Rohrdorf – Sabine Wenng von der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (AfA) stellte dem Gemeinderat die Ergebnisse vor, auf deren Grundlage das Institut mit Sitz in München nun Maßnahmenvorschläge ausarbeitet. Parallel dazu werden Fördermittel beim Bayerischen Sozialministerium beantragt, das Quartierskonzepte mit einer Anschubfinanzierung von bis zu 80000 Euro für vier Jahre bezuschusst. Auf diese Weise unterstützt der Freistaat die Gestaltung von sozialen Nahräumen, damit ältere und auch hilfsbedürftige Menschen in ihrem vertrauten Wohnumfeld verbleiben können.
Insgesamt 1148 Rohrdorfer konnten sich im Rahmen der anonymen Umfrage schriftlich zu ihren Wohnwünschen, zur altersgerechten Ausgestaltung des öffentlichen Raums, zum Thema Pflege und Unterstützung, zu ehrenamtlichen Hilfen und zum Miteinander im Ort sowie zum Thema Asylbewerber und Flüchtlinge äußern. Bei der Auswertung wurden letztlich 295 Fragebögen – dies entspricht einer Rücklaufquote von 25,7 Prozent – berücksichtigt. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 76,2 Jahren.
Wie Wenng in ihrer Präsentation ausführte, kommt für zwei Drittel der Teilnehmer keine andere als ihre aktuelle Wohnsituation in Frage. Lediglich ein Drittel kann sich vorstellen (später) umzuziehen; bei Bedarf in ein Alten- oder Pflegeheim, oder aber in eine barrierefreie Wohnung – vorzugsweise zur Miete – im Ort, möglichst in zentraler Lage. Dort stehen außerdem spezifische Dienstleistungen, nachbarschaftliche Hilfe, gemeinsame Aktivitäten, ein Ansprechpartner vor Ort sowie ein Mix der Generationen auf der Wunschliste.
Was die Ausgestaltung des öffentlichen Raums betrifft, wurden insbesondere fehlende öffentliche Toiletten, fehlende Ruhemöglichkeiten wie beispielsweise Parkbänke sowie fehlende Fußgängerüberwege benannt. Ein weiterer Kritikpunkt waren nicht abgesenkte Bordsteine.
Ebenso wurde deutlich, dass im Bereich Pflege und Betreuung die Familie eine wichtige Rolle spielt; auch das Sozialwerk ist vielen bekannt. 44 Befragte gaben an, regelmäßig und intensiv in die Pflege und Betreuung eingebunden zu sein, was zwei Drittel als Belastung empfinden. Als Erleichterung werden hier Tagespflegeangebote, Unterstützung zu Hause und ein fester Ansprechpartner für Fragen rund um die Pflege gewünscht.
Auf weniger Interesse stößt bei den Befragten ehrenamtliches Engagement für ältere, hilfsbedürftige Menschen oder für Kinder am Ort. Mehr als drei Viertel fehlt hierfür die Zeit beziehungsweise das Interesse.
Im Mittelfeld rangiert das Miteinander im Ort, für das Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) vergeben werden konnten: Hier schnitt die Dorfgemeinschaft mit einer Durchschnittsnote von 2,87 ab, das Miteinander der Generationen etwas besser mit 2,75. Die Note 3,09 erhielt das Miteinander von Einheimischen und Zugezogenen, und mit 3,94 wurde die Gemeinschaft von Ortsansässigen und Asylbewerbern bewertet.
Zu einer Stärkung der Dorfgemeinschaft könnten nach Auffassung der Befragten neben gemeinsamen Veranstaltungen wie Straßenfesten auch das Schaffen und Stärken von Treffpunkten (Dorfhaus, Gasthaus, Dorfladen) sowie die Bereitschaft, mehr aufeinander zuzugehen, beitragen.
Auch bei der Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen gibt es offenkundig Potenzial. So gaben lediglich 23 Befragte an, einen Geflüchteten mit Namen zu kennen, 66 bekundeten Interesse, Geflüchtete kennenzulernen, und 38 wären bereit, diese beispielsweise mit Unterricht, Besuchen und Fahrdiensten zu unterstützen.
Wie berichtet, hatte die CSU-Fraktion im vorigen Jahr die Entwicklung eines Quartierskonzepts mit besonderem Augenmerk auf ältere und sozial schwache Bürger angestoßen. Die Fragebogenaktion erachtet Rohrdorfs Bürgermeister Christian Praxl dabei als wertvolle Informationsquelle: „Es wurden so viele kleine aber wichtige Punkte angesprochen.“