa in Bayern und in unsere ländliche Heimat“, meinte Wittmoser stolz. Gemeinsam besichtigte man noch einige Meter des zugänglichen Stollengeflechtes und kam dabei zur Überzeugung: Dieser kleine Teil der Bergbaugeschichte muss erhalten bleiben. Und zwar jetzt. „Solange es euch noch gibt, die mit dabei waren und erzählen können“, sagte Lechner zu den rührigen Männern des Bergbauvereins.
Der Deisenrieder Wetterstollen wurde – wie berichtet – 1953 zur Bewetterung der Haushamer Kohlengrube in Angriff genommen. 1956 erfolgte der Durchschlag vom Deisenrieder Stollen zur dritten Sohle der Grube Hausham. Er führte die Luft aus dem Stollen ab und saugte dadurch Frischluft über den zwölf Kilometer entfernten Fahrschacht bei Hausham durch das Grubengebäude.
Mit Einstellung des Haushamer Kohlebergbaus fuhr die letzte Schicht im Oktober 1966 über den Stollen aus. Er wurde bis 1977 teilverfüllt und verschlossen. Seit 2006 wird er wiederaufgewältigt, um der Öffentlichkeit zukünftig in einem Schaubergwerk den Zugang zu ermöglichen. Der Stollen durchquert dabei 44 Meter Quartär, dann 21 Meter marine Ablagerungen von Sandsteinen und Tonmergeln. Bei 290 Metern Stollenlänge ist das 80 Zentimeter dicke Flöz Kleinkohl aufgeschlossen. ws