Aschau – Franz von Assisi bewundert er für „seine Zuwendung zum Schöpfer und zum Geschöpf“, Theresa von Avila für ihre Einstellung zum Gebet, das sie als „Verweilen bei einem Freund“ bezeichnet hatte. Seit November ist Paul Janßen (53) neuer Leiter des Pfarrverbandes Oberes Priental und Pfarrer in Aschau. Der gebürtige Bad Tölzer beerbte Johannes Palus, der sich nach Rom verabschiedet hatte. Wie er im Pfarrverband aufgenommen worden ist und was für ihn den Reiz der Seelsorge ausmacht, hat Janßen im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen verraten.
Sie haben jetzt vier Jahre den Pfarrverband Trostberg geführt, den Sie mit aufgebaut haben. Wie schwer war es, nach dieser Pionierarbeit Abschied zu nehmen?
Jeden neuen Lebensabschnitt oder jeden Stellenwechsel habe ich bisher von zwei unterschiedlichen Seiten her erlebt: Zum einen ist da der Reiz, sich auf Neues einzulassen, zum anderen der Abschied, der immer auch ein Stück Verlust von Vertrautem ist. In den letzten Tagen als Pfarrer im Pfarrverband Trostberg habe ich vor allem beim Blick in das Gesicht von Menschen, zu denen eine besondere Verbindung gewachsen ist oder mit denen ich zusammenarbeiten durfte, gespürt, wie schmerzhaft der Abschied auch ist.
Welche Erfahrungen aus dieser Zeit sind hilfreich, um im Pfarrverband Oberes Priental schnell Fuß zu fassen?
Im Grunde ist jede Erfahrung, die ich als Teil meines Lebensweges annehme, hilfreich für das Kommende. Die Erfahrung von dem, was gut gelungen ist, gibt Ansporn, dieser Spur zu folgen; Zum Beispiel wenn wir im Seelsorgeteam oder verschiedenen Gruppen wie dem Pfarrgemeinderat nicht nur geplant und organisiert haben, sondern auch voneinander von dem erzählt haben, was uns persönlich beschäftigt und begegnet ist, wie der Glaube uns trägt oder welche Sorgen und Hoffnungen uns erfüllen. Hilfreich sind aber auch Erfahrungen von dem, was nicht gelungen ist – wenn ich bereit bin, daraus zu lernen und zu reifen. Um gut Fuß zu fassen ist aber sicher eines besonders hilfreich: Sich auf die verschiedenen Begegnungen offen und gut einzulassen, gemäß eines Spruchs von Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.
Welche Themen sind aus Ihrer Sicht die Wichtigsten Ihrer seelsorgerischen Arbeit?
Die wichtigsten Themen ergeben sich aus dem konkreten Leben – und das sind unendlich viele, was auch den Reiz der Seelsorge ausmacht. Deshalb möchte ich als Antwort auf diese Frage jetzt nicht ein paar Themen aufzählen, sondern eine Grundhaltung benennen. Eine Lebenseinstellung, die aus einer dreifachen Verbundenheit besteht und für alle Seelsorgsaufgaben wichtig ist: Erstens ist es eine lebendige Verbundenheit mit Gott, die im gemeinsamen Gebet ebenso vertieft wird wie in persönlichen Zeiten des Rückzugs und der Stille. Zweitens ist es die Verbundenheit mit den Mitmenschen, die Aufmerksamkeit für das, was Gott in jeden Menschen hineingelegt hat, sowie die Pflege von tragfähiger Gemeinschaft. Drittens ist es die Verbundenheit mit der Schöpfung, die sich in unserer Region ja besonders intensiv und schön präsentiert. Aber auch das Verständnis vom Menschen als Teil der Schöpfung, als Geschöpf, wunderbar, kreativ und doch endlich, begrenzt.
Wichtig scheint mir, dass alle Bereiche der Seelsorge von dieser dreifachen Verbundenheit getragen sind, ob es im Religionsunterricht oder im Einzelgespräch ist, ob in der Teilnahme am öffentlichen Leben oder in der Verwaltung, ob im sozialen Dienst oder in der Feier der Sakramente. Dann wird auch Leben und Glauben zusammenkommen, und zwar für jung und alt, in der heutigen Zeit, wie sie ist.
Wie sind die ersten Eindrücke von ihrem Pfarrverband, der Pfarrgemeinde Aschau und ihrem neuen Lebensmittelpunkt, der Gemeinde Aschau? Wie sind Sie empfangen worden?
Von Anfang an fühle ich mich sehr freundlich, offen und gut aufgenommen, was mir den Start sehr erleichtert hat. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der Pfarrverband von meinem Vorgänger, den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut aufgestellt und geordnet ist. Ich bin sehr gerne da und fühle mich wohl.
Ihr Vorgänger hat unter anderem mit seinem Hund Wichtel für Schlagzeilen gesorgt. Haben Sie ein Haustier mitgebracht?
Nein, Haustier habe ich keines mitgebracht – außer vielleicht meinen eigenen Vogel (lacht). Die letzten zwölf Jahre habe ich ein paar Schafe gehalten, die ich aber nicht nach Aschau mitgenommen habe.
Wie würden Sie sich in puncto Amtsführung eher beschreiben? Als liberal oder konservativ?
Die Zuweisung in eines der Lager liegt mir nicht besonders. Wahrscheinlich habe ich von beidem Anteile in der Art und Weise, wie ich als Pfarrer lebe und wirke. Aber da kann sich jeder selbst nach einiger Zeit ein Bild davon machen.
Wie würde folgender Satz bei Ihnen weitergehen: Im Vergleich zu Benedikt XIV. ist Papst Franziskus…..
…mehr der spontane Seelsorger.
Interview: Mathias Weinzierl