Eggstätt – Der Baum ist geschmückt, die letzten Geschenke verpackt, das Festessen vorbereitet: Wenn an Heiligabend langsam die Dämmerung einsetzt, beginnt für die meisten Menschen in der Region wirklich die ruhige und besinnliche Zeit. Nicht so für Pfarrer Andreas Przybylski (36): Für den Adminstrator des Pfarrverbands Selige Irmengard steht jetzt eine der arbeitsintensivsten Zeiten des Jahres an.
16.45 Uhr Christmette auf Herrenchiemsee, 21 Uhr Christmette in Breitbrunn, 22.30 Uhr Christmette in Eggstätt: Innerhalb von sechs Stunden wird der Geistliche mit Hunderten Gläubigen drei Festgottesdienste feiern. Eine kleine Pause gibt es für den gebürtigen Nordrhein-Westfalen zwischen seinem Einsatz auf Herrenchiemsee und der Messe in Breitbrunn. „In dieser Zeit werde ich mein Abendessen einnehmen“, sagt der 36-Jährige, der gegenüber den OVB-Heimatzeitungen einen Blick in seinen Speiseplan erlaubt. „Es wird einen Rinderbraten mit Rotweinpreiselbeersoße und Spätzle geben.“
Kein traditionelles Essen wie Karpfen oder Würstel mit Kartoffelsalat? „Bei uns gab es daheim bei meinen Eltern auch nie ein bestimmtes Essen an Heiligabend“, erinnert sich Przybylski an die Festtage in seiner Kindheit zurück. „Da haben meine Eltern dann gemeinsam immer etwas Gutes gekocht.“
Gerne erinnert sich der Pfarrer an die Weihnachtszeit in seinem Elternhaus zurück. An den Besuch der Kindermette in jungen Jahren, die anschließende Bescherung und wie seine Oma auf ihn aufgepasst hat, wenn seine Eltern abends die Christmette besucht haben. Oder wie er als Jugendlicher selbst mit in die feierliche Christmette gegangen ist.
„Ergebnisoffen“ ins Theologie-Studium
Dass er seine Berufung in der Theologie finden wird, war dem heute 36-Jährigen, der in Essen aufgewachsen ist, schon nach dem Abitur klar. Vom Ministranen- über den Lektorendienst bis zum Engagement im Pfarrgemeinderat – bei den Ehrenämtern in seiner Pfarrgemeinde hat er eigentliche keine Station ausgelassen. „Das Studium der Theologie bin ich dann – wie man heute so schön sagt – ergebnisoffen angegangen“, erinnert sich Przybylski zurück. Schnell war ihm dann aber klar, dass das Priesteramt seine Berufung ist. Der Aufenthalt in Bayern während eines Freisemesters sollte eigentlich nur ein Zwischenstopp sein, aber: „Land, Leute und Kultur in Bayern haben mir gefallen. So bin ich dann hängengeblieben“, sagt der Geistliche und lacht.
Die Entfernung ins Ruhrgebiet zu seinen Eltern ist für den gebürtigen Essener kein Problem. Ebenso wie die Tatsache, dass er nicht – wie die meisten Menschen – Weihnachten mit seinen Liebsten oder gar mit einer eigenen Familie feiern kann. „An Heiligabend ist sowieso so viel los, dass ich da gar keine Einsamkeit verspüre“, sagt der Pfarrer, der aber auch gesteht, dass er sich manchmal am ersten Weihnachtsfeiertag, wenn es ruhiger wird und mehr Zeit zum Nachdenken bleibt, alleine fühlt. Zumal heuer seine Eltern nicht wie im vergangenen Jahr nach Eggstätt anreisen. „Dafür werde ich mich aber mit einem Priesterkollegen zum Essen treffen“, hat der Pfarradministrator bereits etwas für den ersten Weihnachtsfeiertag ausgemacht.
Dass sich rund ums Weihnachtsfest in den Familien vieles ums Thema schenken dreht, damit hat Andreas Przybylski grundsätzlich kein Problem. „Wir feiern ja, dass Gott der Welt seinen Sohn geschenkt hat. Sich gegenseitig etwas zu schenken, ist damit ja ein Symbol für dieses Geschenk.“ Schwierig wird es für den Eggstätter allerdings, „wenn Bräuche wie das Schenken nur noch völlig losgelöst von der christlichen Botschaft und dem eigentliche Hintergrund des Festes aufrecht erhalten werden.“
Für den 36-Jährigen gehören daher an Heiligabend nicht nur die Christmette, sondern auch Zeit für das persönliche Gebet zum absoluten Muss. „Ich singe die Psalme, die ich bete, dann auch recht laut, wenn keiner dabei ist“, sagt er und lacht. Zudem schließt er an diesem Tag die Verstorbenen besonders in seine Gebete ein: „Schließlich sollen sie ebenfalls an Weihnachten mitfeiern.“
Und was wird er seinen Pfarrangehörigen zum Fest mit auf den Weg geben? „Das ist natürlich noch ein Geheimnis“, sagt Przybylski, dessen Predigt schon fertig in der Schublade liegt. Nur so viel verrät der Geistliche: „Es wird um den Weihnachtswerbespot eines Supermarktes gehen, der von einem Roboter handelt, der versucht, künstlich ein Weihnachtsfest zu erzeugen.“