Gutachten im Gemeinderat Söchtenau vorgestellt

Die Gemeinde arbeitet an sich

von Redaktion

„Wie kann unsere Verwaltung künftig noch effektiver arbeiten?“ Diese Frage untersuchte eine Firma aus Wuppertal im Auftrag der Gemeinde Söchtenau. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde das durchaus positive Ergebnis vorgestellt. Die Verbesserungsvorschläge sollen zügig umgesetzt werden, so die Gemeinderatsmitglieder.

Söchtenau – Im Frühjahr 2017 wurde die Firma Coramentum aus Wuppertal damit beauftragt, eine Organisationsuntersuchung der Kernverwaltung sowie des Bauhofs Söchtenaus durchzuführen. Ziel der Untersuchung war es, gemeinsam mit der Gemeinde die Organisationsstruktur weiterzuentwickeln sowie Handlungsfelder aufzuzeigen, in denen die internen Abläufe verbessert werden können.

Grundsätzlich wird der Gemeindeverwaltung, ebenso wie dem Bauhof, ein weitgehend gutes Zeugnis ausgestellt. Insgesamt gibt es in dem rund 260 Seiten umfassenden Gutachten 86 Empfehlungen, die die Organisationsberater vor allem zu den internen Arbeitsabläufen geben. Hierzu zählen unter anderem Verbesserungen bei der Schriftgut- und digitalen Datenverwaltung und eine Durchstrukturierung der Registratur. Überdies sollten verwaltungsinterne Prozesse stärker standardisiert und Vorlagen oder Checklisten erstellt werden, schlägt die Firma vor.

Ein weiterer Schwerpunkt der Überprüfung lag auf der EDV-Ausstattung und deren künftiger Erweiterung – ein Dokumentenmanagementsystem wurde in diesem Zusammenhang vorgeschlagen.

Eine direkte Außenwirkung würde in diesem Themenkomplex vor allem die Einführung von EC-Cash Geräten sowie von Signatur Tablets im Einwohnermeldeamt haben, glauben die Verantwortlichen. Durch diese Maßnahmen ließen sich nach Ansicht der Gutachter die derzeit noch sehr „papierlastigen“ Abläufe deutlich straffen.

Konkret wurde auch auf einen Überarbeitungsbedarf der Homepage hingewiesen. Diese sollte nach Ansicht der Gutachter als Aushängeschild der Gemeinde zeitgemäßer gestaltet und um zusätzliche, sogenannte E-Governmentfunktionen erweitert werden.

Etwas mehr Personal wird gebraucht

E-Government umfasst insbesondere die Funktionen Information, Kommunikation und Transaktion, so eine klassische Dreiteilung, die gleichzeitig die zunehmende Intensität der Nutzung wiedergibt. Für den Bürger sei es hilfreich, wenn der Zugang persönlich, per Telefon und per Internet möglich sei und er über alle drei Wege die Dienstleistungen in Anspruch nehmen könne.

Aufbauorganisatorische Maßnahmen wurden der Gemeinde in einer grundsätzlichen Neustrukturierung mit einem dreizügigen Verwaltungsaufbau empfohlen. Insgesamt benötige die Verwaltung zur Bewältigung der anfallenden Aufgaben rund eine Stelle zusätzlich, so die Gutachter.

Auch der Bauhof leiste grundsätzlich gute Arbeit, allerdings reiche hier ebenfalls die derzeitige personelle Ausstattung nicht aus, um sämtlichen gesetzlichen Pflichtaufgaben im erforderlichen Umfang gerecht zu werden. Insbesondere die Dokumentationspflichten im Verkehrssicherungsbereich könnten personelle Verstärkung gebrauchen. Hierzu empfehlen die Gutachter ebenfalls eine Personalaufstockung um eine Stelle.

Vorschläge sukzessive

abarbeiten

Die Vorschläge der Gutachter sollen laut Söchtenaus Bürgermeister Sebastian Forstner in den kommenden Wochen und Monaten sukzessive abgearbeitet werden. Dankbar zeigte er sich für die Geduld der Mitarbeiter, „die den zusätzlichen Aufwand, den ein solches Projekt mit sich bringt, in den vergangenen Wochen und Monaten bewältigt haben.“

Er glaube, so Forstner, dass die Verwaltung nun gemeinsam die bestmöglichen Voraussetzungen geschaffen habe, die Gemeinde zukunftssicher aufzustellen“. ni

Drei Fragen an...

Sebastian Forstner, Bürgermeister von Söchtenau

Waren Sie überrascht von dem Untersuchungsergebnis?

Die Überraschung war eigentlich nicht groß. Anhand veröffentlichter Daten anderer Gemeinden kann man ja Vergleiche ziehen. Aufgaben und Verantwortlichkeiten haben sich geändert und mehrere Personaländerungen stehen aufgrund Eintritt in den Ruhestand an. Da aber immer die Gefahr besteht die eigene Verwaltung subjektiv zu betrachten wollten wir eine schonungslose objektive Betrachtung von unbeteiligten Dritten. Das Ergebnis soll in unsere Überlegungen für eine Neuausrichtung der Verwaltung einfließen. Derzeit sind zu viele Aufgabe auf eine Person, Geschäftsstellenleiter, konzentriert. Sein Ausfall wäre für die Verwaltung dramatisch.

Der Personalmehrbedarf im Bauhof hat mich schon überrascht, diesen hatte ich so nicht erwartet. Die Ausstattung und Arbeit wurde durchwegs für gut befunden. Insbesondere die Nachweisführung für durchgeführte Kontrollen und die Kontrollen von Spielplätzen, Straßen, Bäumen usw. stellen einen erheblichen Mehraufwand an Verwaltungstätigkeit im Bauhofbereich dar, der durch eine neue Kraft abgedeckt werden soll. Dies wird aber notwendig sein, um die gesetzlich geforderten Sicherheitsstandards einhalten zu können.

Was wird sich für den Bürger ändern? Gibt es Verbesserungen?

Der Bürger wird von diesen Änderungen wenig bis nichts mitbekommen. Wir haben bereits jetzt überdurchschnittlich viele Öffnungszeiten in der Verwaltung. Zudem können diese Änderungen nur über einen mehrjähren Zeitraum umgesetzt werden. Ob dies noch alles in meiner Amtszeit geschieht wage ich zu bezweifeln.

Verbesserungen für den Bürger sind sehr wohl damit verbunden. Unter anderem werden Formulare über Internet abrufbar sein, Bebauungspläne und deren Änderungen im Internet einsehbar sein sowie der Flächennutzungsplan. Es wird also nicht immer der Gang zur Gemeinde notwendig sein, sondern viel von zu Hause aus erledigt werden können.

Auf welche Neuerung freuen Sie sich am meisten?

Vorausgesetzt der Gemeinderat stimmt diesen Änderungen, insbesondere dem kostenträchtigem Personalaufbau zu, wird hoffentlich wieder mehr Zeit sein sich umfassender mit einzelnen Angelegenheiten zu befassen. Dadurch entsteht auch wieder mehr Gestaltungsspielraum, Stichwort agieren statt reagieren.Interview Petra Maier

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