Ruheständler Anton Hötzelsperger

Für immer der Trachtensache verbunden

von Redaktion

Der Samerberger Tourismuschef geht nach 20 Jahren in den Ruhestand. Doch Toni Hötzelsperger war mehr als nur Touristiker – seine Liebe galt und gilt der Trachtensache.


Samerberg
– Hötzelsperger, der auch für die OVB-Heimatzeitungen schreibt, wurde jetzt vom Samerberger Bürgermeister Georg Huber offiziell verabschiedet. Wir fragten nach.

Sie waren 20 Jahre Tourismuschef auf dem Samerberg. Wie haben Sie persönlich diese Zeit erlebt, in welche Richtung hat sich der Tourismus verändert?

Die zwei Jahrzehnte waren für mich eine Zeit des frohen Arbeitens und des Kennenlernens vom Samerberg und seiner Leute. Eingestellt wurde ich seinerzeit noch von den Bürgermeistern Ernst Kunz und Hans Weiß sowie von der damaligen Verkehrsvereinsvorsitzenden Maria Estermann. Seit vielen Jahren ist Georg Huber mein Bürgermeister und oberster Dienstherr. Vom Arbeitsantritt am 1. Juli 1997 bis jetzt war und ist Hans Auer ehrenamtlicher Vorsitzender des Tourismusvereins, bei dem ich zehn Jahre angestellt war, erst dann wurde ich in den Öffentlichen Dienst der Gemeinde übernommen.

Rückblickend ist die Zeit viel zu schnell vergangen, es gab natürlich viel zu tun, aber auch viel Angenehmes zu erleben, denn die Samerberger sind insgesamt ein besonderer Menschenschlag. Der Samerberger ist ein Familien- und Gesellschaftsmensch, er ist fleißig, fröhlich, dankbar, christlich und zuweilen etwas rauh, letztlich muss man ihn einfach mögen. Und so war die Zeit der Verantwortung am Samerberg eine gute Zeit, denn für mich ist der Samerberg ein Premien-Produkt im großen Angebots-Sortiment von Oberbayern, ein Ort mit kleinen Strukturen und sanftem Tourismus.

In 20 Jahren hat sich viel verändert, besonders die Kommunikations- und Buchungstechniken. Selbst habe ich immer auf die persönliche Schiene gesetzt und die technischen Errungenschaften als nützliche Instrumente gesehen. Das touristische Angebot auf dem Samerberg hat sich erweitert. Neu hinzugekommen ist unter anderem der Bikepark an der Hochriesbahn, die Gott sei Dank ihrerseits schwierige Phasen überstand. Bereichernd und passend für den Samerberg waren die Eröffnung der Hofkäserei in Lochen sowie die Bauerngolfanlage in Grainbach. Weitere Zugewinne waren das neue Naturbad zwischen Grainbach und Törwang, Verbesserungen beim Badwirt-Freibad in Roßholzen sowie stete Anstrengungen im Wanderwegenetz. Gerade zum Thema Wandern mit 44 Rundwanderwegen und mit vielen gastronomischen Einrichtungen entlang der Wege bis hinauf zum jüngst modernisierten DAV-Gipfelhaus auf der Hochries hat es viele Anstrengungen in der Gemeinde sowie mit den Nachbarsgemeinden Nußdorf und Neubeuern gegeben.

Ein großer Gewinn war, als Dr. Georg Stuffer die Aufgabe des Wanderwarts für den Samerberg übernahm. Daraus entstanden neue Beschilderungen, Wanderführer und Wege-Übersichts-Tafeln an den Wanderparkplätzen.

Ihre berufliche Laufbahn haben Sie in Prien im Jahre 1977 gestartet. Was waren damals Ihre Gründe, in den Tourismus einzusteigen? Was lockte Sie?

Als ich nach dem Abitur am Priener Ludwig-Thoma-Gymnasium und nach dem Bundeswehrdienst in München die Berufsentscheidung zu treffen hatte, konnte ich mir zwei Arbeitsplätze aussuchen: einmal bei einer örtlichen Bank und dann im Kur- und Verkehrsamt der Gemeinde Prien. Der damalige Priener Kurdirektor Peter Donauer konnte mich bei einer Schnupperzeit überzeugen, dass der Tourismus für mich das Richtige ist. Viel gelernt habe ich auch vom langjährigen Priener Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger. Viel mit Menschen umgehen, Veranstaltungen planen und Reisen organisieren – das gefiel mir. Nach der Zeit in Prien übernahm ich für einige Jahre die Geschäftsführung beim Tourismusverband Chiemsee, ehe die Samerberger Zeit begann.

Heute ist der Tourismus in der Region sehr stark. Was würden Sie einem Berufsanfänger raten? Was würden Sie den offiziellen Vertretern raten?

Einem Berufsanfänger, der gerne mit Menschen zu tun hat, und der gerne etwas organisiert, dem sei der Tourismus empfohlen. Es gibt viele spezialisierte Ausbildungswege und auch interessante Arbeitsplätze. Allein die Chance, daheim und dort, wo andere Urlaub machen, eine berufliche Aufgabe zu erfüllen, ist Gold wert. Den Offiziellen, den Bürgermeistern und all jenen, die tourismuspolitische Entscheidungen zu treffen haben, möchte ich folgenden Grundsatz ans Herz legen: Die Politik sollte sich nicht zu sehr in den Tourismus-Alltag einmischen und umgekehrt sollte der Touristiker nicht Politik machen. Unabhängig davon sollte ein starker Informationsaustausch und großes Vertrauen zwischen Politik und Tourismus aufgebaut werden.

Was waren Ihre beruflichen Highlights, was gelang nicht so?

Am Samerberg habe ich stets versucht, die Schwerpunktthemen Brauchtum, Landwirtschaft, Gastronomie und Kirche in die touristischen Aussagen in Abstimmung mit den Dachverbänden einzubauen. Das hat zu vielen freundschaftlichen Kontakten geführt, besonders erwähnen möchte ich den seit dem Mauerfall bestehenden Dialog mit der Destination Spreewald im Land Brandenburg und die Tourismuspartnerschaft mit dem Hochtaunus-Ort Hasselbach in der Gemeinde Weilrod.

Oft gelang es nicht, die Aufgaben, die mit Reisen, Veranstaltungen, unregelmäßigen Arbeitszeiten und öffentlicher Außenwirkung zusammenhingen, als ernstes Berufsbild zu vermitteln. Zuweilen dominierten bei den Betrachtern die Begriffe „Reisen“ und „Feiern“, doch die Dominanz dieser Begriffe ist natürlich falsch. Nicht gelungen ist es mir, das Amt eines „Gastgeberberaters“ (Verbindungs- und Vertrauensperson zwischen Kommune einerseits sowie Vermietern und Leistungsträgern andererseits) einzuführen. Gute Ideen konnten leider nicht umgesetzt werden.

Sie gehen nun in den Ruhestand. Wird er ein Unruhestand sein? Also, welche Pläne haben Sie?

Der Ruhestand ist nur ein „halber“, denn die Anstellung in der Gemeinde Samerberg war nur eine Halbtagsstelle. So bleiben Aufgaben in meinem Büro für Öffentlichkeitsarbeit mit der Internetseite www.samerbergernachrichten.de sowie Aufträge des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums wie die Organisation von Auftrittsreisen von Musik- und Trachtengruppen zur Internationalen Grünen Woche nach Berlin bestehen.

Außerdem bin ich ehrenamtlich und aktiv bei Vereinen von Prien, Atzing und in der ehemaligen Gemeinde Wildenwart tätig, zudem will ich weiterhin die Aufgabe des Pressesprechers vom Bayerischen Trachtenverband erfüllen.

Was ich mit dem frei gewordenen Zeitfenster vom Samerberg mache, das lasse ich auf mich zukommen. Zuerst mache ich Urlaub, dann ist Weihnachten, und im Januar bin ich wieder für fast zwei Wochen auf der Grünen Woche in Berlin und dann kommt der 2. Februar. Bis zu diesem Lichtmess-Tag lasse ich mir jedenfalls Zeit, um neue Aufgaben zu überlegen. Oberste Priorität haben dabei aber familiäre Interessen.

Interview: Sigrid Knothe

Zur Person

Anton Hötzelsperger, allgemein nur Toni genannt, ist 62 Jahre alt und geht in den Ruhestand. Das heißt, er beendet seine Stelle als Tourismuschef am Samerberg. Doch weiterhin wird er als Pressesprecher mit seiner geliebten Trachtensache verbunden bleiben. Ebenso wird er für das Bayerische Landwirtschaftsamt Reisen der Trachtler und Musiker zur Grünen Woche organisieren. Und dann wird er sein Büro für Öffentlichkeitsarbeit führen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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