Kiefersfelden – Die zwei Frauen um die 30 und 20 waren gegen 18 Uhr in den Lift gestiegen und planten, die eine Etage nach oben zu fahren. Eine der beiden Frauen hatte einen Koffer dabei, den sie nicht hochschleppen wollte. „Ich kam gerade von einer Reise aus London, war todmüde und hatte mein Gepäck dabei. Deshalb stieg ich in den Aufzug, um dieses eine Stockwerk nach oben zu fahren. Doch kurz vor dem Ziel knirschte es plötzlich – und dann ging nichts mehr.
Die Vorahnung bewahrheitete sich. Der Lift hing schief und rührte sich nicht mehr. Auch das verzweifelte Drücken des Notrufknopfes brachte die beiden eher auf die Palme, als es sie beruhigte. „Mehrfach riefen wir mit unseren Handys die Rettungs-Nummer an. Wir erreichten auch jemanden, aber es hieß immer nur: Der Techniker kommt gleich.“
Doch wer das nach einer halben Stunde immer noch hört, ist erst verzweifelt, dann kommt der Grant. Glücklicherweise waren keine Kinder oder ältere Leute in dem Lift. Dadurch, dass der Lift fast oben war – nur rund zehn Zentimeter hätten zum Ausstieg gefehlt – war es hell. „Ich bin ein bisschen klaustrophobisch, da kommt im Dunkeln schnell Panik auf. Aber es ging.“ Allerdings wäre mit der Zeit eine Toilette nicht schlecht gewesen.
Problematisch war, dass die Notrufnummer der Hotline nicht wie eigentlich vorgeschrieben Kontakt zu den zwei Eingeschlossenen hielt. „Von dieser Seite kam gar nichts. Wenn wir nicht immer wieder nachgefragt hätten, hätten wir keinerlei Infos bekommen“, berichtet eine der beiden Kiefersfeldenerinnen.
Dann war es soweit. Ein Techniker der zuständigen Firma war aus Traunstein gekommen und krabbelte im Schacht herum. Dass er immer wieder fluchte, war für die beiden im Aufzug kein Trost, eher das Gegenteil. Nachdem der Mann schließlich rund eine Viertelstunde herumgearbeitet hatte, konnte er den Aufzug nach unten ablassen und die zwei stiegen halbwegs bequem aus.
Eine Pressesprecherin der Deutschen Bahn AG bedauerte ausdrücklich diesen Vorfall. Die beiden Frauen hätten alles richtig gemacht: Notruf gedrückt, wie es im Aufzug steht, und Ruhe bewahrt. Dass es so lange gedauert habe, bis die beiden Frauen aus ihrer misslichen Lage befreit werden konnten, dafür entschuldigte sie sich im Namen der Bahn.
Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitung erklärte sie, dass die Störanfälligkeit dieses Lifts bekannt gewesen sei. „Deshalb wurden vor Kurzem Hydraulik in Stand gesetzt und Türkomponenten erneuert.“ Dennoch stehe der Lift auf der To-do-Liste der Bahn. Er soll komplett gegen einen Neuen ausgetauscht werden.
Sollte wider Erwarten dieser Lift abermals Probleme bereiten, gibt sie den Tipp, nach einer angemessenen Wartezeit die Feuerwehr in Kiefersfelden zu rufen. Für Notfälle sei diese informiert und auch ansprechbar.
Feuerwehr als
letzte Rettung
Das bestätigte der Erste Kommandant der freiwilligen Feuerwehr in Kiefersfelden, Joachim Buchmann. Er habe einen Schlüssel, um in den Betriebsraum der Liftanlage zu gelangen. Auch technisch seien seine Leute fit und könnten den Aufzug handhaben. Aber auch er weiß, dass dieser jüngste Vorfall nicht der erste war. Einmal habe die Feuerwehr zwei Kinder aus dem Lift geholt, ein anderes mal einen Rollstuhlfahrer. Grundsätzlich sei die Feuerwehr Ansprechpartner, wenn „Gefahr im Verzug“ ist. Allerdings sollte die Wehr nicht gerufen werden, wenn es „gefühlt“ zu langsam vorangehe. Das vorgeschriebene Prozedere sei auf alle Fälle einzuhalten.