Oberaudorf – Seit dem Jahre 1845 wird in Niederaudorf ein Leonhardiritt organisiert. In diesem Jahr konnten sich trotz vereinzeltem Nieselregen die zahlreichen Zuschauer am Vorbeizug von 138 prächtig herausgeputzten Rössern erfreuen. Mit dabei waren 24 Festwägen, gezogen von dreizehn Vierer- und elf Zweier-Gespannen.
Eingefügt in den Festzug waren noch acht Kutschen. In einer saßen Weihbischof Wolfgang Bischof und Pater Slawek vom Kloster Reisach, Ministranten und Ehrengäste.
Die Aufstellung zum Kirchenzug erfolgte auf der Dorfstraße, die Feldmesse fand im Keindl-Anger am dort aufgebauten Feldaltar statt. Zelebranten waren der Weihbischof und Klosterprior Pater Slawek. Die Musikkapelle Niederaudorf umrahmte die kirchliche Feier und Ehrenspalier standen die Audorfer Gebirgsschützen-Kompanie, die Gebirgsschützen aus Flintsbach und die Niederaudorfer Trachtenfrauen.
Den anschließenden Umritt führte die Reiterabordnung mit der Niederaudorfer Sankt Leonhard-Standarte an, die bei der nachträglichen Hundertjahrfeier im Jahre 1949 von den Niederaudorfern gestiftet und vom Niederaudorfer Lüftlmaler Lois Kranz gemalt worden ist. Auf den Motivwägen dargestellt sind das Sankt Leonhard-Kircherl von Grafenherberg, das Wallfahrtskircherl von Kirchwald bei Nußdorf und Kloster Reisach. Gezeigt wird auch Sankt Leonhard, der Schutzpatron des Viehs, insbesondere der Pferde.
Von Vierer-Gespannen gezogen wurden die Festwägen mit den Musikkapellen Niederaudorf, der Musikkapelle Brannenburg sowie erstmals der Musikkapelle Flintsbach. Mit einem prächtigen Festwagen waren wieder die Feilnbacher-Mieder-Dirndl gekommen.
Auch die Nußdorfer Nachbarn beteiligten sich mit Trachtenfrauen und Reiterabordnung samt ihrer Standarte am Umritt.
Beim dreimaligen Umzug um die Dorfkirche Sankt Michael gab es Segen mit Weihwasser und Weihrauch für Ross und Reiter durch Weihbischof und Klosterpater.
In der Oberaudorfer Chronik „Unser Audorf“ ist unter dem Stichwort Leonhardiritt in Niederaudorf vermerkt, dass Niederaudorf in früheren Zeiten zum Vikariat Oberaudorf gehörte und dieses dem Pfarramt Flintsbach unterstand.
Ewige Streitereien
im Jahr 1845 beendet
Jedes Jahr am 6. November hatten die Bauern von Audorf aus dem ganzen weiten Einzugsbereich nach Flintsbach zu reiten, um den Leonhardi-Ritt mitzumachen. Da gab es aber lange Aufenthalte, Streitereien und Unannehmlichkeiten. So entschloss sich 1845 der damalige Oberaudorfer Vikar Johann Baptist Spagl, für Oberaudorf, Niederaudorf, Kiefersfelden und Umgebung einen eigenen Leonhardiritt mit Pferdesegnung in Niederaudorf abzuhalten.
Da half auch der Einspruch des Flintsbacher Pfarrherrn in München nichts mehr, denn die Vorbereitungen in Niederaudorf waren soweit getroffen, dass ein Verbot der Weihe zu spät gekommen wäre. Seither wird trotz fortschreitender Motorisierung die Tradition des Leonhardirittes in Nie-deraudorf gepflegt.