Stiftungsprojekt „Musik für Schüler“ kommt gut an

Lernen von und mit den Profis

von Redaktion

Musikhören ist laut einer aktuellen Studie die liebste Freizeitbeschäftigung der Zwölf- bis 25-Jährigen. Doch merkwürdigerweise gehört Musik in der Schule nicht zu den Lieblingsfächern. Das will das Stiftungsprojekt „Musik für Schüler“ ändern – beispielsweise in Schulen in Neubeuern und Raubling.

Neubeuern/Raubling – Ziel von „Musik für Schüler“, das auf die Initiative des Stifters Erich Fischer zurückgeht und seit 1995 schon viele Mittelschüler im Freistaat zum Musizieren gebracht hat, ist es, Kindern und Ju-gendlichen klassische Musik näherzubringen, sie zu begeistern und sie nachhaltig zum eigenen Musizieren anzuregen. „Im Vordergrund stehen dabei Freude und Begeisterung für die Musik“, bringt es Erich Fischer auf den Punkt. „Die positiven Nebeneffekte stellen sich dann von selbst ein: Wer ein Instrument lernt und im Schulchor singt, schult Gründlichkeit, Genauigkeit, Konzentration, Umsicht und Fleiß. Gemeinsames Musizieren stärkt Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen.“

Das Projekt gliedert sich dabei in drei Module. Im Modul eins finden drei Konzerte von Profimusikern in der teilnehmenden Schule statt. Hier werden den Schülern bis zu sieben Instrumente vorgestellt. Danach können sie sich für einen kostenlosen Schnupperunterricht in kleinen Gruppen für das Instrument ihrer Wahl oder Gesangsunterricht entscheiden.

Im Modul zwei werden die Schüler einmal in der Woche nach dem Unterricht in kleinen Gruppen am Instrument von externen Musiklehrern unterrichtet. Im Modul drei werden Profimusiker gemeinsam mit den Schülern im Rahmen einer festlichen Abendveranstaltung ihr Können unter Beweis stellen.

Über 1200 solcher Konzerte für über 90000 Schüler hat die Stiftung seit 2009 veranstaltet. Knapp ein Viertel der jugendlichen Zuhörer haben sich anschließend für den Unterricht an einem Instrument entschieden. Aufgrund des Erfolges wurde die Initiative erweitert.

Finanzierung mithilfe von Sponsoren

Heute werden in elf bayerischen „Musikzentren“ interessierte Jugendliche nachhaltig musikpädagogisch gefördert. Dazu gehören unter anderem seit dem Schuljahr 2015/2016 die Hohenau-Schule Neubeuern und die Michael-Ende-Schule Raubling. Das Engagement der Schulleitung und Lehrer sowie die Resonanz der Schüler auf das Angebot war nach Angaben der Stiftung für die Auswahl dieser Einrichtungen entscheidend. Finanziert wird das Projekt größtenteils aus Mitteln der Stiftung und von Partnern, wie beispielsweise dem Bayerischen Kultusministerium, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der Ursula-und-Walter-Schatt-Stiftung.

Jana aus der achten Klasse begeistert sich zum Beispiel für ihren Gitarrenunterricht. Leo Schenk von der Musikgemeinschaft Neubeuern unterrichtet dieses Instrument innerhalb des Projektes seit Beginn und Jana bereits im zweiten Jahr. „Mit meinen fünf Geschwistern habe ich zu Hause immer mein persönliches Publikum“, sagt Jana.

Sirina aus der 5b ist durch das „Schnuppern“ zum Chor gekommen. Das Singen in der Gruppe macht ihr so viel Spaß, dass sie sich vorstellen kann, nach der Schulausbildung die Gesangslaufbahn einzuschlagen. Begleitet werden die jungen Sängerinnen – die Jungen sind in der Minderzahl – von Julia Jacobs, die Gesangsleiterin beim Tölzer Knabenchor ist, und Lehrerin Martina Kreidl. „Die meisten unserer Schüler sind noch nie mit klassischer Musik in Berührung gekommen. Es ist eine Freude, die Begeisterung und die Fortschritte zu erleben.“

Eleonore Ackermann von der Musikgemeinschaft Neubeuern unterrichtet derzeit Raphael aus der sechsten Klasse am Klavier. Die zwei anderen Klavierschüler sind heute krank, deshalb hat er das Privileg, richtig Privatunterricht zu genießen. „Musik macht schon etwas mehr Spaß als Mathe“, ist der Bub überzeugt.

Das Projekt „Musik für Schüler“ ist in den beiden Schulen ein voller Erfolg. Der Schulleiter der Micha-el-Ende-Schule freut sich, dass im laufenden Schuljahr zusätzliche Instrumente nach dem Schnuppern Interesse gefunden haben. „Die Vielfalt können wir aber nur durch die Unterstützung der Sponsoren gewährleisten“, so Markus Beham. Die Anschaffung einer Klarinette verdankt die Schule der Ursula-und-Walter-Schatt-Stiftung. „Ausgestattet mit zwei zusätzlichen Gitarren können wir auch Kindern aus einkommensschwächeren Haushalten das Üben zu Hause ermöglichen“, erklärt der Schulleiter.

Schulklima wird verbessert

Die Stiftung und ihre Partner wünschen sich, dass die Initiative bei regionalen Firmen und Sponsoren noch mehr Interesse weckt. Denn nur so können die Musikzentren dauerhaft bestehen. Wie wichtig Musik für den Einzelnen und für die Schulen ist, betont auch die Kultusministerkonferenz (KMK): „Der praktische Umgang mit Musik entwickelt Wahrnehmungs- und Empfindungsfä-higkeit, fördert Kreativität und Erlebnistiefe sowie Genuss- und Gestaltungsfähigkeit, Fantasie und Toleranz“, heißt es in einer Leitlinie. Außerdem bereicherten Auftritte von Musikgruppen schulische Veranstaltungen und verbesserten so das Schulklima. Was ganz im Sinne der Schulen in Raubling und Neubeuern sein dürfte.

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