Ludwig thoma-Abend in Nussdorf

Ein feines Duett

von Redaktion

Bürgermeister Sepp Oberauer und Asylbeauftragte Renate Pröbstl rezitierten

Nußdorf – „Jozef Filsers Briefwexel“, „Tante Frieda“ oder auch „Erste Klasse“ gehören wohl zu den bekanntesten Werken des bayerischen Heimatdichters Ludwig Thoma. Aus diesen und weiteren Stücken las im dazu passenden bayerischen Wirtshausambiente des Nußdorfer Schneiderwirts Renate Pröbstl (Asylbeauftragte in Nußdorf) vor. An ihrer Seite saß „Ludwig Thoma“, der vortrefflich von Sepp Oberauer (Bürgermeister) dargestellt wurde. Sie rezitierten im Wechsel Texte aus der Feder von Renate Pröbstl. Neben dem literarischen Duett spielte das Duett „De Gspiarign“ mit Judith und Robert Heckl mit Kontrabass und Ziach auf.

Mit einer sehr lebhaften Lesung, einer sehr fein akzentuierten und vielfach wandelbaren Stimme nahm Pröbstl ihre Zuhörer mit zu den Schauplätzen der Geschichten des Ludwig Thoma. Es gelang ihr, jeder Figur eine typische Sprechweise zu geben, die sie erkennbar machte und auf typische Charaktereigenschaften schließen ließ.

Thoma erzählt in einer lockeren und aufgeschlossenen Atmosphäre über sein Leben. Berichtet davon, dass er kein guter Schüler war und häufiger die Schule wechseln musste. Erzählt von seiner Mutter, von der er nie Anerkennung bekam, obgleich er sich sehr darum bemühte. In seinen frühen Jahren wurde er politisch zu den „Linksliberalen“ gezählt, absolvierte ein Jurastudium und begann 1898 eine Karriere beim Münchener Simplicissimus, dessen verantwortlicher Redakteur er sogar wurde. In einer authentischen Darstellung gelang es Sepp Oberauer, die rechtsorientierte Wandlung von Thoma mit wohlakzentuierten Worten zu unterstreichen. Der, der noch Jahre zuvor gegen Spießertum, bürgerliche Doppelmoral, Obrigkeit und den Klerus zu spotten wusste, setzte sich nach und nach nun für die nationale Sache ein. Seine zunehmende antisemitische Haltung fand in seinen Schmähschriften, die 1920 im Miesbacher Anzeiger veröffentlicht wurden, ihren Höhepunkt.

Am Ende blickte Thoma alias Oberauer noch einmal selbstkritisch mit einem einen Hauch von Melancholie auf sein Leben zurück und resümierte: „Wer mich gekannt hat, hat gesagt, ich wäre ein Leben lang ein Zerrissener gewesen. Ja, da ist schon was dran.“ Er kommt schließlich zum Schluss, dass er ein weltoffener Bayer gewesen sei, aber intolerant gegenüber Juden. „Aber ich war immer einer, dem die kleinen Leute wichtig waren.“stv

Artikel 1 von 11