Katrin Schreiner ist Puppenspielerin von beruf

„Die Hexe ist meine Lieblingsfigur“

von Redaktion

„Jeder Kasperl ist so individuell wie sein Spieler“, sagt Katrin Schreiner aus Riedring und sie muss es wissen: Die gelernte Kinderkrankenschwester ist eine leidenschaftliche Puppenspielerin und hat ihr Hobby inzwischen sogar zum Beruf gemacht. Der OVB-Heimatzeitung gewährte sie einen Blick hinter den Bühnenvorhang.

Riedering – Wenn Katrin Schreiner in Abersdorf in der Schreinerei ihres Mannes ein Kasperltheater aufführt, dann setzt sie zunächst einmal ihre geringelte Strickmütze auf. Das Ritual ist wichtig – wie bei richtigen Schauspielern. In Abersdorf sind auf der Bühne allerdings keine Menschen, sondern Puppen zu sehen.

50 verschiedene Figuren hat die Puppenspielerin in ihrem Fundus: Der Kasperl, sein Hund Lumpi, das Krokodil, die Großmutter, Seppel und Gretel… und viele mehr. „Der Polizist heißt im Kasperltheater immer Wachtmeister“, weiß Schreiner. Die Hexe liegt ihr besonders am Herzen. „Sie kann sich alles rausnehmen und den Kindern auch mal ganz freche Sachen an den Kopf werfen“, erklärt die Puppenspielerin ihre Vorliebe. „Sie sagt dann zum Beispiel: ‚Hui, hier stinkt‘s aber nach Kindern!‘ verrät sie verschmitzt.

Lachen ist ihre Passion, so der erste Eindruck, wenn man Katrin Schreiner trifft. Als sie noch ihren Beruf als Kinderkrankenschwester ausübte, hat sie viel Leid in ihrem Leben gesehen.

Heute möchte sie Leichtigkeit vermitteln und dafür erscheint ihr die Kasperlbühne ideal. Der Kasperl gewinnt immer, er erlebt manch schräge und schwierige Situation, aber er hat immer Freunde, die ihm helfen und bleibt am Ende unversehrt.

Die Kinder, die zu ihren Vorführungen kommen, sollen diese Leichtigkeit erleben, wünscht sie sich, und meist gelingt es ihr wohl auch. Mit Freude erinnert sie sich an Situationen, bei denen ihre jungen Zuschauer aufgeregt in das Geschehen auf der Bühne eingreifen. Das Wechselspiel zwischen Zuschauern und Bühnenakteuren sei beim Kasperltheater gewünscht und bereichernd, beschreibt Schreiner.

Mehr oder weniger durch Zufall kam sie im Jahr 2001 mit dem Kasperlspielen in Berührung, als sie ihre Schwester bei einem Besuch in das „Würzburger Kasperhaus begleitete. „Ich war diejenige, die am lautesten lachte“, erinnert sie sich noch heute.

Die Leidenschaft war geweckt. Sie nahm drei Wochen lang „überstundenfrei“ in der Klinik Vogtareuth, wo sie damals arbeitete, und machte ein Praktikum bei dem Würzburger Puppenspieler. Ein Jahr später ging sie ganz nach Würzburg und ließ sich zur Puppenspielerin ausbilden.

Ihr Lehrer nahm sich viel Zeit für sie, ließ sie von Anfang an kleinere Rollen spielen und übte nach den Aufführungen weitere Geschichten mit ihr ein. In ihrer Ausbildung lernte sie, die verschiedenen Bewegungen der Figuren kennen. „Jede Puppe hat ihren eigenen Charakter. Durch ihre Sprache, Gesten und Kostüme unterscheiden sie sich“, erklärt Schreiner – und dann bringt jeder Puppenspieler wortwörtlich noch sein eigenes Temperament mit ins Spiel. Die Puppen dürften nicht über die Bühne wuseln, das sei ganz wichtig, verrät sie weiter. „Manche lispeln, manche sprechen gaaaanz laaaaangsaaam, andere verhaspeln sich ständig.“

Einen speziellen Atemkurs hat sie absolviert, um die Aufführungen, die bis zu 50 Minuten dauern, auch stimmlich durchhalten zu können.

Ihre Geschichten hat sie selbst geschrieben, über 20 sind es inzwischen. Manche von ihnen spielt sie schon seit Jahren, andere eher selten. Ihr absolutes Lieblingsstück ist nach wie vor „Kasperl im Zirkus“. „Dabei geht es um einen Clown, eine relativ einfache Geschichte, lebendig und leicht“, schwärmt sie. Das ruhige Krokodil spiele mit und auch andere Charaktere, die sie sehr mag. „Es ist Leben drin“, beschreibt sie weiter, „und am Schluss endet es in einer Zirkusvorstellung.“

Mit einer mobilen Bühne kommt Katis Kasperltheater auch in Kindergärten, Schulen, Seniorenheime, in Theater, auf Feste und Veranstaltungen verschiedenster Art. Nicht nur Stücke für Kinder gehören zu ihrem Repertoire – auch für Erwachsene lassen sich interessante Aufführungen erleben. Im Repertoire ist unter anderem „Gretels verhängnisvolle Affäre“, ein groteskes, fast erotisches Kasperldrama, verrät Schreiner.

Die nächste Vorstellung in der Schreinerei in Abersdorf findet jedoch vorwiegend für Kinder statt. Reservierung ist unter Telefon 08036/ 3037467 empfohlen, denn die Fangemeinde des Kasperltheaters wächst mit jeder Aufführung. „Kasperl und die Wunderflöte“ heißt das Stück, für das sich am Sonntag, 19. November, um 16 Uhr der Vorhang hebt.

Artikel 1 von 11