Raubling – Es ist ein schwieriges Konstrukt, mit dem sich die Vorsitzenden der Stiftung Godziwitz seit Jahren auseinandersetzen müssen: Denn die Bedingungen der Stiftung, die Namensgeberin Elisabeth Godziwitz vor ihrem Tod im Jahr 1999 testamentarisch festgehalten hatte, brachten die Stiftung vor wenigen Jahren sogar an den Rand der Insolvenz. Mittlerweile steht das Konstrukt auf soliden Füßen und kann – wie jetzt Vertreter der Stiftung dem Raublinger Gemeinderat schilderten – in 20 Jahren sogar eine wertvolle Hilfe für bedürftige, ältere Raublinger Bürger werden.
Ein Rückblick: Der Berliner Metzgermeister Joachim Godziwitz und seine Ehefrau Elisabeth – das Ehepaar blieb kinderlos – zog 1979 vom Berliner Stadtteil Wedding in die Gemeinde Raubling. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1981 überlegte die zurückgezogen und bescheiden lebende Witwe, was nach ihrem Tod mit dem Vermögen geschehen soll. „Eigentlich wollte sie es der Kirche vermachen“, erinnerte sich der Raublinger Arzt und Mitglied des Stiftungsvorstands Dr. Michael Gierlinger bei der Vorstellung der Sitftung im Gemeinderat zurück. „Ich habe ihr dann gesagt, dass die Kirche schon viel besitzt und sie lieber die Gemeinde bedenken soll.“
Die Godziwitz-Stiftung war geboren – doch die Rahmenbedingungen, die die Stifterin in ihrem Testament festgesetzt hatte, sollten den Stiftungsvorstand in den folgenden Jahren vor zahlreiche Herkulesaufgaben stellen. So hatte sie die Verwaltung bis zur Beendigung aller testamentarischer Vorgaben in die Hände eines Berliner Anwalts gelegt, der aus dem Stiftungsvermögen insgesamt rund 200000 Euro als Honorar erhalten hatte. Zudem schrieb Godziwitz Rentenverpflichtungen gegenüber Dritten in ihrem letzten Willen fest, die nochmals rund 400000 Euro ausmachten.
Auch die Immobilien, die ins Stiftungsvermögen eingeflossen waren, bereiteten und bereiten dem Stiftungsvorstand Kopfzerbrechen. So ist das vermietete Haus in Bernau aufgrund des bestehenden, gegenüber dem Mieter laut Dr. Gierlinger sehr wohlwollenden Mietvertrags „ein Zuschussgeschäft“. Für die drei Häuser in Berlin-Wedding mit rund 30 Wohnungen hatte die Stiftung beim Verkauf gerade einmal 1,6 Millionen Euro erzielen können. „Bei diesem Erlös können Sie sich vorstellen, in welchem erbärmlichen Zustand die Wohnung waren“, gab der Arzt den Gemeinderatsmitgliedern zu verstehen.
Den Verkaufserlös hatte die Stiftung dann vor über zwei Jahren in zwei Neubauten mit mehreren Wohneinheiten am Ammer in Raubling gesteckt (wir berichteten). Eine Investition, die zwar – gemeinsam mit den Kosten für Anwalt und Rentenversprechen – nun zu Verbindlichkeiten gegenüber der Bank geführt hat, letztlich aber nach Angaben von Wirtschaftsprüfer Matthias Schmidt, der sich um die finanziellen Belange kümmert, die Stiftung auf eine solide Basis gestellt hat. Schmidt: „Vor wenigen Jahren war die Stiftung noch am Rande der Insolvenz gestanden.“
Ein Relief zu Ehren
der Stifterin
Als nicht weniger kompliziert im Vergleich zu den materiellen Strukturen entpuppten sich die von Godziwitz festgesetzten Stiftungsziele. Primäres Ziel der Stiftung ist es, das Andenken an die Stifterin durch eine Kapelle in Raubling in Ehren zu halten. Ein Wunsch, der nach langwierigen Verhandlungen und Gesprächen in die Errichtung eines Bronzereliefs der Heiligen Stephanus und Laurentius umgewandelt werden konnte. Das Relief ziert mittlerweile den Vorplatz der katholischen Pfarrkirche Heilig Kreuz (wir berichteten), aus dem Stiftungsvermögen muss nun nur noch der Unterhalt gewährleistet werden.
Beim zweiten Stiftungszweck, der Unterstütung älterer, bedürftiger Raublinger Bürger ist die Stiftung aufgrund der Zahlungsverpflichtungen für die laufenden Darlehen nur bedingt handlungsfähig, wie Dr. Gierlinger erklärte: „Für diesen Zweck stehen derzeit jährlich zwischen 5000 und 10000 Euro zur Verfügung.“ Nachdem laut Stiftungsgesetz durch den Vorstand die Sicherung des bestehenden Vermögens gewährleistet werden muss, konnte Schmidt auch der Idee von Alexandra Burgmaier (SPD), finanzschwache Familien oder alleinerziehende Mütter kostengünstig in den Neubauten am Ammer wohnen zu lassen, nur eine Absage erteilen. Schmidt: „Das dürfen wir gar nicht, da wir durch die dann sinkenden Mieteinnahmen das Stiftungsvermögen reduzieren würden.“
Geduld ist deshalb die Devise des Stiftungsvorstands, der sich nach dem Willen der Stifterin aus dem amtierenden Raublinger Bürgermeister, dem katholischen Pfarrer der Gemeinde sowie einem Raublinger Arzt zusammensetzen muss. Denn wenn die Darlehen in 20 Jahren auslaufen und eventuell auch die Mietproblematik in Bernau, um die sich derzeit ein Rechtsanwalt kümmert, geregelt ist, dann stünden nach Einschätzung von Schmidt der Stiftung deutlich mehr finanzielle Mittel für die Unterstützung des sozialen Stiftungsziels zur Verfügung. Und noch einen Lichtblick gibt es: In rund 40 Jahren kann die Stiftung aufgelöst werden. „Das Stiftungsvermögen kann dann Organisationen übertragen werden, die sich für den Stiftungszweck, also die Hilfe für ärmere, ältere Bürger, engagieren.“
Vorstandssitzung
bis der Arzt kommt
Entscheidungen, mit denen der heutige Stiftungsvorstand wohl nichts mehr zu tun haben wird. Was Gemeinderatsmitglied Klaus Artmann (FW) auf die Frage brachte, was passiere, wenn Dr. Gierlinger als Arzt sein Amt niederlege und kein neuer Arzt in Raubling für den Vorstand zur Verfügung stehe. Doch auch hier hatte Bürgermeister und Stiftungsvorsitzender Olaf Kalsperger eine – allerdings nicht ernst gemeinte – Lösung parat: „Dann täuschen wir bei einer Sitzung des Stiftungsvorstands einen Notfall vor. Wenn dann ein Arzt kommt, lassen wir ihn einfach nicht mehr gehen.“