Großkarolinenfeld – Der Entwurf für das neue Rathaus in Großkarolinenfeld wurde beschlossen. Einig war sich der Gemeinderat aber nicht. Am Ende fiel die Entscheidung mit 15 Ja- und sechs Nein-Stimmen.
Besonders die Kritiker des Entwurfes wollten in der Sitzung des Gemeinderates noch einmal ihre Ansichten darstellen. Josef Lausch (PLW) bemängelte, dass das geplante Gebäude mit Flachdach einen Fremdkörper in der Gemeinde darstellen werde. Außerdem habe man in anderen Orten schon negative Erfahrungen mit Flachdächern gemacht. Das Rathaus sei zu klein, insbesondere, da man aus Kostengründen den Keller gestrichen habe. „Bausünden und Fehler“ seien vorprogrammiert.
Lausch bezeichnete die Auswahl des Entwurfes im Rahmen eines Architektenwettbewerbs als „undemokratisch“. Zudem kritisierte er die Kostensteigerungen. Ursprünglich sei man von einer Summe von 5,5 Millionen ausgegangen, inzwischen liege man bei über sieben Millionen. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zehn Millionen am Schluss werden“, so der Gemeinderat. Für den Vorschlag eines Antrages, den ursprünglichen Beschluss mit einem Kostenrahmen von 5,5 Millionen aufzuheben, fand er allerdings keine tragfähige Unterstützung. Schließlich machte Lausch klar: „Heute ist ein trauriger Tag für Großkarolinenfeld, der uns Jahrzehnte beschäftigen und einen Spitzenplatz beim Schuldenstand unter den Gemeinden einbringen wird.“
Auch Dr. Erwin Gutsmiedl (GBV) zeigte sich nicht glücklich mit dem Entwurf. „Wir können uns einen VW leisten und kaufen einen Ferrari“, sagte er. Als privater Bauherr müsse man schließlich auch schauen, was man sich leisten könne.
Leonhard Krichbaumer (CSU) gestand ein, dass man das Vorhaben nun nicht mehr umwerfen könne. Dennoch zeigte er sich überzeugt, dass der Entwurf nicht gewonnen hätte, wenn im Wettbewerb die Kosten reell angesetzt worden wären. „Jetzt kriegen wir ein absolutes Designer-Rathaus“, meinte er.
Gemeinderat Johann Kosek (GBV) stellte den Antrag, doch einen Keller einzuplanen. „Ich war immer ein Befürworter der Rathaus-Idee“, betonte er. Abgewichen von seiner Überzeugung sei er erst bei einzelnen Punkten der Ausführung – darunter die Entscheidung, auf den Keller aus Kostengründen zu verzichten. „Ich denke, das ist ein Fehler“, sagte er. Wenn man jetzt keinen Keller, der ursprünglich unter einem der beiden Steine vorgesehen war, einplane, sei der Zug für immer abgefahren. Dadurch ergäben sich zwar erneut Mehrkosten, aber sonst würde das Rathaus bald zu klein.
Planer Stephan Leissle vom Architekturbüro Behnisch betonte, dass man gerne einen Keller baue. Zu den Mehrkosten kämen dann aber auch zeitlich Verschiebungen.
Bürgermeister Bernd Fessler meinte: „Wir wiederholen Dinge, die alle schon diskutiert wurden.“ Der Keller unter einem Stein sei „nichts Halbes und nichts Ganzes“. Sinnvoll wäre ein großer Keller mit Tiefgarage. Doch diese Mehrkosten seien es dann doch nicht Wert, da man ja den Volksfestplatz zum Parken nebenan habe. Als Archiv käme außerdem auch noch das alte Rathaus-Gebäude in Frage.
Auch zu den anderen Kritikpunkten bezog er Stellung. So sei die Summe von 5,5 Millionen Euro ohne Detailkenntnisse genannt worden, um einen Rahmen zu haben. Auch ein genaues Bodengutachten, das die schlechten Verhältnisse am Standort zeigt, sei nicht in den Wettbewerb eingeflossen.
Außerdem müsse man bei den aktuellen Kosten differenzieren, was alles dem Rathaus-Gebäude zugerechnet werden könne. Mit zahlreichen Maßnahmen werde ja auch das Gemeindezentrum aufgewertet, etwa am Erlbach. Vieles davon falle unter die Städtebauförderung. Wenn man das neue Rathausgebäude alleine betrachte, sei man bei rund 6,3 Millionen Euro Kosten.
Fessler machte auch klar, dass es sich der Gemeinderat mit dem Wettbewerb nicht einfach gemacht habe. Das Gremium sei auch immer einbezogen gewesen. Die Vorgaben seien mit klaren Mehrheiten erfolgt. Außerdem sei im Laufe der Planung schon Geld geflossen – würde man das Rad zurückdrehen, müssten die Steuerzahler doppelt bezahlen. Und auch ein anderer Rathaus-Entwurf würde wahrscheinlich nicht viel billiger umzusetzen sein.
Mit diesem Beschluss für den Bauentwurf beginnt nun die Genehmigungsplanung. Mit einem Baubeginn wird ab Juni nächsten Jahres gerechnet.khe