Aschau – Vom Bürgermeister über die Verwaltung bis zum Architekturbüro aus München, das die Entwürfe für die geplante Sporthalle angefertigt hat: In seinem Rundumschlag auf der Aschauer Bürgerversammlung im November ist der Aschauer Franz Kratzer hart mit den an der Sporthallenplanung Beteiligten ins Gericht gegangen. So warf er Bürgermeister Peter Solnar (FWG) unter anderem vor, „die Gemeinde finanziell an die Wand“ zu fahren und kritisierte die Verwaltung dafür, bei der bisherigen Planung schwere Fehler begangen zu haben. Die Schimpftirade Kratzers gipfelte in dem Antrag, die Bürger über die neue Sporthalle entscheiden zu lassen (wir berichteten).
Eine Empfehlung, die am kommenden Dienstag, 23. Januar, vom Aschauer Gemeinderat beraten wird, nachdem derartige Bürgerwünsche laut Gemeindestatuten innerhalb von drei Monaten vom Gremium behandelt werden müssen, wie Markus Heinrich, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen bestätigt. „Der Gemeinderat kann nun beispielsweise ein Ratsbegehren auf den Weg bringen, aber natürlich auch an seinen Entscheidungen festhalten“, wie Heinrich weiter ausführt.
„Man kann eine
gute Planung auch schlechtreden.“
Monika Schmid, Fraktionsvorsitzende der FWG
Monika Schmid, Fraktionssprecherin der Freien Wahlgemeinschaft Aschau (FWG) und Befürworterin der neuen Sporthalle in der geplanten Form, befürchtet keine Korrekturen an den Beschlüssen – und sieht daher der Sitzung am kommenden Dienstag gelassen entgegen. „Wir brauchen eine neue Halle, das ist unstrittig“, so Schmid. Für die FWG-Sprecherin ist es „unerklärlich“, weshalb seitens der CSU-Fraktion ihrer Ansicht nach seit mehreren Monaten „Stimmung gegen die Halle“ gemacht wird. „Man kann eine gute Planung auch schlechtreden“, ärgert sie sich über die Querschüsse seitens der Christsozialen.
Die Beanstandung der Kosten – diese belaufen sich nach derzeitigem Stand auf rund 7,5 Millionen Euro – beruhe laut Schmid auf „Milchmädchenrechnungen“ der Kritiker. Denn, so Schmid weiter: „Alle sprechen immer über die Kosten der Rimstinger Halle, die 4,3 Millionen Euro gekostet hat“, so Schmid, „doch unser Raumkonzept ist wesentlich umfangreicher“. So sei in der Aschauer Sporthalle – wie in der bisherigen Halle vorhanden – der Einbau einer Sauna geplant.
Zudem sehe das Raumkonzept drei weitere Räume für Aschauer Organisationen vor, in denen beispielsweise die Tischtennis-Senioren, die derzeit in der Orthopädischen Kinderklinik nur geduldet sind, eine neue Heimat finden könnten. Schmid: „In Rimsting wird derzeit aufgrund des Platzmangels schon wieder über einen Neubau für Räume diskutiert, der dann auch wieder Millionen kosten würden. Da relativiert sich unsere Summe dann schnell.“
Eine Argumentation, der Georg Westenthanner, Fraktionssprecher der CSU im Gemeinderat, nicht folgen kann. Seiner Meinung nach sei der Bau der Halle – in abgespeckter Form – deutlich günstiger zu haben – und somit für die klamme Gemeinde auch verträglich. „Dass wir eine neue Halle brauchen, darüber sind sich alle einig“, sagt Westenthanner, der aber massive Kritik an den Kosten, am Planungsvorgang sowie an der „fehlenden Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft“ im Gemeinderat in puncto Sporthalle übt.
So ist es für das CSU-Ratsmitglied nicht nachvollziehbar, weshalb die Halle drei zusätzliche Räume zwischen 70 und 90 Quadratmetern braucht. „Da habe ich vom Bürgermeister bislang keine Antwort bekommen, wie diese Räume genutzt werden sollen“, behauptet Westenthanner, der befürchtet, dass „uns die Halle am Ende neun Millionen Euro kosten wird.“ „Die Planungen sind mit der Zeit einfach abgedriftet“, findet der CSU-Politiker.
Da haben wir uns völlig überrumpelt gefühlt.“
Georg Westenthanner, Fraktionsvorsitzender der CSU
Weshalb hat seine Fraktion die Planungen dann lange Zeit mitgetragen? „Das ist nicht korrekt“, stellt der Fraktionssprecher klar und verweist auf den Beginn der Planungen im Jahr 2014 im Rahmen einer nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung. „Da sollten wir, ohne genauere Infos, den Planungsauftrag an das Planungsbüro erteilen, das Solnar uns präsentiert hat“, erinnert sich Westenthanner. „Da haben wir uns völlig überrumpelt gefühlt und dagegen gestimmt.“
Auch mit verschiedenen Details der Planungen kann sich die CSU nicht anfreunden, beispielsweise mit der Dachgestaltung. So lasse sich auf dem nur minimal geneigten Flachdach eine etwaige Solaranlage nur aufständern – was aber den Vorgaben der Kommune widerspricht. „Wir verbieten das unseren Bürgern, müssten es dann aber selbst tun“, echauffiert sich Westenthanner, der sich über einige Punkte der Planungen nur wundern kann. „Zumal unser Bürgermeister ja eigentlich Architekt ist.“
Doch die Hoffnung der CSU, dass aufgrund des Bürgerantrags nochmals Bewegung in die Planung kommt, sind gering. Zumal die mit drei Sitzen drittgrößte Fraktion, die Aschauer Bürgerliste (ABL), nach Einschätzung ihrer Fraktionssprecherin Christiane Rabich-Pichler an ihrem „Ja“ zur Hallenplanung festhält. Auch wenn sie mit Blick auf die anderen Fraktionen natürlich „nicht die Hand dafür ins Feuer legen will“, dass bei einer erneuten Abstimmung keine anderen Mehrheitsverhältnisse entstehen.
„Natürlich ist es viel Geld“, ist sich Rabich-Pichler bewusst, „die Halle ist für Aschau aber auch dringend notwendig.“ Auch in der geplanten Form: „Für mich ist das ja keine einfache Turnhalle, die wir bauen wollen, sondern ein Sportzentrum für alle Aschauer – vom Baby bis zum Senior.“
Bei ihrer Meinung – nämlich einer kontroversen – bleibt wohl auch die kleinste Fraktion, die Prientalliste Sachrang (PTL), die mit zwei Gemeinderatsmitgliedern im Gremium vertreten ist. Während Philipp Sanner die Hallenplanung in der derzeitigen Form nach Angaben von PTL-Fraktionsvorsitzendem Benno Pertl befürwortet, sind ihm selbst die Kosten ein Dorn im Auge. „Mir ist die Halle auch weiterhin einfach zu teuer“, so Pertl, der sich sonst aber nicht öffentlich zum geplanten Hallenneubau äußern will.
Wenn bei den Planungen oder im Genehmigungsverfahren keine Hürden mehr lauern, dann soll mit den ersten Arbeiten für die Halle noch heuer begonnen werden. Was auch Monika Schmid von der FWG, die neben ihrer Sprecherfunktion auch Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde ist, hofft. Sie unterstreicht nochmals die Notwendigkeit des Bauwerks – auch in der kostenintensiven Ausstattung. „Wir wollen uns ja zum Ist-Zustand keinesfalls verschlechtern“, so die Lokalpolitikerin, die hofft, dass vor allem die Mehrheit der Bürger hinter den bisherigen Entscheidungen steht. Schmid: „Man darf ja nicht vergessen, dass wir die Halle nicht für ein paar, sondern für mindestens 40 Jahre bauen.“