Ameranger Gemeinderat beschäftigt sich mit Anfrage der „REWE Group“

Geteiltes Echo zum Discounter-Vorstoß

von Redaktion

Braucht Amerang einen Lebensmittel-Discounter? Die „Rewe Group“ hatte die Gemeinde vor Monaten informiert, dass sie einen solchen errichten möchte. In einer Sondersitzung des Gemeinderates wurde das Vorhaben jetzt öffentlich vorgestellt. Die Meinungen sind geteilt. Eine Marktanalyse soll Licht ins Dunkel bringen.

Amerang – Glaubt man einer nicht repräsentativen Online-Umfrage, so sind gut 60 Prozent der Teilnehmer für die Errichtung eines Discounters in Amerang. Der Gewerbeverein äußert dagegen Skepsis und auch die Gemeinderäte sind uneins. Bietet das großflächige Areal an der Wasserburger Straße in Richtung am Kroit im Falle einer Einigung mit den Grundstückseigentümern doch auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Aus Sicht einiger Ratsmitglieder soll der Bereich einschließlich der Sportflächen gesamt überplant und anschließend in einem Gesamtkonzept entwickelt werden. Bereits im Vorfeld der Beratung im Gemeinderat schieden sich die Geister. Nun wurde die Entscheidung über eine Ansiedlung erst einmal vertagt. Eine Machbarkeitsstudie soll Fakten über wirtschaftliche Aspekte und das Einkaufsverhalten der Ameranger bringen. Darauf einigten sich die Gemeinderäte nach einer ausführlichen Diskussion.

Geht es nach Christian Hofmeister, dem Expansionsleiter der Rewe Group, dann bietet Amerang den perfekten Standort. Er hat eine Lücke im Bereich Discounter ausgemacht. Etwaige Angebote seien rund zehn bis 15 Kilometer entfernt und damit fließe Kaufkraft ab. Die sei nicht unerheblich, denn laut Erhebungen der Rewe Group gäben bei einem durchschnittlichen Marktanteil der Discounter von etwa 40 Prozent, die Ameranger umgerechnet auf die Einwohner etwa drei Millionen Euro für den Lebensmitteleinkauf beim Discounter aus. Mit dem geplanten Markt werde das Einkaufsangebot auf einer überschaubaren Verkaufsfläche von etwa 800 Quadratmetern und einem Sortiment von etwa 2000 Artikeln deutlich erweitert. Laut Hofmeister wolle Rewe in Kooperation mit dem Bauträger selbst als Bauherr auftreten und möglichst viel mitgestalten. Mit viel Holz und Glas versuche man, die Architektur der Gebäude möglichst gut in die Landschaft und in die vorhandene Bebauung einzubinden. Zudem würden auch der ökologische Gedanke und soziales Engagement hochgehalten.

Gegner des Vorhabens bezweifelten, dass der Bedarf eines Lebensmitteldiscounters in Amerang gegeben sei. Einige Gemeinderäte und auch der Gewerbeverein befürchten, dass „der einzigartige Dorfcharakter, um den uns viele andere Gemeinden beneiden, verloren geht“. Die Grundversorgung sei in Amerang sehr gut gewährleistet und hier sei im Falle eines weiteren Einkaufsmarktes mit Umsatzrückgängen oder gar Schließungen zu rechnen. Zudem fanden sich unter anderem auch ökologische Gesichtspunkte, Preisdruck gegenüber den Erzeugern oder Niedriglöhne auf der Kontraliste.

Einige Räte fanden, dass Amerang mit seinen kleinen individuellen Geschäften, keinen Discounter brauche und die ortstypische Struktur erhalten werden soll. Zudem sei die geplante Grundstücksfläche zu wertvoll. Gerade im Hinblick auf die weitere Ortsentwicklung und einen möglichen Standort für ein seit vielen Jahren angedachtes Haus der Vereine.

Andreas Schauberger und Simon Strell gaben jedoch zu bedenken, dass die Bürger bei der Entscheidung mitgenommen werden müssten. Es müssten auch niedrigere Einkommensschichten berücksichtigt und geschaut werden, wo die Menschen zum Einkaufen hinfahren. Annemarie Linner betonte, dass die Bürger die Freiheit haben sollten, am Ende selbst zu entscheiden, wo sie einkaufen. Es gäbe verschiedene Zielgruppen.

Zentrale Lage,

kurze Wege

Bürgermeister Gust Voit stellte klar, dass es „eine Hauptaufgabe der Gemeinde ist, die Nahversorgung der Bürger sicherzustellen“. Der mögliche Standort für den geplanten Lebensmittelmarkt sei in zentraler Lage und biete kurze Wege. Anzustreben sei eine zukunftsfähige Lösung, denn mit dem Areal an der Wasserburger Straße und der noch freien Fläche am südlichen Ortsausgang an der Bahnhofstraße gäbe es die letzten verfügbaren Grundstücke, um die gewünschte Ortsentwicklung mit Einverständnis der Grundstückseigentümer zu realisieren. Deshalb brauche es die Beplanung der beiden Standorte.

Der Vorschlag, mittels einer Marktanalyse die Auswirkungen des geplanten Einkaufsmarktes auf die örtlichen Geschäfte und die Ortsentwicklung unabhängig zu bewerten, wurde einstimmig angenommen. Die Räte erhoffen sich daraus belastbare Fakten für die Entscheidungsfindung.

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