Gemeinderat Raubling beschliesst Umbau und Erweiterung der Kläranlage

Rückkehr in „normale Gewässer“

von Redaktion

Die Gemeinde Raubling wird ihre Kläranlage umbauen und erweitern. Aus Kostengründen hat sich der Gemeinderat jetzt dagegen entschieden, das Angebot der Stadt Rosenheim anzunehmen, das Abwasser in der städtischen Anlage klären zu lassen. Im Gremium herrschte Erleichterung.

Raubling – Extreme Energiekosten, eine zweifelhafte Technik und das Problemwasser des Unternehmens Pharmazell: Der Druck für den Gemeinderat, in puncto Abwasserklärung zu handeln, nahm in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu. Der Tropfen, der das Fass – oder eher die Klärbecken – letztlich zum Überlaufen gebracht hatte, waren erhöhte Stickstoffwerte, die nicht mehr mit den gesetzlichen Vorgaben in Einklang zu bringen waren (wir berichteten).

Die Weichen für eine Behebung der Problematik waren bereits im Frühjahr dieses Jahres gestellt – beispielsweise durch den längst aufgekündigten Vertrag mit dem Chemiekonzern, der sich nach Angaben von Bürgermeister Olaf Kalsperger sehr fair gegenüber der Kommune verhalten habe. „Das Unternehmen hat unter anderem einen hohen sechsstelligen Betrag nachgezahlt, für den es in dieser Höhe keine rechtliche Verpflichtung gegeben hat.“

Aber auch die ersten Entwürfe für die Ertüchtigung der Anlage lagen bereits in der Schublade – und sollten eigentlich zur Abstimmung stehen. Doch dann unterbreitete die Stadt Rosenheim Raubling das Angebot, das Abwasser in der städtischen Anlage zu klären. Eine Offerte, die ohne Beratung im Gemeinderat nicht einfach abgelehnt werden konnte, wie Kalsperger erklärt: „Wir sind natürlich den Bürgern gegenüber verpflichtet, die wirtschaftlichste Alternative zu wählen.“ Zumal die Bürger über die Gebühren letztlich die Kosten tragen.

Nun liegen die Kostenschätzungen auf dem Tisch – und sprechen eine deutliche Sprache: Denn eine Umleitung des Abwassers ins Rosenheimer Klärweg Richtung Heilig Blut wäre deutlich teurer als die Ertüchtigung der Raublinger Anlage bei Pfraundorf. So würde die Kommune für die Rosenheimer Lösung nach ersten Schätzungen fast sieben Millionen Euro investieren müssen, während der Umbau und die Erweiterung der kommunalen Anlage gut 3,5 Millionen Euro kosten würde. Für den Bürger, der die Kosten letztlich über die Abwassergebühren tragen muss, hätte eine Entscheidung für den Anschluss an Rosenheim Mehrkosten von rund 30 Cent pro Kubikmeter Abwasser bedeutet.

Für die Raublinger Gemeinderatsmitglieder, die einstimmig für den Umbau der eigenen Anlage votierten, ein klarer Fall. Und zudem die Entscheidung, die sie sich insgeheim gewünscht hatten, wie Johann Guggenbichler (CSU) erklärt: „Es ist gut, dass wir damit unsere Selbstständigkeit erhalten.“ Eine Einschätzung, die Alexandra Burgmaier (SPD) teilt, zumal „wir dann auch die Arbeitsplätze unserer Klärwerksangestellten, die immer gute Arbeit gemacht haben, sichern können.“ So sieht es auch Monika Marx: „Ich kann mit gutem Gewissen dem Ausbau zustimmen. Gehen wir es an.“

Zunächst muss das Umbau- und Erweiterungsprojekt jetzt allerdings aufgrund der millionenschweren Investitionssumme europaweit ausgeschrieben werden. Am Ende – geplant ist der Umbau bis 2023 – soll dann laut Eberhard Steinle, der die bisherigen Planungen als Ingenieur begleitet hatte, ein Systemwechsel von der bisherigen Festbetttechnologie, die Steinle als „exotisch“ bezeichnet, hin zu einem System auf dem aktuellen Stand der Technik stehen. Burgmaier: „Dann können wir in puncto Kläranlage sozusagen wieder in ganz normales Gewässer zurückkehren.“

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