Tattenhausen – „Mia woiten eigentlich um 13.13 Uhr ofanga – oda spada“, informierte Kreisrat Josef Lausch die Wartenden. Weil aber der Zug der Bundesbahn etwas Verspätung hatte, war’s dann erst um 13.40 Uhr so weit, und die 21 Motivwagen und sechs Fußgruppen, angeführt von der Dreder Musik, setzten sich in Bewegung.
An brisanten Themen mangelte es dabei nicht: Vom „BER-Flughafen Berlin“ der Feuerwehr Großkarolinenfeld („Wir ziehen euch den letzten Cent aus der Tasche“) über „Glyphosat“ vom Burschenverein Tuntenhausen, dem Olympiaausschluss Russlands, vertreten durch die Burschenschaft Ellmosen-Harthausen („Wir sind das ganze Jahr über gedopt“) bis hin zu „The Wall“ – Trumps Mauer zwischen der USA und Mexiko“ vom Burschenverein Beyharting, „Jamaika“ und der Air-Berlin-Pleite reichte die Palette. Und die KLJB Vogtareuth stürzte sich auf den Skandalfleck in ihrer Gemeinde, das Prinzessinnenhaus, das vor sich hin verfällt.
Mit von der Partie war auch wieder der legendäre Tattenhausener Gaudiwurm der Dorfjugend. Geschickte „Nadlerinnen“ haben das in die Jahre gekommene Leinengerüst wieder zusammengeflickt. Allerdings musste das „Urgestein“, das rosarote Schwein des Faschingsvereins Lederer Gmoa aus Haag, das ebenfalls von Anfang an dabei war, ob seines Alters im Stall bleiben.
Eigeninitiative zeigten die „Pfahler“ mit ihrem mobilen Bautrupp: Sie packen nun selbst mit an, damit Jarezöd endlich ein schnelles Internet bekommt, bildet der Ortsteil doch das Schlusslicht in der Datenleistungsübertragung.
Mehr als 600 Kilometer weit waren die kleinen Schweizer aus Tönisheide angereist, um die seit 1961 bestehende Freundschaft zwischen der Rottmühle und Tönisheide gebührend zu feiern. Zudem begrüßte Tattenhausen mit seinen beurkundeten 1214 Jahren eine Gruppe „Kreuzzügler und Römer“ in seinem Kreise.
Begeistert beklatscht wurden die Fußgruppen und Motivwagen von den Zuschauern, die unter Vordächern und Zeltaufbauten Schutz vor den Graupelschauern suchten. DJ Florian und Daniel brachten trotz ihrer mitreißenden Musik die vielen kleinen Cowboys, Polizisten, Piraten, Marienkäfer und Clowns bei dem nasskalten Wetter allerdings nur zögerlich in Schwung.
Derweil hatte Sepp Lausch von der Hebebühne an der Maibaumwiese aus für jede Fußgruppe eine feurige schmissige Begrüßung parat. Er befand „do geht’s ja zua wia am Mittlern Ring in Minga“ und rief alle Faschingsfans dazu auf, in „Kamellenfangstellung“ zu gehen.
Erstmals trat die Tattenhausener Kindergarde mit ihrer Trainerin Lisa Hofmann mit einer akrobatischen Darbietung auf der Bühne am Dorfplatz auf.
Den Vorzug nach dem Zug fand dann die warme Garage der Feuerwehr. Auf großen Anklang stieß auch die Kaffee- und Kuchenbar der Frauengemeinschaft fern ab vom Trubel im Ortshaus.