Neue Figurengruppe für Aschauer Pfarrkirche

Segen für Gläubige und Passanten

von Redaktion

Zu ihrem Patrozinium hat die Aschauer Pfarrgemeinde „Darstellung des Herrn“ jetzt eine neue Figurengruppe für das Eingangsportal bekommen. Ihren festen Platz wird die Darstellung von Maria und Jesu aber erst im Mai bekommen.

Aschau – Der Namenstag war in der Region früher höher eingeschätzt als der Geburtstag. Kein Wunder also, dass der Namenstag der Kirchen, das Patrozinium, auch heute noch einen besonderen Feiertag im Leben der Kirchengemeinden darstellt und entsprechend gefeiert wird.

Wie jetzt das Kirchenpatrozinium der Kirche „Darstellung des Herrn“. Zu diesem Kirchweihtag erhielt die Aschauer Pfarrgemeinde ein ganz besonderes Namenstagsgeschenk: Künftig wird eine überlebensgroße Madonna mit Kind als Figurengruppe „Darstellung des Herrn“ die Nische über dem Hauptportal der Pfarrkirche am Kirchenplatz zieren. Das segnende Jesuskind wird allen Kirchenbesuchern und vorübergehenden Passanten seinen Segen erteilen.

Der Aschauer Bildhauer Christian Huba schuf die Skulptur aus Aluminium, Pfarrer Paul Janßen gab dem Werk im letztmals weihnachtlich geschmückten Gotteshaus den Segen der Kirche. Zahlreiche Gläubige der Aschauer Pfarrgemeinde, die Fahnenabordnungen der Vereine und Vertreter aller Gemeinden des Pfarrverbandes Oberes Priental nahmen an dem Festgottesdienst teil.

„Die Madonna steht ganz in der Tradition der christlichen Madonnen“, so Huba. „Eingehüllt in den Schleier und Mantel frommer jüdischer Frauen bietet sie mit ausgebreiteten Händen als Mantelmadonna der ganzen Welt Schutz und Hilfe. Bescheiden tritt sie jedoch hinter den strahlenden Jesusknaben zurück, der hier – 40 Tage nach seiner Geburt – den Priestern im Jerusalemer Tempel gezeigt wird. Der Jesusknabe erhebt die rechte Hand zum Segen für die ganze Welt und deutet mit der linken auf das Gewand mit dem Kreuz auf der Brust.“

Übergangsweise

in der Werkstatt

Pfarrer Janßen bedankte sich beim Künstler für sein Werk. In Mai wird die Madonna – derzeit wird sie noch in der Werkstatt aufbewahrt – ihren bleibenden Platz über dem Eingangsportal erhalten. Die Kosten für das Werk sind in den Bau- und Renovierungskosten der Aschauer Pfarrkirche enthalten, die Baumaßnahmen sind damit weitestgehend abgeschlossen. Zehn Prozent der Summe übernimmt die Aschauer Pfarrgemeinde.

Christian Huba berichtete über seine Aufgabe, die „Darstellung des Herrn“ in eine Skulptur zu binden: „Meine Aufgabe bestand darin, den beiden kirchlichen Ereignissen vom 2. Februar Mariä Lichtmess mit dem jüdischen Reinigungsritual und der Darstellung des Erstgeborenen plastisch Gestalt zu geben. Nun gibt es in der christlichen Kunstgeschichte eigentlich keine Ikonografie zu diesem Thema, sondern eben nur die bekannten malerischen Bilderzählungen der Maler, wie sie als meisterhaftes Beispiel auch auf dem Aschauer Altarblatt zu finden ist“, so Huba. „Der Bildhauer muss aber – ganz anders als der Maler – nach den eigentümlichen Möglichkeiten seiner Disziplin, eine biblische Erzählung in ein komprimiertes und prägnantes Bildwerk verdichten“, so der Künstler weiter. Huba: „Anders gesagt: Wenn der Maler ein Erzähler ist, dann ist der Bildhauer ein Dichter. Er sucht das Wesentliche, die Essenz, den Punkt der Aussage und gibt dem den größtmöglichen Ausdruck. In der Lichtmessfeier ist Maria die Protagonistin, in der Darstellung des Herrn steht Jesus im Mittelpunkt. Daraus ergibt sich eine Maria-und-Jesus- Konstellation, eine Mutter-Kind-Komposition, die sich von der tradierten Madonnendarstellung darin unterscheidet, dass seit dem zweiten Vatikanischen Konzil die Darstellung des Herrn am 2. Februar als eigentlicher Festanlass gilt und nicht mehr der Reinheitskult um Maria.“ Das Fest und das Ereignis zielten auf eine deutlichere Betonung der Person Jesu. Ins Bildnerische umgesetzt bewirke das eine stärkere Akzentuierung der Gestalt Christi. So habe er Jesus nicht als 40-tägigen Säugling, sondern als „kleinen Erwachsenen“, der sich seiner Mission aber auch der bevorstehenden Passion bewusst ist, in die Mitte gerückt. „Umgekehrt habe ich die Mutter reliefartig reduziert, sie als eine Mantelfigur interpretiert, die sich öffnet und aus ihrem mütterlichen Raum den vollplastischen und in den Vordergrund gerückten Jesusknaben freigibt.“

Die Aschauer Pfarrkirche hat mit dem Festtag „Darstellung des Herrn“ ein deutschlandweit ganz seltenes Patrozinium. Es hat seinen Ursprung in der jüdischen Tradition: Alle Erstgeburten gehörten Gott. So brachten Maria und Josef das Jesuskind 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel, um ihn als Erstgeborenen Gott zu weihen und gegen ein entsprechendes Opfer wieder auszulösen. Maria hatte 40 Tage nach der Geburt ein Reinigungsopfer zu bringen. Auf diese Begebenheit geht der Name des Festes zurück, der sich seit dem zweiten Vatikanischen Konzil 1969 im katholischen Kalender findet: „Darstellung des Herrn“.

Artikel 1 von 11