Rosi ammelburger und ihr freundschaftsdienst: Hilfe für senioren am PC

Wenn 77-Jährige mühelos skypen

von Redaktion

Beide sind Senioren, schon im fortgeschrittenen Alter, und beide stehen mitten im Leben. Was zu ihrem Glück noch fehlte, war der PC, das Smartphone und die WhatsApp. Doch seit Rosi zur Stelle ist, haben die beiden älteren Herrschaften sogar Spaß am Googeln und Mailen. Alles klar?

Bad Endorf/Rimsting – Ingrid Hopmann aus Rimsting ist 77 Jahre alt – eigentlich müsste man sagen „jung“. Denn die Seniorin ist keineswegs eine „betagte Dame“, die auf Hilfe angewiesen ist. Ganz im Gegenteil. Sie ist fit wie ein Turnschuh, erneuert sogar immer wieder ihre verschiedenen Fluglizenzen und fliegt mit einmotorigen Maschinen kreuz und quer in der Weltgeschichte herum. Erst jüngst war sie in Kairo beim Internationalen Pilotinnentreffen. Ehrensache für die Seniorin!

„Ich wollte schon als kleines Mädchen lieber auf Bäume klettern als mit Puppen spielen“, sagt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Sie ist eine „technikaffine“ Frau – so würde man heute in einer Bewerbung sagen. Doch das Berufsleben hat sie lange hinter sich. Bis 2005 war sie als Anästhesie-Schwester in Prien tätig. „Technische Zusammenhänge verstehe ich schnell“, sagt Hopmann. Schließlich müsse sie auch bei den Flugzeugen vor jedem Start immer nach dem Rechten sehen.

An den Computer habe sie sich über das notwendige Maß, das sie im Beruf brauchte, nicht hinaus herangewagt. Als Rentnerin hatte sie dann der Ehrgeiz gepackt: „Ich wollte es unbedingt lernen. Warum sollte ich das nicht können?“ An den Kurs, den sie daraufhin absolvierte, denkt sie mit Grauen zurück. „Der hat mir gar nichts gebracht.“ Immer wieder habe dann mal der eine oder andere Bekannte geholfen, doch langfristig erfolgreich war alles nicht.

Bis Rosi Ammelburger kam. Die OVB-Fotografin schaute einfach mal bei Ingrid Hopmann vorbei – und siehe da: Es funktionierte. „Seither bin ich in der Computerwelt einigermaßen zu Hause“, freut sich die Rimstingerin. Und weil Ammelburger keinen Cent für ihre Hilfe nimmt, kocht die Seniorin ab und zu für beide. Dann wird erst das PC-Problem gelöst, dann getafelt.

Inzwischen ist die 77-Jährige ziemlich flott am Smartphone unterwegs: Bilder machen, auf den PC rüberziehen, Fotobücher selbstständig entwerfen, per WhatsApp mit dem Neffen kommunizieren – alles kein Hexenwerk mehr für sie.

Mit dem I-Pad navigieren

Auch für ihre Flüge benutzt Hopmann inzwischen ihr I-Pad: Flugzeit, Flugplan, Flugkarten: alles mit einem Finger-Tip sofort da. „Aber ich mache zur Sicherheit alles auch manuell, wie ich es einst gelernt habe.“ Und natürlich sind reale Flugkarten trotz Digitalisierung immer mit an Bord. „Man weiß ja nie“, sagt die Fliegerin.

Rosi Ammelburger ist schon von Berufs wegen mit Technik und Digitalisierung sehr vertraut. „Ich helfe gerne, zumal ich denke, dass wir Frauen da zusammenhalten sollten.“ Was spreche dagegen, dass das „schwache Geschlecht“ sich nicht ebenso gut wie das „starke“ im weltweiten Netz bewegen kann?

Sie interessiere sich seit jeher für Technik. Schon als 13-Jährige habe sie Kofferradios in Autos eingebaut. „Mich faszinieren technische Neuerungen“, sagt sie. Sie ist zur Stelle, wenn ein Hilferuf aus ihrem Bekannten- oder Familienkreis sie erreicht. Da fährt sie auch mal schnell etliche Kilometer zur Halbschwester, wenn der Fernseher streikt und die Weihnachtsbeleuchtung nicht funktionieren will. Dass Ammelburger skypt oder eine Drohne zu Fotoaufnahmen steuert – ganz selbstverständlich.

„Zur digitalen Welt bekehrt“

Weniger selbstverständlich ist diese Welt für Bernhard Roesler. Der 81-jährige Endorfer ist ein Mann der Zahlen. Blitzartig und mühelos kann er Brüche bis drei Stellen hinterm Komma ausrechnen. Währungen in Euro umrechnen? Kein Problem! Schließlich ist er nicht umsonst Versicherungsmathematiker bei einer Bank gewesen. „Aber Rosi hat mich zur digitalen Welt bekehrt“, gesteht er schmunzelnd. Denn mit Zahlen habe er es schon, nicht aber mit digitalen Netzwerken. „Diesen Schritt schafft man nicht alleine. Ich bin meiner Kollegin vom Ukraine-Verein dankbar für ihre effektive Hilfe und ständige Begleitung im digitalen Dschungel.“

Heute urteilt Bernhard Roesler über die Computerwelt anders als noch vor zehn oder 20 Jahren. „Es tut sich tatsächlich eine neue Welt auf. Schön, dass ich dank der uneigennützigen Hilfe von Rosi inzwischen daran teilnehmen kann.“

Es macht ihm einfach Spaß, im Internet herumzusurfen, zu recherchieren und zu googeln. „Aber rechnen tue ich noch immer nicht mit dem PC, sondern viel lieber mit meinem Kopf.“

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