Aschau – Es sah alles danach aus, als sollte die Bürgerversammlung in Aschau ganz harmonisch enden. Bürgermeister Peter Solnar präsentierte zwei Stunden lang die Zahlen und Fakten zum Geschehen des vergangenen Jahres und ging mit einigen wenigen Worten auch auf die geplante Sporthalle (Vespa) ein. Doch die beiden letzten Wortmeldungen von Hans Bauer und Franz Kratzer werden Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung noch lange beschäftigen.
Während Hans Bauer zunächst nur wissen wollte, wie hoch die vorhandenen Eigenmittel der Gemeinde für den Turnhallenbau seien, warf Franz Kratzer dem Gemeindeoberhaupt vor, er sei ein bisschen flott über den Themenkomplex Sporthalle hinweggegangen, „mit dem er die Gemeinde Aschau finanziell an die Wand fahre“. Der Bürgermeister, der Gemeinderat und die Verwaltung haben nach seiner Ansicht ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht.
Er forderte den Gemeinderat auf, einen Bürgerentscheid einzuleiten. „Es kann nicht sein, das 13 Personen über die finanzielle Zukunft und die künftige Solvenz der Gemeinde entscheiden.“ Schließlich handle es sich bei der geplanten Sporthalle „um kein großartiges Bauwerk, das Aschau verdient habe, sondern um ein Millionengrab, das Aschau ruinieren werde“.
Die Finanzierung des Vorhabens sei bis heute nicht offen gelegt, bisher wisse niemand so genau, wie die Gemeinde die Last von 7,2 Millionen Euro schultern wolle, echauffierte sich Kratzer. Dabei sei die Summe von 7,2 Millionen Euro nur eine erste Zahl ohne konkrete Untermauerungen. Planungen und Baumaßnahmen der öffentlichen Hand hätten aber in der Vergangenheit stets gezeigt, dass die angesetzten Summen für Neubauten aller Art in der Regel nicht einmal Richtwerte darstellten, sondern stets massiv überschritten würden.
Der Schuldenstand der Gemeinde Aschau wachse laut Kratzer damit für die kommende Generation auf das Dreifache des aktuellen Schuldenstands an. Schon in den vergangenen beiden Jahren sei es der Gemeinde nur durch massive Grundstücksverkäufe möglich gewesen, ihren Schuldenstand zu drücken. „Diese Möglichkeit steht künftig aber nicht mehr zur Verfügung, da es nichts mehr zu versilbern gibt“, ist sich Kratzer sicher. Er könne sich nicht vorstellen, dass der als „äußerst verantwortungsbewusst“ bekannte Kämmerer der Gemeinde dem Bürgermeister und dem Gemeinderat hier „einen Blankofahrschein erteilt“ habe.
Schwere Fehler vorgeworfen
Bei der bisherigen Planung habe die Gemeinde schwere Fehler gemacht, behauptete Franz Kratzer, der nach eigenen Angaben selbst lange Jahre in leitender Position in einer Gemeindeverwaltung tätig war, in seiner ausführlichen Stellungnahme. Anstatt zunächst eine Machbarkeitsstudie für das gesamte Vorhaben zu erstellen, wie es üblich sei, habe Bürgermeister Peter Solnar den ihm aus seiner letzten Tätigkeit in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham bekannten Architekten Wolf beauftragt, einen Plan nach dem Muster der dort gebauten Halle zu erstellen. Inzwischen sei die Erstplanung komplett entsorgt, zudem weitere Planungen ständigen Änderungen unterworfen gewesen.
Doch nicht nur mit den politisch Verantwortlichen, auch mit der Architektin ging Kratzer hart ins Gericht: „Die letzten hilflosen Einsparungsempfehlungen der Architektin Ursula Schmid lassen an der Kompetenz des Büros zweifeln“, nahm er kein Blatt vor den Mund. Wie könne ein verantwortungsvolles Büro im Ernst empfehlen, einen im Baukörper fest eingeplanten Bauteil wie die Sauna im Rohbauzustand zu belassen? Wer solle diesen Rohbau bei einem laufenden Betrieb der Sporthalle dann zu welchem Zeitpunkt vollenden? Einen privaten Investor werde man für einen nachträglichen Einbau nicht begeistern können.
Kratzer stellte den förmlichen Antrag, die Aschauer Bürger mit einem Bürgerentscheid endgültig entscheiden zu lassen. Nach der Gemeindeordnung muss dieser Antrag innerhalb von drei Monaten im Gemeinderat behandelt werden. So könnte das Gremium beispielsweise ein Ratsbegehren auf den Weg bringen.
Der große Beifall für den Redner und seinen Antrag zeigte den Verantwortlichen, dass die Stimmung in der Gemeinde Aschau nicht so eindeutig „Pro Sporthalle“ ist, wie es der Bürgermeister und die Gemeinderatsmehrheit von FWG und ABL oftmals in mehreren Stellungnahmen darstellten.