Neubürger sind begeistert von der Gemeinde

Von „Brannenburger Büffeln“ keine Spur

von Redaktion

Jedes Jahr richtet die Gemeinde Brannenburg für Neubürger einen Infoabend aus, an dem sie sich über das Leben in ihrer neuen Heimat informieren können. Das Angebot findet regen Zuspruch. Die ideale Gelegenheit, um die Neuen zu fragen, was sie nach Brannenburg gelockt hat.

Brannenburg – Es gibt Komplimente, die hört man gern, auch als Gemeinde. Vor allem solche, die unerwartet kommen. Dass die Umgebung Brannenburgs äußerst reizvoll ist – mit solchen Aussagen kann man rechnen bei einem Ort, der im Ausgang eines großen Alpentales liegt: Den Bergen zwar nah, aber doch noch so fern, dass sich Petersberg, Riesenkopf, Heuberg und Wendelstein in voller Größe und Schönheit bewundern lassen.

Auch die Feststellung, dass die Verkehrsanbindung hervorragend sei, kann man dank Bahnlinie und Autobahn erwarten. Selbst das Lob, dass der Ort trotz bester Infrastruktur bodenständig und wenig kommerziell sei, würden auch die Alteingesessenen unterschreiben. Aber Offenherzigkeit und Freundlichkeit als herausragende Eigenschaften?

Schließlich ist es unter Alteingesessenen durchaus nicht unüblich, sich gegenseitig scherzhaft als „Brannenburger Büffel“ zu titulieren. Wobei es dann egal ist, ob man aus dem Ortsteil Brannenburg oder aus Degerndorf kommt. Doch das Lob der Aufgeschlossenheit ist geradezu einstimmig von allen Neubürgern zu hören, unter anderem auch von Magdalena Teguh, die aus Indonesien hierher gezogen ist, einem Land, dem man gemeinhin besondere Freundlichkeit im alltäglichen Umgang zuschreibt.

Sie sagt, sie fühle sich sehr wohl in Brannenburg. Die Leute seien warmherzig, das einzige was etwas kühl sei, sei naturgemäß das Klima. Grundsätzlich wird diese Sicht von ihrem Mann, Ralph Granzow, voll und ganz bestätigt. Wenn der auch lächelnd einschränkt, dass er im Schwarzwald groß geworden sei, einer Gegend, von der aus gesehen alle anderen geradezu zwangsläufig als aufgeschlossen und locker gelten würden.

Doch in der Tat könnte es einen reellen Grund für das Gefühl geben, in einem Ort zu leben in dem man herzlich willkommen ist: Die meisten der Befragten wohnen im neuen Ortsteil Sägmühle – und dort gehört ein nachbarschaftliches Miteinander zum bewussten Konzept, das offenbar auch zu funktionieren scheint. Alle befragten Neubürger sagen übereinstimmend, dass man zwar noch nicht wissen könne, ob die Idee auch für den Ortsteil als Ganzes funktionieren werde, in ihrer jeweiligen Hausgemeinschaft klappe das Ideal eines Mit- statt eines Nebeneinanders aber hervorragend.

So sagt Hagen Thormann, der ebenfalls in Sägmühle wohnt: „Wenn man im unmittelbaren Umfeld tagtäglich freundlichen Umgang gewohnt ist, geht man ganz automatisch auch auf andere im Ort offen zu – und entsprechend Positives kommt zurück.“ Oder wie es Phillip Lederer formuliert, dem sein früherer Wohnort Rosenheim schon einen Tick zu unpersönlich und anonym war: „Hier im Ort ist ein Ratsch immer drin.“

Von daher scheint es so zu sein, dass das Wohngebiet Sägmühle ein wirklicher Gewinn für Brannenburg ist, was nicht notwendigerweise hätte so laufen müssen. Manchmal ist es ja so, dass ländliche Gemeinden, die hohen Zuzug verbuchen können, am Ende am eigenen Erfolg ersticken: Das, was den Reiz dieser Gemeinden ursprünglich ausmacht, ist ein gewisser dörflicher Charme, der in allererster Linie durch Kontakt und Gespräch geprägt wird. Wenn die Neuen daran nicht beteiligt sind, bleiben sie außen vor. Und das Ortsleben bekommt zunächst eine Unwucht und bleibt im schlechtesten Fall zumindest in Teilen einfach stehen.

Insofern ist auch die Idee der Gemeinde, sich einmal im Jahr den Neubürgern vorzustellen, eigentlich jeden Aufwand wert: Sie gibt den Neubürgern von Anfang an die Chance, sich in denjenigen Einrichtungen einzubinden, in denen Kontakt und Gespräch am leichtesten stattfinden: in den Vereinen und Aktionsgruppen. Da stört es dann auch nicht, wenn nicht jedes Jahr ein Massenansturm an Besuchern zu verzeichnen ist. Bei der Vernetzung, die zumindest im Ortsteil Sägmühle herrscht, ist die Verbreitung unter vielen auch dann garantiert, wenn am Abend selbst nur vergleichsweise wenige kommen sollten.

Alles in allem scheint die Hoffnung, dass sich Brannenburg auch in Zukunft seine Bodenständigkeit und seinen Charakter bewahren kann und damit das, was es reizvoll macht, nicht unberechtigt. Denn über die vergangenen Jahrzehnte, die ja auch viele Veränderungen brachten, hat es offensichtlich funktioniert.

Dazu eine kleine Geschichte von Hildegard Röder, die als Kind hier in Brannenburg gelebt hat, jetzt wieder zurückgekehrt ist und in der Rückschau meint, schöner könne man nicht aufwachsen. Dabei ist sie durchaus frei von Erinnerungsverklärung. Sie habe es in der Schule nicht immer leicht gehabt, wie sie sagt, „weil mit zwei Mängeln behaftet: Flüchtling und evangelisch“. An ihre Spielkameraden aber und auch an die erwachsenen Brannenburger außerhalb der Schule hat sie nur gute Erinnerungen, allen voran die Frau des ehemaligen Bürgermeisters Berger, die für alle Kinder, egal ob ihre eigenen oder fremde oder Flüchtlinge, immer ein großes Herz und ein Butterbrot mit einem Glas Milch gehabt habe.

Gefragt, ob sie nach so vielen Jahrzehnten den Ort ihrer Jugend noch wiedererkennen könne, muss sie nicht lange überlegen: „Natürlich ist manches Alte weg und vieles Neue da. Aber die Berge sind noch die gleichen – und die Brannenburger glücklicherweise auch.“

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