Interview mit Vroni Engel, Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Stephanskirchen-Riedering

Kleiner Geldbeutel – halber Preis

von Redaktion

Der „AWO-Laden mit Herz“ in Gehering feierte sein einjähriges Bestehen. Die OVB-Heimatzeitung sprach mit Vroni Engel, Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Stephanskirchen-Riedering. Ihre positive Bilanz: Ehrenamtliche engagieren sich, Kunden mit kleinem Geldbeutel zahlen nur den halben Preis und die Waren sind sehr gefragt.

Vor einem Jahr öffnete in Gehering der „AWO-Laden mit Herz“. Schon vor der Eröffnung waren viele Ehrenamtliche mit der Planung beschäftigt, es floss sprichwörtlich viel Herzblut hinein. Wie sieht heute Ihre Bilanz aus?

Das Engagement ist nach wie vor ausgeprägt groß. Wir haben inzwischen ein Team von 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern, das mit großem Einsatz den Geheringer AWO-Laden mit Herz managt. Ohne dieses hervorragende Engagement wäre dieses Projekt nicht möglich. Es freut uns auch sehr, dass sich immer wieder neue Mitarbeiter melden, aktuell gerade wieder zwei. Wir können diese Unterstützung sehr gut gebrauchen, denn in unserem Laden ist viel Arbeit zu bewältigen.

Sie sind mit einem breiten Sortiment gestartet. Wie wird es von den Kunden angenommen? Gibt es Lieblingsprodukte oder Ladenhüter, auf die Sie künftig verzichten werden?

An unserem Sortiment werden wir nichts ändern, alles wird wirklich gut von unseren Kunden angenommen. Natürlich gibt es immer wieder Artikel, die länger keinen Käufer finden, diese werden nach einem Jahr aussortiert und an andere Wohlfahrtsorganisationen weiter gegeben.

Gab es Überraschungen – positive oder negative – mit denen Sie bei der Entwicklung des Projekts nicht gerechnet hatten?

Positiv überrascht hat uns, dass so reichlich gespendet wird und wirklich gute und auch hochwertige Spenden in unseren Laden gebracht werden. Viele Spender sind froh, dass Dinge, die nicht mehr passen oder nicht mehr gebraucht werden, nicht entsorgt werden müssen. Positiv gestimmt hat uns auch die Tatsache, dass der Laden so gut angenommen wird und sich, wie gewünscht, zum Laden für alle entwickelt hat. Wir haben inzwischen Kunden aus allen Gesellschaftsschichten, die nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung kommen, sondern auch aus weiter entfernten Orten, weil sie unser Angebot schätzen. Überrascht hat uns, vielleicht waren wir da auch etwas blauäugig, dass wir mit den gleichen Problemen konfrontiert sind, wie andere Geschäfte – dazu gehört auch Diebstahl.

Was ist das Besondere an dem AWO-Laden, das ihn so beliebt macht?

Von den Kunden wird sicherlich honoriert, dass alle Mitarbeiter ausschließlich ehrenamtlich arbeiten und auch keinerlei Aufwandsentschädigung bekommen. Alle Läden dieser Art werden als Gewerbebetriebe eingestuft, deshalb ist uns eine Ehrenamtsentschädigung gar nicht gestattet. Zur Beliebtheit trägt sicherlich auch bei, dass bei uns Kunden mit kleinem Geldbeutel alle Waren zum halben Preis bekommen, dies wird bei uns absolut unbürokratisch gehandhabt. Darüber hinaus schätzen unsere Kunden, dass wir zur Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit beitragen. Von Eltern hören wir häufig, dass sie die Möglichkeit schätzen, bei uns für ihre Kinder Kleidung kaufen zu können, aus denen Giftstoffe, die bei der Textilherstellung oft verwendet werden längst heraus gewaschen sind.

Was geschieht mit den Einnahmen des AWO-Ladens?

Wir bezahlen ganz normal Miete, Nebenkosten, Strom und Ähnliches, so wie dies jeder andere Mieter tut. Als Gewerbebetrieb müssen wir auch Umsatzsteuer und Gewerbesteuer bezahlen. Ziel des AWO-Ortsvereins Stephanskirchen-Riedering ist es, mit dem Gewinn eigene Projekte ins Leben zu rufen, die alte Menschen dabei unterstützen, damit sie so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können. Das ist der Wunsch der meisten alten Menschen. Aus unserer Arbeit mit Senioren wissen wir, dass es da Defizite gibt. Für solche Projekte müssen Rücklagen geschaffen werden, die sind auch nicht ausschließlich ehrenamtlich zu gestalten, das sind mittel- und langfristige Ziele.

Was planen Sie für das zweite Jahr?

Wir betrachten das Konzept und die Entwicklung unseres Ladens als positiv und werden deshalb keine großen Veränderungen vornehmen. Über Verbesserungsvorschläge unserer Kunden freuen wir uns, sie unterstützen uns dabei an der Optimierung unseres Ladens weiter zu arbeiten.

Interview Petra Maier

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