Interview mit gerhard Godl

Zement, das unterschätzte Produkt

von Redaktion

Hebfeier beim Südbayerischen Portland-Zementwerk in Rohrdorf – Vier neue Versandsilos

Rohrdorf – „Zement ist das meistgebrauchte Produkt der Welt. Es rangiert noch vor sauberem Wasser“, erklärt Gerhard Godl, Verkaufsleiter Zement beim Südbayerischen Portland-Zementwerk in Rohrdorf. Am gestrigen Freitag fand das Richtfest für vier neue Versandsilos statt. Die OVB-Heimatzeitung sprach mit Godl.

Am gestrigen Freitag wurde mit zahlreichen Gästen das Richtfest für vier neue Versandsilos gefeiert.

Wir stehen als Unternehmen auf gesunden Füßen. Die vier Versandsilos fassen je 6000 Tonnen. Die gesamte Siloanlage samt Infrastruktur schlägt mit rund 17 Millionen Euro zu Buche. Wir wollen so den gestiegenen Kundenwünschen nach Spezialzementsorten und einer effizienteren Lieferlogistik nachkommen.

Steht dem Produkt Zement eine blühende Zukunft bevor?

Zement ist tatsächlich das meistverwendete Produkt der Welt. Jeder Mensch verbraucht pro Jahr rund einen Kubikmeter Zement beziehungsweise Beton. Ohne Zement sind aufstrebende Nationen wie China und Indien nicht denkbar. Sie haben derzeit einen unstillbaren Hunger nach diesem Stoff. Brücken, Flughäfen, Straßen, Wolkenkratzer: Überall wird dieser Baustoff benötigt. Ein Vergleich: Deutschland verbaut 27 Millionen Tonnen Zement, China 1,4 Milliarden Tonnen.

Woraus besteht Zement?

Zement muss man sich wie eine Backmischung vorstellen. Darin sind neben weiteren Zutaten Kalkstein, Kalkmergel und Tonmergel enthalten. In einem aufwendigen Verfahren wird das Gestein erst klein gemahlen, auf rund 1400 Grad erhitzt, abgekühlt und nochmals zermahlen. Die Konsistenz ist dann ähnlich wie Mehl. Je nach weiteren Bestandteilen hat der Zement verschiedene Eigenschaften. Wir bieten aktuell zwölf verschiedene Sorten an.

Nennen Sie uns ein Beispiel?

Im Betonbau gibt es verschiedene Herausforderungen. Wir stellen einen speziellen Spritzzement für den Tunnelbau her. Unser Produkt wird beim Brennerbasistunnel verwendet.

Woher gewinnt das Unternehmen die nötigen Rohstoffe?

Unsere Firma besteht seit 1930 am Standort Rohrdorf. Das Gesteinsmaterial unseres Steinbruchs ist sehr gut geeignet. Anderswo kann das ganz anders aussehen: So enthalten Steinbrüche in den Dolomiten Magnesium. Das funktioniert nicht bei der Zementherstellung.

Wie sieht das Rohstoffmanagement aus?

Natürlich planen wir für die Zukunft. So ruhen in unserem Steinbruch bei Kiefersfelden/Thiersee rund 40 Millionen Tonnen Kalkgestein.

Dann ist Zement eigentlich ein heimisches und auch ökologisches Produkt?

Das ist richtig. Meist wird nur der Rohstoff Holz als regionaler Baustoff gesehen. Das ist falsch. Zumal das Holz oft aus Finnland oder Tschechien kommt.

Doch Holz übertrifft im Ansehen den Zement bei Weitem. Wie kommt das?

Das stimmt. Dennoch arbeiten wir eng mit Umwelt-Verbänden zusammen. So ist nach rund 100 Jahren nichts mehr von einem Steinbruch zu sehen. Allerdings bleiben schroffe Steilwände weiterhin sichtbar. Doch das freut die Greifvögel, denn sie bieten ihnen Rückzugsorte. In Rohrdorf arbeiten wir in einer Dreier-Folge: An der einen Stelle wird aufgeforstet, in der Mitte wird abgebrochen und an der dritten Stelle wird alles vorbereitet. Im Übrigen wird uns die Renaturierung vorgeschrieben. Und diesen Anforderungen kommen wir auch nach.

Interview: Sigrid Knothe

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