Theaterprojekt stärkt Zivilcourage der Schüler

Interaktiv gegen die Gewaltspirale

von Redaktion

Spielerisch gegen Mobbing und Gewalt – das ist das Ziel des Theaterstücks „Herzdame – Schwarzer Peter – Full House“, das derzeit an Schulen im Landkreis Station macht. Die Schüler sollen dabei das richtige Verhalten im Ernstfall, aber auch Zivilcourage lernen.

Raubling – Mobbing – das Schikanieren und Attackieren von Mitmenschen – hat in der Schule und im Internet in den vergangenen Jahren immens zugenommen. Mobbing-Opfer werden durch feindselige Angriffe, die von eiskalter Ablehnung über Getuschel hinter dem Rücken bis zum Anschwärzen, sexueller Belästigung oder Erpressen reichen können in eine unterlegene Position gedrängt.

Die Schule ist ein Ort, an dem Mobbing und Gewalt keinen Platz haben dürfen. Potenziellen Aggressionen präventiv zu begegnen, ist deshalb ein Gebot der Vernunft. Das hat die Sparkassenstiftung „Zukunft für den Landkreis Rosenheim“ erkannt und fördert das interaktive Theaterprojekt „Herzdame – Schwarzer Peter – Full House“ zur Gewaltprävention an Mittel- und Realschulen.

In Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt werden bis Ende 2018 zwölf Theateraufführungen der Theatergruppe „Die Trampelmuse“ in Schulen des Landkreises Rosenheim stattfinden. Schulrätin Veronika Käferle und Josef Steidl, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftung „Zukunft für den Landkreis Rosenheim“, eröffneten den Zyklus jetzt in der Michael-Ende-Schule in Raubling mit Schülern der fünften und sechsten Klasse.

Anja und Tomi sind die Hauptfiguren in den Aufführungen. Das Stück zeigt die Gewalt und das Mobbing zwischen Jugendlichen, wie diese normalerweise entsteht, wie es in einer Gewaltspirale eskaliert und auch wie Dritte dabeistehen und nichts unternehmen. Und doch ist in diesem Theater vieles anders.

Das Umfeld von Anja und Tomi besteht aus Freunden, Mitläufern, einer schweigenden Mehrheit und Eltern. Um zu lernen, wie man sich in solchen Situationen als Betroffener oder Außenstehender richtig verhält, werden die Schüler aufgefordert, aktiv in das Geschehen einzugreifen. Sie verlassen die Zuschauerrolle und gestalten die Situationen mit. Von der Erkenntnis „Das finde ich echt nicht gut“ bis zum Eingreifen werden die Schüler an die mutigen Schritte der Zivilcourage herangeführt.

„Es war uns wichtig aufzuzeigen, wie Gewalt ihren Anfang nimmt und dass Mädchen ebenso Täterinnen sein können, wie Jungen Opfer und umgekehrt“, erklärte Christl Feiler vom Theater Trampelmuse. „Es geht um die inneren Bilder. Wir haben die feinen Fäden der Gewalt herausgearbeitet.“

Dabei werden beide Seiten und Gefühle auf der Bühne dargestellt: Sowohl die Identifikation mit dem Stärkeren als auch die Seite der Schwächeren. Spielerisch tauchen die Kinder in die Szenen ein und lernen das richtige Verhalten im Ernstfall.

Authentisch spielen Christl Feiler, Gabi Graf und Stefan Stefinsky zusammen in wechselnden Rollen Täter, Opfer, Mitläufer und Augenverschließer. „Letztendlich müssen wir alle lernen, den Mut zur Zivilcourage zu finden“, sagt Stefan Stefinsky. In einer Nacharbeit vertiefen die Kinder und Jugendlichen in ihrer Klasse unterschiedliche Schwerpunktthemen aus der Aufführung.

Die „mobile Bühne“ der Theatergruppe „Die Trampelmuse“ arbeitet seit 25 Jahren mit Theaterstücken zur Prävention. Das Thema Mobbing ist derzeit aufgrund der vielen Fälle hochaktuell. Zunächst ist Mobbing auch dadurch wirksam, dass die Opfer das „Problem“ erst einmal bei sich selbst suchen und dies oft über längere Zeit.

Nur selten informiert ein Schüler den Lehrer oder die Eltern darüber, was tagtäglich passiert. Die Folgen wirken sich auf die Persönlichkeit aus: Zum Verlust des Selbstvertrauens können Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme kommen. Durch die wahrgenommene Isolierung und Einsamkeit entwickeln sich depressive Tendenzen. Die Lernmotivation nimmt ab bis zu Lernunlust und Schulvermeidung. Effekte, die mit dem Theaterstück bereits im Keim erstickt werden sollen.

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