Amerang – Kastanien sind Multi-Talente. Man kann mit ihnen Schleudern basteln, sie mit lustigen Gesichtern bemalen und auf Buntstifte stecken oder Seife daraus machen. Beim kurzweiligen Workshop im Bauernhausmuseum lernten die Buben und Mädchen durch Sieglinde Schuster-Hiebl die ganze Vielfalt der grünen Stachelkugeln mit dem braunem Kern kennen.
Severin, Vitus, Elias, Carla, Lia, Eva, Pia, Fina und Amelie waren mit Feuereifer bei der Sache. Da erinnerten sich selbst anwesende Mütter an ihre Kindheit: Wie war das damals mit den Kastanienschleudern, die um die Wette weit geschleudert wurden? Es geht ganz leicht: Man bohre ein großes Loch in die Kastanie, fädele eine Schnur durch und verknote die Schnur – fertig ist die Schleuder.
Sieglinde Schuster-Hiebl wusste noch mehr zu erzählen. „Kastanien enthalten Saponine. Deshalb kann man auch Seife draus machen“ und nutzte die Früchte zum Wäsche waschen. Auf diese Weise konnte jedes Kind sein kleines Seifenstück herstellen.
Das Ferienprogramm und der spielerische Nachmittag mit märchenhaften Kindergeschichten waren das Finale einer erfolgreichen Saison im Bauernhausmuseum Amerang. Jetzt ist das Museum geschlossen, nur für den traditionellen Adventsmarkt am Wochenende, 2./3. Dezember, öffnet es noch einmal die Tore für die Besucher. „Wir sind mit der Saison sehr zufrieden“, so die örtliche Leiterin des Bauernhausmuseums, Dr.Claudia Richartz.
Ausstellung über
die Fischerei
Allein über 20 Veranstaltungen und Workshops nur für Kinder zeigen, dass Museumspädagogik groß geschrieben wird. So gut wie alle Programme waren ausgebucht – vom Schreinern über Kräuterlimos und Kasperletheater war alles geboten. Dazu kommen traditionelle Veranstaltungen für die ganze Familie wie der Handwerkertag, Kirchweih mit dem gemeinsamen Singen, der Mühlentag oder Volksmusik-Veranstaltungen. Auch Erwachsene bekamen viel Kultur geboten. „Unsere szenischen Lesungen haben schon ihre eigene Fangemeinde, und das Open-Air-Kino hat sich fest etabliert.“
Geprägt war das Jahr 2017 vom Sommerfest: Das Bauernhausmuseum feierte seinen 40. Geburtstag, auch mit dem „Genussmarkt Chiemgau“. Viele regionale Anbieter boten regionale Produkte an. Eine Sonderausstellung widmete das Bauernhausmuseum der Fischerei in Oberbayerns Seen. Die Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern stellte sich bei einem Aktionstag vor, dazu gab es eine Fotoausstellung über die Fischer an den oberbayerischen Seen.
„Wir werfen einen Blick auf die Kompetenzen der Menschen in der Region und dies im Wandel der Zeiten. Das ist es, was unser Museum auszeichnet“, betont Dr. Monika Kania-Schütz, Direktorin der oberbayerischen Freilichtmuseen Glentleiten und Amerang. Die Ausstellung offenbarte auch den Wermutstropfen in der Jahresbilanz: Das Bauernhausmuseum hat keine Räumlichkeiten für Sonderausstellungen. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht, Hoffnungen ruhen hier auf dem Bezirk Oberbayern.
Größte Herausforderung ist die laufende Sanierung der historischen Häuser. Der Bartlhof ist bereits fertig, das Wagnerhäusl soll 2018 wieder eröffnet werden und im Mittermayerhof starten die Arbeiten über den Winter. „Diese Sanierungen sind einzigartig und sehr aufwendig“, so Claudia Richartz. Jetzt freuen sich die Freunde des Bauernhausmuseums Amerang auf den traditionellen Adventsmarkt. Dabei gibt es so viele Aussteller wie noch nie. re