Schiffleut-Bruderschaft-Verein Neubeuern feiert jahrtag

Erinnerung wachhalten

von Redaktion

Ältester Verein Neubeuerns – Gegründet im Jahr 1622 – Stangenreiter und Beurer Gwand als Zeugen

Neubeuern – Am kommenden Sonntag, 14. Januar, feiern ab 11 Uhr im Gasthof Vornberger in Altenbeuern die Mitglieder des Schiffleut-Bruderschaft-Vereins Neubeuern ihren 396. Jahrtag. Interessierte sind dazu gerne willkommen, sagt Vorsitzender Michael Konrad.

Gegründet wurde der älteste Verein der Marktgemeinde bereits im Jahr 1622, doch es gebe Hinweise, dass die Bruderschaft noch älter ist, erklärt der Vorsitzende des rund 420 Mitglieder starken Vereins. Und keineswegs kommen die Fans der Schiffleut nur aus Neubeuern und Umgebung. „Bis aus Kanada, München oder Burghausen reisen unsere Mitglieder an“, freut sich Konrad.

Wie er im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählt, gebe es bereits schriftliche Zeugnisse über einen Prozess beim Gericht in Rosenheim aus dem Jahr 1605. Es sei dabei um einen Handelsstreit zwischen Rosenheim und dem damals sehr reichen Ort Neubeuern gegangen. Aus Sterbeurkunden ist zudem zu entnehmen, dass es um 1617 schon einen losen „Vorgängerverein“ zur Schiffleut-Bruderschaft gegeben haben muss.

Stolz sei er, dass in Neubeuern die Tradition der Bruderschaft seit Anbeginn lückenlos zu verfolgen ist. Etliche andere Schiffleut-Vereine hätten Lücken im Bestehen. „Mit Beginn der technischen Revolution und der Erschließung der Region durch die Eisenbahn wurde das Ende der Schiffleut-Tätigkeit eingeläutet. Der Transport auf dem Inn per Schiff wurde jetzt einfacher durch die Eisenbahn bewältigt. Die Inn-Schiffahrt kam zum Erliegen und mit ihr die Vereinigungen. Später wurden einige Vereine wiedergegründet“, so Konrad.

Bis heute hat sich allerdings in Neubeuern die lückenlose Tradition der Schiffleut-Bruderschaft erhalten: durch das Museum, den Namen Stangenreiter, das Beurer Gwand und nicht zuletzt durch Michael Schmidl, Bürgermeister und letzter Schiffbauer in Neubeuern. Ehrensache für seinen Enkel Michael Konrad, als Vorsitzender des Vereins zu fungieren.

Mit dem Chronisten der Bruderschaft, dem ehemaligen Pfarrer von Neubeuern, Joseph Reuder, sprach die Heimatzeitung.

Sie sind seit vielen Jahren Chronist des Schiffleut-Bruderschaft-Vereins in Neubeuern. Was hat Sie seinerzeit dazu gebracht? Wer hatte Sie „angeworben“?

Das Amt des Chronisten schuf der Vorstand und Altbürgermeister Michael Schmidl Anfang der 1980er-Jahre, nachdem ihm mein ortsgeschichtliches Interesse aufgefallen war.

Was fasziniert Sie an den Schiffleut? Was ist das Besondere an ihnen?

Der älteste durchgehend erhaltene Verein des Ortes ist bemüht, den geschichtlichen Hintergrund der Ortsgemeinschaft im Bewusstsein zu erhalten.

Wie weit reicht deren Geschichte zurück? Welche Bedeutung hatten die Schiffleut für den Ort und die Region? Wann waren die Höhepunkte, wann begann der Niedergang?

Der oberhirtlichen Bestätigung der Bruderschaft von 1622 geht eine vorherige Gründung voraus. Es war eine Standesvertretung mit geistlichem Hintergrund und die verschiedenen SchiffleutBruderschaften am Inn hatten eine gute Verbindung untereinander. Die einträglichste Zeit war wohl das 16. Jahrhundert. Der Anfang der Schifffahrt im Ort dürfte im zwölften Jahrhundert mit der Gründung im Altenmarkt zu suchen sein. Der vorletzte Schiffmeister beendete seine Tätigkeit 1864, der letzte 1889 und gründete den Auerbräu.

Wie sieht es heute aus? Der Schiffleut-Bruderschaft-Verein zählt zu den größten in Neubeuern. Was gibt er den Menschen heute?

Anliegen der Bruderschaft heute ist es, das geschichtliche Interesse wachzuhalten und Einblick in die Vergangenheit zu geben.

Sie sind selbst Mitglied, legen aber in Kürze ihr Ehrenamt im Verein nieder. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen? Wie lange waren Sie dabei, wie viel Zeit und Mühe haben Sie investiert?

Mein Interesse an der Geschichte des Ortes war der Beitrittsgrund. In 13 Jahren habe ich in meiner Freizeit ein Häuserbuch der fast 200 alten Anwesen bis 1593 erstellt, aber auch einen Katalog der Mitglieder in der Verbindung der Schiffleut-Bruderschaft, die links und rechts des Inns von Hall in Tirol bis Schärding zu finden sind.

Interview: Sigrid Knothe

Joseph Reuder

Der ehemalige Pfarrer von Neubeuern, Joseph Reuder, wurde 1944 in München geboren und ist dort aufgewachsen. Nach der Priesterweihe 1970 war er vier Jahre Kaplan in München, dann folgten sechs Jahre in Berchtesgaden. 1980 wurde er Pfarrer in Neubeuern und 2006 auch Pfarradministrator in Nußdorf. Im Jahre 2015 ist Joseph Reuder in den Ruhestand gegangen. Am Sonntag wird er auch sein Ehrenamt im Schiffleut-Bruderschaft-Verein abgeben.

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