Auf wiedersehen Fasching, willkommen Fastenzeit

Fischessen gegen die harte Landung

von Redaktion

Gestern noch das pralle bunte Leben, heute bereits Verzicht auf Fleisch und Besinnung auf christliche Traditionen: Gegensätzlicher als Faschingsdienstag und Aschermittwoch können zwei Tage kaum sein. Doch wie gehen die Faschingsnarren in der Region mit diesem Kontrastprogramm um? Die OVB-Heimatzeitungen haben nachgefragt.

Prien/Bad Endorf/Aschau – Faschingsfans müssen sich heute ähnlich fühlen, wie ein Kleinkind, dem schlagartig sein Lieblingsspielzeug weggenommen worden ist: Von einer Minute auf die andere ist der ganze Spaß vorbei. Haben die Narren in Hochburgen wie Bad Endorf, Aschau oder Prien noch bis gestern Mitternacht in bunten Kostümen und vermutlich mit reichlich Alkohol das Faschingsfinale gefeiert, stehen die Zeichen zu Beginn der Fastenzeit am heutigen Aschermittwoch auf Verzicht und Besinnung auf den christlichen Glauben.

„Dass der Fasching schon wieder vorbei ist, sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, findet Niki Hirner, Präsidentin der Faschingsgilde Aschau. Sie ist – selbstverständlich – „ein absoluter Faschingsfan“. Deshalb fällt ihr der Abschied von der heuer recht kurzen Saison auch nicht leicht. „Das Wichtigste ist aber immer, dass wir die Saison ohne größere Unfälle hinter uns gebracht haben“, so Hirner.

Und auch wenn ihr die Auftritte, der Trubel wie beispielsweise gestern beim bunten Faschingstreiben auf dem Aschauer Hans-Clarin-Platz und die fantasievollen Kostümierungen fehlen werden, ist sie auf der anderen Seite doch froh, „dass jetzt erst mal wieder Ruhe einkehrt“.

Zumindest bis Ende März – denn dann beginnt die Gilde bereits mit den Vorbereitungen für die kommende Saison. Damit der Übergang vom Fasching in die narrenfreie Zeit nicht ganz so abrupt erfolgt, treffen sich die Verantwortlichen – passend zum Aschermittwoch – heute zum gemeinsamen Fischessen in der Aschauer Festhalle.

Auch wenn sich die Aschauerin als gläubigen Menschen bezeichnet – die Fastenzeit wird ihr Leben deutlich weniger beeinflussen, als der Fasching. „Es ist jetzt nicht so, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe“, gesteht die Faschingspräsidentin, die in der Fastenzeit auch auf nichts Spezielles verzichten wird – außer natürlich auf die Faschingsfreuden.

Eine ähnliche Einstellung zur heute beginnenden Fastenzeitung, die als Vorbereitung aufs Osterfest gilt, vertritt Karl Zöberer junior. Der Präsident der Endorfer Faschingsgilde hat nach eigenen Angaben „zur Fastenzeit überhaupt keinen Bezug“. Auch er freut sich zwar im ersten Moment darüber, „dass jetzt endlich ein bisschen Ruhe einkehrt und man auch zu Hause mal wieder klar Schiff machen kann“. Dennoch könnte es für den Endorfer Präsidenten, der in Söchtenau wohnt, gerne bereits in wenigen Tagen mit dem Fasching weitergehen: „Dann sind die Akkus wieder aufgeladen.“

Ein Wunsch, der für die Endorfer Faschingsnarren in gewisser Weise sogar in Erfüllung geht. Denn für Zöberer zählt in puncto Planung für die kommende Saison das Motto „Nach dem Fasching ist vor dem Fasching“. Außerdem wird die Showtanzgruppe der Gilde, die Hurricanes, auch nach der Saison ihr Können bei anderen Festen präsentieren – und somit auch außerhalb der Faschingszeit für einen Hauch Fasching sorgen.

Bei der Faschingsgesellschaft Prienarria aus Prien verschwindet die närrische Zeit ebenfalls nie so ganz aus den Köpfen der Verantwortlichen. „Bei uns geht es am heutigen Aschermittwoch eigentlich schon weiter“, sagt Präsident Pius Graf gegenüber unserer Zeitung. Denn heute steht für die Faschingsgesellschaft zum einen das große Aufräumen an, zum anderen ein gemeinsames Fischessen.

„Das ist immer ein schöner Abschluss“, findet Graf – wobei Abschluss eigentlich das falsche Wort ist. Denn in wenigen Wochen steht die Hauptversammlung der Faschingsgesellschaft mit Neuwahlen an. Anschließend geht es für das neue Präsidium – Graf kann sich gut vorstellen, das Präsidentenamt erneut zu bekleiden – mit vollem Einsatz in die Vorbereitung auf die kommende Saison.

Neuwahlen bei

der Prienarria

Die Zeit bis dahin will der Priener unter anderem dafür nutzen, auch daheim wieder für Ordnung zu sorgen. „Vom Papierkram bis zur Wäsche – da ist viel liegen geblieben“, so Graf.

Die heute beginnende Fastenzeit sieht der Faschingspräsident aus Prien für sich persönlich weniger von der christlichen Seite aus mit dem Verzicht auf bestimmte Dinge oder gar der Buße im Mittelpunkt, sondern mehr als Zeit, um wieder mal zur Ruhe zu kommen. „Nach den Weihnachtsfeiern und dem Weihnachtstrubel ging es für uns ja direkt mit dem Fasching weiter“, so Graf. „Daher ist für mich die Fastenzeit in gewisser Weise jetzt das, was für viele Menschen der Advent ist: die stade Zeit.“

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