Dekanatsratsvollversammlung Inntal diskutiert leitungsmodell

Mehr Spielraum für Laien

von Redaktion

Die katholische Kirche steht wegen des Priestermangels vor großen Veränderungen. Bislang sah es so aus, als würde darauf nur durch Vewaltungsmaßnahmen reagiert. Etwa, in dem man einzelne Pfarreien zu Pfarrverbänden zusammenlegt. Im Moment aber scheint sich ein tief greifender Wandel anzukündigen. Das zeigte die Dekanatsratsvollversammlung Inntal.

Brannenburg – Die Diözese will ihr Leitungsmodell grundlegend umkrempeln, weg von der Hierarchie, hin zu mehr Selbstbestimmung an der Basis, hieß es in Brannenburg.

„Pfarrgemeinden, auch Pfarrverbände, müssen nicht notwendigerweise von einem Pfarrer geleitet und verwaltet werden, machen soll das einfach derjenige, der am besten dafür geeignet ist“, hieß es da. „Das Reden vom Laienapostolat einerseits und der Amtskirche andererseits verursacht mir immer Unbehagen – es kann hier keine Trennung geben, denn es gibt nur eine Kirche“, war ebenfalls zu hören.

Wie die beiden Zitate zeigen, nahm Robert Lappy kein Blatt vor den Mund, als er den Teilnehmern – Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Pfarrgemeinderatsmitglieder aus dem Dekanat – das neue Leitungsmodell vorstellte. Ein Umstand, der vor allem deshalb Bedeutung hat, weil Robert Lappy nicht irgendwer ist, sondern derjenige, der bei der Erzdiözese für die Umgestaltung der Pastoralen Zukunft mit verantwortlich ist.

Leitungsmodell: Probephase starten

Bekannt war das Vorhaben den Teilnehmern in groben Zügen ja schon seit knapp zwei Jahren als Versuch, ehrenamtliche Mitarbeiter mehr in die Leitung ihrer Pfarreien einzubinden, und zwar gleichberechtigt zu den Seelsorgern in der Gemeinde. Bekannt war auch, dass die neuen Leitungsmodelle ab nächstem Jahr in drei Dekanaten erprobt werden sollen, und zwar in einem „learning by doing-Verfahren“, ohne dass vorher Maßnahmen und Verfahrensweisen verbindlich festgeschrieben oder ausgeschlossen worden wären.

Nun sind Absichtserklärungen in der Planungsphase das eine, die konkrete Umsetzung aber dann oft etwas ganz anderes. Insofern zeigte der pointierte Vortrag kurz vor der Umsetzung, wie ernst es der Diözese tatsächlich mit der Veränderung ist.

Lappy brachte es noch einmal auf den Punkt, als er in diesem Zusammenhang das erste apostolische Schreiben von Papst Franziskus zitierte, in dem davon gesprochen wird, dass sich die Kirche aus Treue zu Jesus Christus stets erneuern müsse und hinzufügte: „Der Papst spricht von Erneuerung – hier geht es also nicht ums Reparieren, nicht um einen neuen Anstrich, hier geht es um grundlegende Veränderungen.“.

Wie weit diese Veränderungen gehen könnten, wurde beispielhaft an einer Frage aus dem Publikum deutlich: Was denn passiere, wenn einer in der Gemeinde die besten Voraussetzungen für die Leitung der Pfarrei mitbrächte, diese Person aber ein wieder verheirateter Geschiedener oder eine wieder verheiratete Geschiedene sei? Bislang war die Tatsache, geschieden zu sein und dann noch einmal geheiratet zu haben, ein definitiver Hinderungsgrund für jede selbst einfachste Beschäftigung innerhalb der katholischen Kirche. Insofern war die Tatsache, dass Lappy bei dieser Frage nicht einfach auf das Kirchenrecht verwies, sondern meinte, das wäre dann im Einzelfall zu prüfen, eine kleine Sensation.

Wagenburgmentalitätin der Kritik

Das gilt auch, wenn man es etwas weiter fasst: Eine durchaus verbreitete Meinung in der katholischen Kirche ist es, es sei der falsche Weg, es wegen der rückläufigen Zahl der Kirchenmitglieder mit größerer Öffnung zu versuchen, besser sei es, sich in Zukunft einfach auf den harten Kern der „Rest-Gläubigen“ konzentrieren. „Wagenburgmentalität“ nennen das dann die anderen.

Der Kardinal, so war dem Vortrag zu entnehmen, vertritt diese Haltung jedoch definitiv nicht. So stelle dieser, wie Lappy erzählte, den Pfarrern oftmals die Frage, für wie viele Menschen sie zuständig seien. Die Antworten bezögen sich dann meist auf die rückläufige Zahl der Gläubigen, worauf der Einwurf des Kardinals stets laute: „Danach habe ich nicht gefragt. Ich will wissen, für wie viele Menschen Du zuständig bist.“ Deshalb sei auch die Frage, wie es mit der Kirche weitergehen solle, so Robert Lappy, die falsche. „Die richtige Frage lautet: Wie geht es mit den Menschen weiter?“

„Modell ist

eine Chance“

Bleibt noch zu klären, wie die Veränderungen von denjenigen eingeschätzt werden, die sie als Erste spüren: die Geistlichen. Pfarrer Helmut Kraus, der nicht nur den Pfarrverband Brannenburg-Flintsbach leitet, sondern auch Dekan des Dekanates Inntal ist, steht dem Konzept positiv gegenüber, auch wenn noch nicht jede Verfahrensfrage bis ins Letzte durchdacht sei und wohl auch noch einige dogmatische und kirchenrechtliche Fragen zu klären seien. „Aber das Modell ist eine Chance, die wir genau jetzt haben und die wir unbedingt nützen müssen.“

Momentan sei die Personaldecke noch so, dass man sich Experimente leisten könne. Theoretisch sei der Wunsch, alles beim Alten und Bewährten zu belassen, natürlich auch eine Option, wenn auch nur eine auf Zeit. „Ohne Veränderung, da besteht kein Zweifel, macht irgendwann der Letzte das Licht aus“, so Robert Lappy von der Erzdiözese.

Artikel 4 von 11