Schiffleutverein Nussdorf mit Jahreshauptversammlung

Hans Dettendorfer–die Seele des Vereins

von Redaktion

„Schiffleutweda“, sagte Hans Dettendorfer, der Vorsitzende des Nußdorfer Schiffleutvereins, und schaute zum Himmel, als sich gerade die Schiffleut zu ihrem traditionellen Kirchzug aufstellten und leichter Schneefall einsetzte. Doch das machte ihm nichts aus: Schließlich ist er erprobt. Seit 40 Jahren steht er dem Nußdorfer Verein vor.

Nußdorf – Unter musikalischer Begleitung der Hinterberger Buam zogen die Vereinsmitglieder zur Kirche St. Leonhard. Immer am dritten Sonntag im Jahr beginnt der im Jahr 1635 gegründete Verein seinen Jahrtag mit einem Kirchzug – und mit fast immer bei „Schiffleutweda“, zu dem naturgemäß Kälte und Schnee gehören. In der kalten Jahreszeit, wenn zu früheren Zeiten der Inn zugefroren oder wegen Eisdrift mit Innplätten nicht mehr befahrbar war, fanden die Schiffleut Zeit, sich in ihrem Verein zu treffen.

Der Gottesdienst wurde diesmal musikalisch vom Nußdorfer Kirchenchor begleitet. Als Gäste konnten zahlreiche Abordnungen von befreundeten Vereinen aus dem Umland begrüßt werden.

Hans Dettendorfer steht seit 40 Jahren als Vorsitzender dem Nußdorfer Schiffleutverein vor. Nach dem Tod seines Vaters, der ebenfalls langjährig Vereinsvorsitzender war, wurde dann Johann Dettendorfer im Januar 1978 die Führung übertragen. Zweiter Vorsitzender Hans Straßburger, der die Laudatio hielt, wusste aus Erzählungen zu berichten, dass seinerzeit immer nur eine kleine Gruppe Interessierter aus Nußdorf und Neubeuern an den Versammlungen teilnahmen. Heute hingegen zählt der Verein 485 Mitglieder und füllte nun, 40 Jahre später, den Saal beim Schneiderwirt. „Der große Zuspruch kommt nicht von ungefähr, denn Hans Dettendorfer hat mit regelmäßig stattfindenden Festen und Ausflügen nicht nur für ein geselliges Vereinsleben gesorgt, sondern mit der Pflege alter Schiffleut-Traditionen für den Erhalt der Geschichte einer alten Zunft gesorgt“, so Hans Straßburger.

„Lasst Taten sprechen“, so Straßburger und zog eine kleine Bilanz über Hans Dettendorfers langjährige Tätigkeit. So gehe der erst im vergangenen Jahr eingeweihte Plättenstadel, der an die Geschichte des Inns und der Schiffleute erinnert, auf die Initiative von Dettendorfer zurück. Als Freund und Förderer des Innmuseums in Rosenheim habe er sich dafür eingesetzt, dass das einzigartige Relief eines historischen Schiffszuges am Inn-Ufer nahe des Museums entstehen konnte. Der Schiffleutverein, der sich auch in der Nachfolge eines Sozialvereins sieht, kümmerte sich in der Vergangenheit mit Spenden um Menschen, die von den Wassermassen eines Unwetters heimgesucht wurden. An vielen Stellen in der Gemeinde Nußdorf weisen Informationstafeln auf das Leben und Wirken der Schiffleute hin. Dafür, aber auch für die aufwendige Renovierung der Prozessionsstangen und für den Erhalt der traditionellen Schiffleuttracht, habe der Vorsitzende gesorgt. Dettendorfer habe immer ein offenes Ohr für alle Belange des Vereins und seiner Mitglieder gehabt, den Verein zusammengehalten und „zu dem gemacht was er heute ist“.

Straßburger hätte noch weiter berichten können, wurde aber von einem überwältigenden und langanhaltenden Applaus der Vereinsmitglieder unterbrochen.

„Dass Hans Dettendorfer seinen Verein bis heute gut geführt hat, ist auch daran zu erkennen, dass zwei Vorstandsmitglieder bereits seit 25 Jahren mit ihm zusammenarbeiten“, erklärte der Zweite Vorsitzende in seiner Laudatio. Zu ihnen gehört Leo Dettendorfer, der seit 25 Jahre vorbildlich die Kasse führt. Er stammt vom Sigl-Hof in Überfilzen und zählt damit zu den unmittelbaren Nachfahren des letzten Nußdorfer Schiffsmeisters Wolfgang Dettendorfer. Eddi Faltlhauser wurde vor 25 Jahre als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Der mittlerweile 80-Jährige, der über viele Jahre Mitarbeiter des Wasserkraftwerks in Nußdorf war, gilt als fach- und sachkundiger Ratgeber des Vereins.

Wie rührig der Verein im vergangenen Jahr war, zeigte der Jahresbericht, den Schriftführer Bernhard Oberauer vortrug. Highlights im letzten Jahr waren die Plättenstadl-Einweihung und das Schiffleutfest (wir berichteten). Auch das kommende Jahr wird von Kurzweil geprägt sein, da neben einem Ausflug zahlreiche kulturelle Veranstaltungen geplant sind. Unerfreulich sei die Entwicklung des Aufwandes, den der Verein für die Finanzverwaltung aufbringen müsse, so der Kassier. Mittlerweile werde der Verein von Seiten des Finanzamtes wie ein Unternehmer behandelt. Die Veranstaltung wurde musikalisch von den Hinterberger Buam begleitet.

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