Kiefersfelden – Einblicke in die bewegte Geschichte der Gemeinde Kiefersfelden gewährt derzeit der zweite Teil einer Fotoausstellung, die noch bis Sonntag, 7. Januar, im Blaahaus zu sehen ist.
Der Erfolgsgeschichte zweiter Teil, die historische Fotoausstellung „Die Dorfstraße von der Pfarrkirche bis Laiming“, ist bis zum 7. Januar täglich von 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Blaahaus zu sehen. Ortschronist Martin Hainzl ist es eindrucksvoll gelungen, mit fotografischen Zeitzeugen das dörfliche und soziale Leben entlang des einstigen Hauptverkehrsweges von und nach Tirol in der Zeit von der Jahrhundertwende bis in die 50er-Jahre wiederzugeben, einer fotohistorischen Zeitreise gleich.
Auf zwei Etagen und sechs Bildwänden des Heimatmuseums sind die etwa 200 einzigartigen und seltenen „Schwarz-Weiß-Fotos“ ausgestellt, von Hainzl mit Geschichte und Geschichten zu den einzelnen Aufnahmen erklärend versehen. „Rund 70 Jahre Kieferer Geschichte habe ich hier zusammen getragen und mit Informationen ergänzt“, so der Ortschronist. Dafür hat er viel Zeit für umfangreiche Recherchen in Internet, Zeitungen und Archiven investiert – eine Arbeit, die sich absolut gelohnt hat. Der Großteil der Fotografen stammt aus dem Archiv von Martin Hainzl, dazu kamen „Bilderspenden“ aus der Kieferer Bevölkerung und eigene Kaufauktionen bei Bilderbörsen oder im Internet.
Schon am ersten Tag der Ausstellung war der Besucherandrang sehr groß und der Ortschronist hatte alle Hände voll zu tun, den Wissensdurst der Anwesenden zu stillen. Außergewöhnlich und sehr selten war die einzige bekannte Aufnahme von der Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche Heilig Kreuz Anfang des 20. Jahrhunderts. Deren Glocken wurden danach in den beiden Weltkriegen heimlich abgenommen und eingeschmolzen, wobei die einzigartige Aufnahme von der Glockenabnahme in der Karwoche des Jahres 1942 wegen der Geheimhaltung dieser Aktion sicher nicht ganz ungefährlich war.
Dazu äußerte sich der damalige, den Nationalsozialisten kritisch gegenüberstehende Pfarrer Ludwig Oberholzer: „Die Glocken wurden abgenommen und der Kriegsfurie der Nazis geopfert“. Am 28. Oktober 1952 wurden dann die neuen vier Glocken wieder in die Pfarrkirche gebracht, und sie läuten auch heute noch zu Gottesdienst oder auch nur um die Uhrzeit zu verkünden.
Von dem heute nicht mehr existierenden Springbrunnen mit großem Teich im Kurpark zeugen einige Fotos von 1972, die auch die farbliche Illumination wiedergeben. „Ewig schade, dass der Springbrunnen in den 80er-Jahren abgebaut worden ist“, bedauert der Ortschronist.
Neben der fotogeschichtlichen Dokumentation ist das Heimatmuseum Blaahaus, das seine Besucher auf eine Reise durch die Vergangenheit Kiefersfeldens mitnimmt, auch für zeitgeschichtlich interessierte Besucher ganzjährig jeden ersten und dritten Sonntag im Monat jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie für Gruppen auf Anfrage in der Kaiser-Reich Info, Telefon 08033/976527, oder unter info@kiefersfelden.de geöffnet.