In Hinterberg wird seit 1927 angeblasen

Mit langem Atem ins neue Jahr

von Redaktion

Seit 90 Jahren wird in Hinterberg bei Nußdorf von Musikanten das neue Jahr musikalisch begrüßt. Eine Tradition, die sich dort auch in vielen Familien manifestiert hat.

Nußdorf – Ein frostiger Wind weht durch das Inntal. Vor einem Bauernhaus in Hinterberg versammelt sich eine Männergruppe mit ihren Blasmusikinstrumenten. Sie pusten warme Luft in ihre Instrumente, damit diese nicht einfrieren und wärmen unter ihrer Jacken noch einmal schnell die kalten Hände auf. Auf ein Zeichen setzen sie ein und spielen einen Marsch.

Es ist Samstag – der Silvestertag des Jahres 1927. Seit diesem Jahr werde in Hinterberg die Blasmusik gepflegt, heißt es in der Nußdorfer Chronik. Den Grundstein dafür legte Franz Lagler, der erst zwei Jahre zuvor auf einem, von den Nachbarn geschenkten Flügelhorn, das Spielen erlernte. So wurde vor 90 Jahren die Blasmusik Hinterberg gegründet.

Die damaligen Mitglieder neben ihm waren Hans Dettendorfer, Hans Keim (Flügelhorn), Simon Straßburger, Kaspar Maurer (Basstrompete), Kaspar Meier (Bass), Franz Mitterer (Posaune), Hans Meier (Tenorhorn) und Christian Liegl (Trompete), der einige Jahre später dazukam.

So pflegten die „Hinterberger“, wie sie kurz im Volksmund genannt wurden, auch das Neujahrsanblasen und setzten damit eine Jahrhunderte alte Tradition in der Region fort. Ursprünglich gehörte das Neujahrsanblasen zu den so genannten Lärm- und Weckbräuchen, mit den die Musiker ihre Neujahrsgrüße in die Gemeinde brachten, sicherlich auch, um mit Gaben und Spenden ihre Vereinskasse aufzubessern.

Sogar Ururenkel

am Start

Viel hat sich seither nicht geändert – denn auch am Silvestertag 2017 wurde wieder in Hinterberg das neue Jahr angeblasen. So könnte man fast schon meinen, die Zeit wäre ein wenig stehen geblieben. Vieles erinnert daran. Der kalte Wind, die Marschmusik und auch die Namen der Musiker erinnern an vergangene Tage.

Noch heute gehören die Dettendorfer, Straßburger oder Maurer, zu den Familien, die das musikalische Erbe ihrer Vorväter fortsetzen. Nun von den Ur- oder gar Ururenkeln der Gründer des Jahres 1927.

Heuer zogen zwei Musikgruppen aus Hinterberg, die eine von Buchberg die andere von Überfilzen aus, von Haus zu Haus und überbrachten ihre musikalischen Grüße. Zum Schluss trafen sie sich alle dann in Sonnhart, wo sie ihr Neujahrsanblasen mit einer zünftigen Brotzeit und einem heißen Getränk ausklingen ließen. So wie es auch schon 1927 der Brauch war.

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