Raublinger Musikantenherbst

Musik muss Herzenssache bleiben

von Redaktion

Zahlreiche Musikgruppen sorgten für beste Unterhaltung und zahlreiche Lacher

Raubling – Die Inntaler Musi hat sich mit ihrem Raublinger Musikantenherbst mittlerweile ein festes Publikum erarbeitet. Das nicht zuletzt deswegen, weil man weiß, dass es dort echte Volksmusik gibt – soll heißen: nichts von der Stange.

Die Inntaler Musi ist ja vielmehr dafür bekannt, dass Ludwig Resch und Rudi Demmeler, die beiden musikalischen Köpfe der Inntaler, immer wieder aufs Neue alte Stücke ausgraben und für ihre zwölf Bläser arrangieren. Originalität und Spaß am Musizieren – das sind auch die beiden Voraussetzungen, die man mitbringen muss, wenn man von den Inntalern zum Musikantenherbst mit eingeladen werden will. Das musikalische Können braucht dabei nicht erwähnt zu werden, es versteht sich von selbst.

Was bei den Gästen dieses Jahr besonders auf fielist, dass Freude an der Musik offenbar keine Altersgrenzen kennt. Stellte die allseits bekannte „Frasdorfer Tanzl-musi“, die es schon seit fünfzig Jahren gibt, mit dem 79-jährigen Franz Osterhammer den ältesten Musiker des Abends, waren die Mitglieder der „Sechs-Zylinder-Musi“ gerade Mal zwischen vierzehn und fünfzehn. Hinsichtlich des musikalischen Temperamentes und der Leidenschaft gab`s zwischen Jung und Alt keine Unterschiede, der einzige, meinte Rupert Schauer von den Frasdorfern, sei vielleicht der, dass die „6-Zylinder“ noch unter Jugend – sie selbst aber bereits unter Artenschutz stünden.

Bei der Sechs-Zylinder-Musi, die aus fünf Bläsern und einer Ziach besteht, muss man vielleicht den Namen noch erklären: Es handelt sich nicht darum, dass hier Volksmusik im Zylinderhut dargeboten würde, der Name erklärt sich aus der Vorliebe der sechs Jugendlichen für schwere Traktoren, allen voran dem Eicher Wotan. Unter Traktorliebhabern sind die Eicherschlepper mit ihren langgestreckten kantigen Hauben und den charakteristischen seitlich angebrachten Einzelgebläsen für jeden Zylinder ein Begriff – der Wotan war Anfang der siebziger mit sechs Zylindern und damals beeindruckenden 100 PS das Flaggschiff.

Johannes ein echter

„Gaudibursch“

Von den sechs musizierenden Traktorliebhabern wird man sicher noch mehr hören, das darf man ungestraft behaupten. Sie, die erst seit ungefähr vier Jahren zusammenspielen, haben im Juli beim Neubeurer Musikfest gegen die starke Konkurrenz der Erwachsenen den zweiten Platz geholt. Dass sie bei der Musik zwar ernsthaft, aber ansonsten für jede Gaudi offen sind, bewies der 14-jährige Johannes Untereichmeier, der das Publikum mit ein paar staubtrocken erzählten Witzen zu Lachstürmen hinriss. Zum Besten gegeben hatte er die auf hartnäckiges Drängen von Katrin Jackl, die auch dieses Jahr wieder charmant und unterhaltsam durchs Programm führte.

Sein Zwangs-Auftritt war gewissermaßen ihre Rache dafür gewesen, dass die sechs sie beim Vorgespräch zum Musikantenherbst etwas auflaufen hatten lassen. Sie konnte, so erzählte sie dem Publikum, ihre Fragen noch so lockend servieren, die Antworten waren altbayerisch: „Ja“ oder „Na“ und ansonsten Schweigen. Wer mehr über die sechs wissen und von ihnen hören will – am 5. November werden sie im Heimathaus in Rohrdorf mit dem Preisgeld aus Neubeuern einen Frühschoppen ausrichten.

Immer nur: spielen dürfen, nicht müssen

Schon lange erfolgreich und bekannt ist das Duo Dicker-Hierl. Norbert Hierl spielt Ziach, Gabi Dicker-Hierl alles andere: Gitarre, Harfe, Okarina. Gerade an den beiden konnte man sehen und hören, was den Raublinger Musikantenherbst ausmacht: dass die Teilnehmer selber immer eine Riesengaudi haben. Darum, so erzählt Gabi Dicker-Hierl war die Überlegung, vielleicht berufsmäßig Musik zu machen, für sie und ihren Mann trotz allen Erfolgs nie eine wirkliche Option: „Dafür ist uns die Musik zu schade. Musik muss Herzenssache bleiben. Wenn man nicht mehr spielen darf, sondern spielen muss, kommen Spaß und Freud schnell unter die Räder.“

Beim Raublinger Musikantenherbst wird das sicher nicht so sein – zumindest so lange nicht, solange die Inntaler Musikanten ihn ausrichten. Und weil die trotz 20-jährigem Zusammensein noch keinerlei Alterserscheinungen aufweisen, steht nicht zu befürchten, dass ein baldiges Ende dieser Tradition naht.jt

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