Schechen – Nach 2008 und 2009 – damals holte das Unternehmen Summerer Technologies den Titel „Werkzeugbauer des Jahres“ im Wettbewerb „Excellence in Production“ – war auch 2017 ein erfolgreiches Jahr für das Unternehmen in Schechen. Dort herrscht jetzt große Freude: „Summerer Technologies ist bester deutscher Werkzeugbau in der Kategorie Externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter. Bei der Preisverleihung in Aachen stand nur die Firma Haidl-mair GmbH aus Österreich, Weltmarktführer von Getränkekisten, vor uns“, sagt Andreas Summerer, im Unternehmen zuständig für Personal und Kommunikation.
Intern werde dieser Erfolg hoch bewertet. Denn bei insgesamt drei Teilnahmen am Wettbewerb erreichte die Firma jeweils das Finale der zehn besten Werkzeugmacher. „Werkzeugbau des Jahres“ ist eine seit 2004 jährlich verliehene Auszeichnung im Bereich Werkzeugbau, die federführend vom Werkzeugmaschinenlabor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie in Kooperation mit mehreren Partnern im Rahmen des Wettbewerbs „Excellence in Production“ verliehen wird. Teilnahmeberechtigt sind Werkzeugbaubetriebe aller Bereiche aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.
Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Firmenchef Franz-Josef Summerer über das wachsende Unternehmen.
Das Unternehmen Summerer Technologies ist ein mittelständischer Werkzeug- und Formenbauer. Sie haben sich spezialisiert auf Spritzgießwerkzeuge und Spritzgießverfahren. Was konkret muss man sich darunter vorstellen?
Spritzgießwerkzeuge sind Formen aus hochlegierten Stählen, in deren Kavitäten erhitzter Kunststoff mit sehr hohen Drücken eingespritzt wird. Nach circa einer Minute ist der Kunststoff soweit abgekühlt, sodass das neu geformte Kunststoffteil aus der Form (Spritzgießwerkzeug) entnommen werden kann. Die Palette aus Spritzgießwerkzeugen gefertigten Teilen ist sehr groß und findet Verwendung in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Wir haben uns auf optische Bauteile in der Automobilindustrie, wie Außenspiegelgehäuse, Scheinwerferabdeckungen und Panoramadächer, um einige zu nennen, spezialisiert. Für die Herstellung dieser Teile werden spezielle Spritzgießverfahren benötigt, um die sehr hohen Qualitätsstandards zu erreichen. Einige dieser Verfahren haben wir selbst entwickelt und sie sind auch patentiert.
Die Region Rosenheim scheint ein „Mekka“ für Werkzeugbauer zu sein. Können Sie das erklären?
Es gibt in Deutschland rund 3800 Werkzeugbaubetriebe, wobei fast die Hälfte aus Bayern und Baden-Württemberg kommt. Das liegt an der Nähe zu den regionalen Automobilherstellern und den guten Rahmenbedingungen. Im Landkreis Rosenheim ist der Werkzeugbau schon seit Jahrzehnten gut vertreten, von einem „Mekka“ würde ich aber nicht sprechen.
„Die Konkurrenz schläft nicht.“ China ist in vielen Bereichen auf dem Vormarsch: Machen Sie sich Sorgen um den Ausverkauf des deutschen Mittelstandes?
Sie sprechen die Übernahme von Kuka durch Midea an. Das betrifft uns nicht und deswegen macht es uns keine Sorgen. Wir haben auch noch nicht gehört, dass renommierte Werkzeugmacher, die meist in Familienhand sind, von einer chinesischen Firma übernommen worden sind. Da geht es eher um Schlüsseltechnologien.
Sie vergrößern gerade Ihre Betriebsfläche. Wie sieht Ihre Marschrichtung für die Zukunft aus? Wie rüsten Sie sich für die Zukunft?
Mit der Erweiterung unserer Betriebsfläche werden wir der erhöhten Nachfrage unserer Kunden gerecht. Das Ziel ist, dass wir weiterhin zu den Technologieführern in unserer Branche gehören und diesen Vorsprung behalten. Um bei Großprojekten von mehreren Millionen Euro mitbieten zu können, ist eine gewisse Unternehmensgröße nötig, da auch die Bauteilentwicklung und Kleinserienfertigung Teil des Auftrags sind. Es arbeiten rund 60000 Mitarbeiter in Deutschland in unserer Branche und davon beschäftigen nur ein Prozent der Firmen über 100 Mitarbeiter. Deswegen ist die Unternehmensgröße auch ein wichtiger Baustein unseres Erfolges. Mittelfristig planen wir mit 120 Mitarbeitern in Schechen, wobei das Wachstum hauptsächlich aus der eigenen Lehrlingsausbildung kommen wird.
Mit einer hohen Ausbildungsquote von rund 20 Prozent versuchen Sie, dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Was erwarten Sie von ihren Azubis? Wie technologisch wird die Zukunft dieser jungen Arbeitskräfte aussehen?
Begeisterung für einen technischen Beruf, Eigenverantwortung und Fleiß. Der Fortschritt geht mit der Automatisierung und Digitalisierung unaufhaltsam voran, sodass die Computerarbeitsplätze wie Konstruktion, Fräsprogrammerstellung mittlerweile fast 50 Prozent ausmachen. Das bedeutet auch, dass die Lehrlinge und Junggesellen viel früher mit komplexen Computerprogrammen konfrontiert und an Fünf-Achszentren und Highspeed Maschinen zum Einsatz kommen werden.
Was macht ein Unternehmer an Weihnachten?
A: Dem Trubel davonlaufen?
B: Weihnachtslieder unterm Tannenbaum singen?
C: Nichts davon?
Nichts davon.
Interview: Sigrid Knothe