Nußdorf – „Viele Bürger verwechseln unser Kanalsystem leider immer noch mit einem Müllbehälter“, sagt der 23-Jährige. Vor allem Windeln, Binden und Hygienetücher setzen dem Kanalsystem zu. Schnell ist alles dicht und nichts geht mehr. Dann ist sofortige Hilfe nötig. Mayer und seine Kollegen sind meist die letzte Rettung. „Oft versuchen es die Hausbewohner zunächst mit Chemikalien wie Rohreinigungspulver, mit denen sie die Verstopfung auflösen wollen.“ Von diesen Chemiekeulen hält er allerdings wenig, denn hier würde die Gefahr bestehen, dass das Granulat verklumpt und hart wird. „Dann ist das Rohr wie mit Beton ausgegossen.“ Im schlimmsten Fall könnten Kunststoffrohre durch die Hitzewirkung, die bei der Reaktion entsteht, stark beschädigt werden.
Wenn sich aber die Verstopfung außerhalb des Siphons im Leitungssystem befindet, sollte man unbedingt einen Profi um Hilfe bitten, empfiehlt Mayer. Nicht immer trifft allerdings die Hausbewohner die Schuld. Verstärkt sei zu beobachten, dass Rohre oft mit zu wenig Gefälle verlegt werden. Abgesehen davon besteht die Tendenz, möglichst viel Wasser zu sparen, was die Abflussleistung in den Leitungen erheblich verschlechtere, gibt der junge Mann zu bedenken. Beides sei der Grund dafür, dass die Leitungen schneller verkrusten würden.
Georg Mayer weiß, wovon er spricht, immerhin ist der 23-Jährige seit Kurzem frisch gebackener „Meister für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“. Noch vor wenigen Tagen hat er im Berufsbildungswerk Leipzig die Schulbank gedrückt. „Die Tage vor der Prüfung waren schon stressig“, gibt er zu, der schließlich die Meisterprüfung als Jahrgangsbester bestand. Voraussetzung für die Zulassung zum Meisterlehrgang ist eine abgeschlossene technische Berufsausbildung mit fünfjähriger Berufserfahrung im Bereich des Rohr-, Kanal und Industrieservice oder die Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice mit mindestens einjähriger Berufspraxis.
Auch beim Lehrabschluss zeigte der heutige Meister seines Faches Talent, denn auch diese Prüfung bestand er mit Prädikat.
Sein Aufgabengebiet umfasst nicht nur die Beseitigung von Verstopfungen im privaten Haushalt, sondern auch Rohrreinigungen und -sanierungen im kommunalen Bereich. Dazu gehört außerdem die Inspektion von Rohrleitungen und die Sanierung bei Schäden. „In der Regel können wir defekte Rohre reparieren, ohne dass wir in offener Bauweise die Rohrleitungen ausgraben und freilegen müssen. Das ist oft preiswerter und bedeutet weniger Einschränkungen für die Bewohner oder auch für den öffentlichen Verkehr.“
Die moderne Technik, die zu bedienen ist, reicht von Spezialfahrzeugen mit Saug- und Spülvorrichtungen und hoch technisierten Roboter-Systemen bis hin zu hoch spezialisierten Kanal-TV-Kameras, mit denen Rohr- und Kanalsysteme auf ihren Zustand überprüft werden können.
Wurzeln, die in den Kanal hineinwachsen, von Ratten zugebaute Abzweigungen oder vorhandene Schäden im Kanal können so erfasst werden. Da sind neben technischen Geschick auch handwerklichen Fähigkeiten gefragt, denn er und seine Kollegen müssen zum Beispiel an einer Einsatzstelle Pumpen zerlegen und wieder zusammensetzen können. Außerdem müssen komplexe technische Apparaturen bedient werden.
„Ein recht vielseitiger Beruf“, wie Mayer feststellt, daher seien auch gute Noten in Mathe, Physik und Chemie gefragt sowie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Außerdem müsse er die einschlägigen Gesetzestexte, Verfahrensvorschriften, Normen und manchmal auch die Kunst beherrschen, Menschen zu beruhigen: Vor allem, wenn die Toilette überläuft oder der Keller voller Wasser steht.